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Weihnachten in der Antarktis mit MS Sea Spirit – eine magische Erfahrung (ein Gastbeitrag von Dennis Hillemann)

Unberührte Natur, soweit das Auge reicht. Pinguine, die herumwuseln, mir jedes Mal ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Eisberge, die von längst vergessenen Zeiten erzählen. Verlassene Walfänger, die daran erinnern, dass hier, am Ende der Welt, die Natur und nicht der Mensch regiert. Wunderschöne Orcas und mächtige Wale, die mich zum Staunen brachten. Eine Reise, die ich nie vergessen werde…

Meine erste Antarktis-Reise! Viele mögen das gar nicht glauben, da meine Frau Kristina Hillemann als Gründerin von Eisexpeditionen.de doch schon so oft in der Antarktis war und eine große Kennerin der polaren Regionen ist. Aber bisher hatte ich nie die Zeit, sie zu begleiten. Nun war es jedoch möglich – auch ich konnte Ende 2021 das erste Mal die faszinierende Welt der Antarktis erforschen. Wir stachen mit der Sea Spirit von Poseidon Expeditions in See – und ich erlebte einmalige Abenteuer. Wie ich diese Reise wahrgenommen habe und welche Eindrücke bei mir als „Neuling“ bleiben, das möchte ich in diesem heutigen Blogbeitrag erzählen. Kommen Sie mit mir auf eine fantastische (und vor allem auch sichere) Reise.
Der Reihe nach:

Anreise

Vielen von uns bereiten Reisen in Corona-Zeiten Sorgen. Sind wir gefährdet? Klappt es mit den komplizierten Formularen? Ich kann sie beruhigen: Es funktioniert sehr gut.
Für uns ging die Reise am 18. Dezember 2021 von Hamburg aus über London nach Buenos Aires. Das klappte sehr gut. In London waren wir nur im Transit und mussten nicht einreisen. Mit den Formularen für die Einreise in Argentinien hatten wir uns vorher beschäftigt. Klar, dass ich hier mit einer Expertin an meiner Seite einen Vorteil hatte, aber: Es funktionierte alles auch genauso, wie es von den argentinischen Behörden in den Reiseinformationen beschrieben ist. Wir brauchten einen PCR-Test (nicht älter als 72h vor Anreise), mussten das argentinische Reiseformular ausfüllen (alles online zu erledigen) und unseren Reisepass und Impfnachweis bereithalten. Die Einreise am Morgen des 19.12. funktionierte problemlos. Die Kontrolle der freundlichen Grenzbeamtin dauerte nur wenige Minuten.
Nach einem fantastischen Tag in Buenos Aires (über diese Stadt möchte ich in einem gesonderten Beitrag berichten) ging es dann am 20.12.2021 mit einem Flug innerhalb Argentiniens nach Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens (und aus Sicht Argentiniens auch der Welt). Auch über diese Stadt möchte ich in einem gesonderten Blogbeitrag berichten, damit wir uns heute auf die Reise in die Antarktis konzentrieren können.

Hotel & Organisation

Für uns startete die Reise mit Poseidon Expeditions am Flughafen von Ushuaia. Dort wurden wir von einer freundlichen Mitarbeiterin in Empfang genommen und zusammen mit anderen Reisenden in das Hotel Arakur gebracht. Zwei Punkte möchte ich hier bereits eingangs der Reise erwähnen, bevor es dann gleich „auf das Schiff“ geht im nächsten Abschnitt:

Von dem Hotel Arakur war ich sehr positiv überrascht. Es ist ein 5-Sterne-Hotel, und hier, am Ende der Welt, hätte ich nicht derartigen Luxus erwartet. Helle Zimmer, schön eingerichtet, sehr freundliches Personal, sehr groß, direkt an einem kleinen Nationalpark gelegen auf einem Berg mit einem Blick über die Stadt, auf den Hafen und die Anden. Ich hatte mich mit dem Hotel nicht im Vorwege beschäftigt und betrachtete es auch eher als Nebensache, denn tatsächlich stand für mich die Reise mit der Sea Spirit im Vordergrund. Aber nun fühlte ich mich gleich sehr wohl, ein sehr guter Start in die weitere Reise.

Zum anderen möchte ich hier von Tag 1 unserer Reise mit Poseidon Expeditions die hervorragende Organisation der Reederei loben. Wir konnten am Tag der Anreise (wie auch alle anderen Mitreisenden) ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin im Hotel führen, die sehr gutes Englisch sprach. Es war für uns wie für alle anderen stets klar: Wann passiert was, wo müssen wir wann hin? Dazu gehörten auch umfassende Corona-Sicherheitsmaßnahmen: Masken tragen im Hotel, Masken tragen auf dem Schiff, Schnelltest vor dem Boarding, Schnelltest noch zweimal auf der Reise. So hatte Poseidon Expeditions einerseits Corona sicher im Griff auf der Reise, andererseits spürten wir auch als Gäste große Sicherheit in diesen unruhigen Zeiten. Zumal die Regeln vom Personal konsequent umgesetzt wurden.
Am 22.12. wurde morgens der Schnelltest durchgeführt – sowohl Kristina wie ich waren negativ. Gleiches galt aber auch für alle anderen Reisenden von Eisexpeditionen.de und Poseidon Expeditions. Am Nachmittag ging es dann in den Hafen zur Sea Spirit – die faszinierendste Reise meines Lebens sollte jetzt erst so richtig in den Gang kommen.

Poseidon Expeditions & Sea Spirit

Kurz einige Fakten über Poseidon Expeditions: Das Unternehmen wurde 1999 gegründet und ist Marktführer für Seereisen auf einem Eisbrecher. Organisation und Team (dazu sogleich) vermitteln immer den Eindruck, für die Reisen in die polaren Gebiete förmlich „zu brennen“ und für die Gäste das Beste erreichen zu wollen.

Wir fuhren mit der Sea Spirit. Mit diesem maximal 114 Passagiere fassenden Schiff hatte Poseidon sein Angebot im Bereich Expeditions-Seereisen in die Antarktis sowie die Arktis erweitert. Auf der Seite von Eisexpeditionen.de finden Sie unter „Schiffe“ eine ausführliche Beschreibung dieses großartigen Schiffs. Aber auch ich möchte meine Eindrücke kurz schildern: Von Anfang an fühlte ich mich an Bord sehr wohl. Auf Deck 2 ist das Restaurant gelegen, in dem wir dreimal täglich mit sehr gutem Essen und einer Auswahl internationaler Gerichte vom freundlichen und zuvorkommenden Personal bewirtet wurden. Auf Deck 3 befindet sich die Oceania Lounge, in der nicht nur die ersten Informationen bei der Einschiffung geteilt wurden, sondern auch das Expeditionsteam die Vorträge hält. Auf Deck 4 schließlich gibt es eine Bar und eine 24 Stunden- Kaffee- und Teestation, in der es täglich auch Kuchen gab. Gleichzeitig ist Deck 4 das Umlaufdeck, das man ständig betreten kann (wenn es die See erlaubt) und die wunderschönen Naturschauspiele beobachten kann. Auf Deck 5 gibt es den Fitnessraum sowie am Bug des Schiffes auch noch eine Plattform, auf der sich ein Whirlpool befindet. Hier wurde dann auch ein fantastisches Barbecue angeboten (dazu später mehr).

Unsere Kabine befand sich auf Deck 6. Wir hatten die Kabine 601, eine Premium Suite Kabine mit rund 30m² Fläche. Ich war von der Kabine begeistert: Groß, mit zwei Kleiderschränken und vielen Ablageflächen, Sofa, Minibar, vielen Anschlüssen zum Aufladen von Kameras und Smartphones. Sie gefiel mir sehr gut und ich hielt mich hier gerne auf – natürlich vor allem auch wegen des privaten Balkons. Die große Stärke der Sea Spirit ist aber natürlich die Ausgestaltung als Expeditionsschiff für die Antarktis mit einer kleinen Zahl von Passagieren. Das bedeutet. Viel Zeit bei Anlandungen. Natur und Erlebnis pur.

Einschiffung & Abfahrt

Bei der Einschiffung stellte sich das Expeditionsteam selbst vor sowie das Schiff und die Regeln, insbesondere zum Maskentragen (und diese wurden auch sehr konsequent durchgesetzt!). Dann geht es auf die Kabine, kurz auspacken, und danach wird sich natürlich umgesehen auf dem Schiff. Irgendwann heißt es dann: Auf zur obligatorischen Rettungsübung mit den Rettungswesten! Das kennen Sie sicherlich, wenn Sie schon einmal eine Kreuzfahrt unternommen haben, und auch bei Expeditionsseereisen ist es nicht anders. Wer es noch nicht erlebt hat, keine Sorge – die freundliche Crew gibt klare Anweisungen, was wann zu tun ist, und die Rettungswesten sind selbst für wenig handwerklich begabte Menschen wie mich einfach in der Nutzung.

Der Ablauf an Bord ist sehr gut organisiert. In aller Kürze: Es gibt Frühstück, Mittagsessen und Abendessen zu Zeiten, die am Vortag mit Aushängen bekannt gegeben werden – und natürlich gibt es immer Durchsagen. Über den Tag hinweg gibt es Vorträge von den Expedition Guides zu verschiedenen Zeiten. Sie erklären, wohin sich das Schiff bewegt, was wir sehen werden sowie Hintergründe aus Natur, Geschichte und Politik. Die Vorträge sind auf Englisch und werden in das Deutsche synchron übersetzt. So gibt es jeden Tag auch ein Bordprogramm – aber der Star ist natürlich die Natur.

Drake-Passage

Dann hieß es: „Leinen Los“! Die MS Sea Spirit nimmt Kurs Richtung Süden. Das bedeutet aber auch: rund zwei Tage auf der berühmt-berüchtigten Drake-Passage.
Warum ist sie so berüchtigt? Die Meeresstraße zwischen Kap Horn (der Südspitze Südamerikas) und der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel (maßgeblich ist hier der sog. Prime Head, der nördlichste Punkt der Trinity-Halbinsel), gilt als eine der unruhigsten Meeressstraßen der Welt. Wellen können hier durchaus 10m Höhe und mehr erreichen. Bei unruhiger See spricht man daher von „Drake Shake“, also einem Zustand eines sehr hohen Wellenganges. Wenn es dagegen ruhig wird, sprechen Seefahrer vom „Drake Lake“ – auch dann erreichen Wellen aber durchaus zwischen drei bis fünf Metern Höhe. Jedenfalls ein wenig Schaukeln ist also einzuplanen. Wir hatten eher den Drake Lake. Ein wenig „Rock’n Roll“, also ein Schaukeln des Schiffes zwischen den Wellen, gab es auch. Jeden kann dabei ein wenig Übelkeit erwischen. Aber keine Sorge – die Rezeption gibt Tabletten gegen Seekrankheit aus, die sehr gut helfen.

Auf der Drake-Passage gibt es neben der unendlichen Weite des Meeres aber auch die ersten Naturschauspiele zu bestaunen. Wunderschön gleiten die Vögel der Antarktis in den rauen Winden und zwischen den Wellen. Das Herz jedes Vogelfreundes wird höherschlagen, wenn sie oder er insbesondere die majestätischen Albatrosse beobachten kann, diese magischen Gleiter mit ihren großen Flügelspannweiten. Stellen Sie es sich vor, wie Sie an Deck stehen, unter Ihnen die Wellen, in der Ferne nichts als Wasser unter einem unendlichen Horizont, und Sie beobachten die Vögel, die kaum ihre Flügel schwingen müssen, die gleiten, als wäre es das müheloseste Unterfangen auf der Welt, sicher, ruhig und doch zielgerichtet. Freunde der Fotografie werden hier bereits voll auf ihre Kosten kommen. So hat auch diese Phase der Überquerung der Drake-Passage ihre ersten Wunder zu bieten gehabt.

Pinguine!

Am 24.12., pünktlich zu Heiligabend, war es so weit: Land in Sicht! Schon beim Aufstehen konnten wir es mit einem Blick aus unserem Balkon erspähen – und die Vorfreude und Spannung stieg ins Unermessliche. Die Drake-Passage lag hinter uns, Deutschland mit all seinen Sorgen in diesen unruhigen Zeiten schien eine ganze Welt entfernt zu sein. Denn nun kam es zu der ersten Anlandung – auf Barrientos, Teil der Aitcho Inseln der Antarktis. Und ich sollte das erste Mal in meinem Leben Zügelpinguine und Eselspinguine in freier Wildnis sehen!
Aber der Reihe nach: Die Anlandung funktioniert dergestalt, dass zunächst die Guides mit einem oder mehreren Zodiacs rausfahren und die Anlandestelle sichern. Wenn die Anlandung nach den äußeren Bedingungen möglich ist, werden die Passagiere dann ebenfalls mit Zodiacs abgeholt. Ich liebe Zodiac-Fahren. Sie sind nur knapp über dem Wasser und dem Eis und fühlen sich doch dank der Guides und den robusten, wendigen Zodiacs sicher. Wenn Sie dann vom Schiff ablegen und schon sehen, wie Sie auf eine Insel voller Pinguine fahren, jeder im Zodiac (max. 8 Passagiere) mit der gleichen Vorfreude wie Sie, dann ist das ein besonderes Erlebnis.

Und dann war es so weit: Ich setzte meinen Fuß auf eine Insel mitten in der Antarktis. Wer hätte gedacht, dass ich Hamburger Jung‘ es einmal zum anderen Ende der Welt schaffe? Und mehr noch: Wer hätte gedacht, dass ich hier einmal stehen würde, fünf Meter von Pinguinen in freier Wildbahn entfernt?

Pinguine in ihrem natürlichen Lebensumfeld zu sehen ist ein Erlebnis, das ich nicht in Worte fassen mag. Wir alle kennen Pinguin-Filme und haben die Tiere schon einmal in einem Zoo gesehen. Aber hier draußen, am Ende der Welt, wo die Pinguine ihre Heimat haben und Menschen nur Gäste sind – das ist etwas Anderes. Als Besucher halten Sie mindestens 5m Abstand von den Tieren; Markierungen, die die Expeditionscrew im Vorwege setzt, helfen dabei, diese Abstände zu wahren. Doch das ist egal – sie fühlen sich ganz nahe dran. Weil sie es sind. Dort, in wenigen Metern Abstand, gehen Pinguine ihrem bunten Treiben nach, unter dem Himmel der Antarktis. Hier hatten die Pinguine bereits erste Junge, und wir konnten beobachten, wie liebevoll sie sich um die Kleinen kümmerten, sie beschützten (auch vor den räuberischen Skuas) und sie fütterten. Das Herz ging jedem einzelnen Besucher dabei auf. Egal, wo sie auf den abgesteckten Pfaden hinwanderten, es bot sich Ihnen ein unglaubliches Schauspiel: Pinguine, die sie mit ihrem Umherwuseln unterhielten; Skuas und andere Vögel, die sie faszinierten, und eine Landschaft und Weite, die sie zum Träumen brachte. Ich werde diese erste Anlandung meines Lebens in der Antarktis nie vergessen.

Heiligabend in der Antarktis

Nach der ersten Anlandung fühlte es sich so an, als wäre bereits Bescherung gewesen. Da störte es auch nicht, dass wegen der Wittering eine zweite geplante Anlandung in Walker Bay nicht möglich war. Denn auf einer Expedition gibt es immer einen Plan A, B, C usw… Stattdessen gab es nun eine Cruise durch das Eis, das heißt, der Kapitän lenkte das Schiff an besondere Stellen und wir konnten von Deck aus die wunderschöne Landschaft genießen. Unter dem Eindruck der Erfahrungen des Vormittags machte sich bei allen weihnachtliche Stimmung breit, die durch die wunderschöne Landschaft und die Eindrücke von Eis und Ferne nur verstärkt wurde. Nun galt es auch an Bord Weihnachten zu feiern. Poseidon Expeditions bot hier zunächst einen (Sekt-) Empfang mit dem sympathischen Kapitän Valeriy Plachynda und seinen Offizieren sowie dem Expeditionsteam. Auch das Abendessen stand unter dem Motto Weihnachten. Und dann gab es an Deck 5 unter dem freien Himmel, mit Blick auf die Landschaften der Inseln, schließlich Glühwein – und wer mochte, durfte auch noch zu anderen alkoholischen Getränken wie Wodka greifen und miteinander anstoßen. So habe ich in meinem Leben natürlich noch nie Weihnachten gefeiert – am Ende der Welt, an Deck eines Schiffes, in Hochstimmung über diesen wunderbaren Tag. Einmalig und unvergesslich.

Zodiac!

Am nächsten Morgen lockte dann eine spannende Zodiac Fahrt bei Foyn Harbor, Enterprise Island. Was für magische Eindrücke: Wir fuhren mit dem Zodiac durch das Eis. Kurz über dem Wasser gleitend näheren Sie sich auf diese Weise dem Eis an, bestaunen es aus nächster Nähe, lächeln über Kormorane und Pinguine auf den Schollen. Sogar dem Weihnachtsmann sind wir hier begegnet! Das Mitglied des Expeditionsteams mit dem einprägsamen Rufnamen „Flipper“ wartete im Weihnachtsmannkostüm auf einem Zodiac auf uns. Und der Weihnachtsmann hatte auch etwas mitgebracht, denn wir waren artig – so trank ich meinen ersten (und hoffentlich nicht letzten) Kakao auf einem Zodiac mitten in der Antarktis. Da schmeckte das Getränk gleich noch einmal doppelt so gut.
Die fortgesetzte Zodiac-Fahrt führte uns dann noch weiter, und wir sahen einen alten verlassenen Walfänger im Eis, gestrandet hier nach einem Brand an Bord. Ich konnte fast die Geschichte spüren, die in der Luft lag, wie sich die Männer von Bord auf die Insel retteten, erschöpft und doch glücklich, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Das Schiff erzählte aus einer Zeit, in der jede Reise in die Antarktis noch den Tod bedeuten konnte, als mutige Männer hier ihrem Lebensunterhalt mit einem Handwerk nachgingen, das wir heute zu Recht ablehnen. Wie muss es für sie gewesen sein, hier her zu kommen? Das Schiff, mitten im Eis, wirkte wie ein Mahnmal daran, dass hier die freie Wildnis regiert und Menschen nur zu Gast sind, und sie die Gastfreundschaft von Mutter Natur nicht überdehnen sollten.

Danco Island

Am Nachmittag folgte dann die nächste Anlandung. Die fast vollständig mit Schnee bedeckte Danco Island lud uns zu einem Rundgang auf der von den Guides abgesteckten Route ein. Wanderstöcke waren hier eine gute Hilfe, denn es konnte sein, dass man mit dem Fuß im Schnee sonst einbrach, wenn man nicht auf der abgesteckten Route blieb. Übrigens: Wenn das passiert, heißt es, Loch wieder zumachen! Warum? Pinguine könnten in das Loch fallen, und je nach seiner Tiefe könnten die kleinen Kerlchen stecken bleiben. Das will nun wirklich niemand riskieren – keiner möchte für so ein bitteres Schicksal der schönen Tiere verantwortlich sein. Aber natürlich achteten auch die Guides darauf, dass am Ende alles in Ordnung ist, wenn die Gäste die Anlandungsstelle verlassen. Den Pinguinen droht daher keine Gefahr. Dafür sind alle viel zu umsichtig, nicht nur aber vor allem die erfahrenen Guides der Sea Spirit.

Wieder konnten wir viele Pinguine beobachten (hier auch Eselspinguine, Zügelpinguine und auch ein Adeliepinguin, der sich unter die Menge gemischt hatte), und es war genauso schön wie beim ersten Mal. Im Gegensatz zur ersten Anlandung war dieses Mal buntes Schneetreiben der Pinguine geboten, die hier in noch größeren Kolonien lebten. Zudem boten die schneebedeckten Hänge der Insel und die weite Landschaft wieder spektakuläre Naturaufnahmen.

Camping

Und Danco Island sollte auch unser Campingplatz sein! Ja, genau – Camping! Kristina, die Gäste von Eisexpeditionen.de und ich hatten vor Reisebeginn das begehrte Campen gebucht, das in einer Gruppe von rund 35 Personen tatsächlich die Nacht des 1. Weihnachtstages an Land stattfinden sollte. Oder genauer gesagt: Im Schnee.

Poseidon Expeditions und die Expeditionsguides hatten das Camping klasse organisiert. Am Vortag hatten wir unsere Ausrüstung erhalten und vorbereitet. Dazu gehöre auch ein Biwak, in den ein Leinen-Schlafsack sowie ein Campingsack-Schlafsack von den Teilnehmern selbst eingerollt werden mussten, bevor es gegen 21 Uhr an Land ging. An der Landestelle angekommen, gab es erstmal für alle eine Schaufel in die Hand. Denn wir mussten unser eigenes Loch im Schnee schaufeln, in Körperlänge und –breite, ca. 0,5m tief. Dieses Loch sollte neben der Ausrüstung gegen die Kälte und die Witterung schützen und warmhalten.
Die Guides erklärten uns dann auch den Ablauf. Wir würden gegen 5 Uhr morgens wieder geweckt werden und es ging dann zurück aufs Schiff. Aber was für ein Abenteuer lag vor uns. Ich gebe zu, mir war anfangs trotz der Euphorie über dieses Abenteuer mulmig zumute. Wie kalt würde es werden? Und das Schiff fährt ja sogar weg – was, wenn etwas passiert? Doch all das verschwand sehr schnell: es ist einfach ein unglaubliches Erlebnis, sich mitten in der Antarktis, mit Blick auf das Wasser, die Eisberge, und im Rücken nur die Pinguine, die auf der Anhöhe schnatterten, zu schlafen. Klare Luft. Ruhe, mit Ausnahme der Geräusche der Pinguine. Das Gefühl, am Ende der Welt zu schlafen, all dies wischte alle Sorgen beiseite und nur noch das Abenteuer mit netten anderen Gästen und viel Lachen und Aufregung stand im Vordergrund.

Und die Sorgen waren auch unbegründet: Mir war zu keinem Zeitpunkt kalt. Die Ausrüstung, insbesondere der Biwak, hielten wunderbar warm. Ich musste mir sogar die erste Lage meiner Oberkleidung im Biwak abstreifen, so warm war mir. Und die Nacht unter dem freien Himmel der Antarktis werde ich nie vergessen. Dabei habe ich tatsächlich sogar gut geschlafen und konnte am Morgen auf das Schiff ohne das Bedürfnis zurückkehren, noch mehrere Stunden zu schlafen. Aber eine warme Dusche und ein gutes Frühstück, das nahm ich natürlich gerne mit.

Useful Island

Am 2. Weihnachtstag, nach dem Camping, ging es nach Useful Island. Die Insel liegt vor der Danco-Küste im Norden der Antarktischen Halbinsel. Die Insel trägt ihren Namen aufgrund ihrer Bedeutung für die Walfänger zur Orientierung. Hier unternahmen wir eine spannende Wanderung hoch auf den Hügel, der Useful Island auszeichnet. Das nahm durchaus eine halbe Stunde für beide Strecken in Anspruch, lohnte sich aber. Nicht nur befanden sich oben auf dem Hügel wieder viele Pinguine, auch hatte man von hier aus einen fantastischen Blick über die ganze Insel in alle Richtungen, soweit die Augen reichten. Auf diese Weise entfaltete sich ein spektakuläres Panorama.

Der Kontinent!

Am Nachmittag war es dann soweit. Wir setzten bei der nächsten Anlandung Fuß auf den Kontinent. Brown Station erwartete uns. Es handelt sich um eine argentinische Antarktisbasis auf dem Kontinent, benannt nach Admiral William Brown, dem Vater der argentinischen Marine (und durchaus eine Persönlichkeit mit illustrer Geschichte). Die Station war unbesetzt und konnte nicht von innen besucht werden. Das machte aber nichts – alle freuten sich, den Kontinent betreten zu haben, und machten schöne Fotos sowohl an der Station wie auch auf einem Hügel in der Nähe. Nun hatte ich es doch tatsächlich sogar auf diesen Kontinent geschafft, das hätte ich nie in meinem Leben erwartet.

Auf der Rückfahrt mit dem Zodiac bot sich uns dann noch ein ganz besonderer Anblick: Tatsächlich erspähten wir einen Buckelwal und konnten ihn im Eis beobachten. Was für ein unglaublich schöner, unvergleichlicher Anblick. Dieses wunderbare Tier in freier Wildbahn zu sehen, diesen König der Meere, mitten im Eis, nicht weit entfernt von unserem Zodiac – das Gefühl dieses Momentes hat sich in mein Herz eingebrannt. An diesem Tag wusste ich noch nicht, dass mir der nächste Tag ein noch schöneres Schauspiel bieten sollte.
Am Abend solle es dann zum Lemaire Kanal gehen –Eine Einfahrt war leider nicht möglich, war die Passage doch mit riesigen Eisbergen blockiert. Das machte aber nichts, dennoch gab es fantastische Fotoaufnahmen und es gehört nun einmal zu einer solchen wunderbaren Expeditionsreise dazu, dass sich Pläne ändern.

Post aus der Antarktis

Am 27.12.2021 sollten wir dann Goudier Island mit Port Lockroy erreichen und hier eine Anlandung durchführen. Hierbei handelt es sich um eine Insel im Südosten des Palmer-Archipels, die sich westlich der Antarktischen Halbinsel befindet. Die Insel ist ein berühmter Nistplatz für Eselspinguine, die wir hier in großer Zahl sahen. Hier befindet sich aber auch die Forschungsstation Port Lockroy, die 1944 von den Briten gegründet wurde. Sie wurde 1996 restauriert. Hier befindet sich ein Museum, das wir besuchen konnten – ein sehr spannender Besuch mit bleibenden Eindrücken, denn das Museum ist letztlich nichts anderes als das originale Heim der Männer, die hier vor Jahren lebten. Es erzählt unmittelbar von deren Leben und Überleben mitten in der Antarktis, und man mag es gar nicht glauben, dass hier Menschen zusammengelebt und geforscht haben. Von der Art und Weise ihres Überlebens zeugt im Übrigen auch noch ein Kochbuch, das in der Küche des Museums bestaunt werden kann.

Hier gibt es auch den südlichsten Briefkasten der Welt! Tatsächlich kann hier in einem Briefkasten eine (oder natürlich auch mehrere) Postkarten eingeworfen werden, verbunden mit 2€ oder 2 US-Dollar per Postkarte. Diese Postkarten werden (mit Glück) beizeiten von einem britischen Schiff eingesammelt und transportiert, wenn es Forscher in Port Lockroy absetzt. So können Grüße aus der Antarktis auch noch Monate oder Jahre später liebe Menschen erreichen. Auch wir gaben natürlich Postkarten auf und sind gespannt, ob und wann sie unsere Liebsten erreichen.

Auf der Rückfahrt mit dem Zodiac bot sich uns dann wieder ein besonderer, magischer Moment: Auf einer Scholle konnten wir mehrere Krabbenfresser, die sich hier ausruhten, aus nächster Nähe beobachten. Was für große Tiere, was für ein großartiger Moment, denn die Tiere ließen sich durch unsere Nähe nicht aus der Ruhe bringen und posierten so für unvergessliche Fotoaufnahmen. Wie schön, dieses Naturschauspiel so nahe erleben zu dürfen.

Barbecue in der Antarktis

Poseidon Expedtiions und das wunderbare Hotelteam boten uns dann noch ein besonderes Ereignis. Auf Deck 5, mitten im Eis, fand für alle Passagiere ein Barbecue unter freiem Himmel statt. Das Essen schmeckte großartig, und genauso war die Stimmung, fröhlich und ausgelassen. Denn wer durfte schon einmal ein Barbecue am Ende der Welt haben? Alles schmeckte mindestens doppelt so gut, wenn nicht mehr, und wir lachten viel miteinander. Eine euphorische Stimmung machte sich breit, bei dem der eine oder andere Gast auch vor Rührung eine kleine Träne verdrückte. Dabei wussten wir noch gar nicht, dass uns am Nachmittag noch ein ganz besonderes Naturschauspiel geboten werden sollte. Ob mir je wieder ein Barbecue so gut schmecken wird wie dieses? Ich bin gespannt.

Orcas

Am Nachmittag des 27.12. bot sich dann ein ganz besonderes Schauspiel auf unserer Fahrt durch das Eis. Wir waren an Deck, als plötzlich eine große Orca-Schule zu sehen war. Diese auch Killerwale genannten Tiere, die keine Wale sondern Delphine sind, waren auf der Jagd. Denn nicht nur sie sahen wir, sondern auch das, was sie verfolgten: einen Buckelwal mit seinem Kalb. Das mag grausam erscheinen, ist aber Teil der antarktischen Natur – und keine Sorge, die Orca drehten nach einer Weile ab und konzentrierten sich auf ein anderes Ziel. Das änderte aber nichts an einem ganz besonderen Erlebnis, denn die Orca waren sehr neugierig auf das Schiff. Ganz nah kamen sie, zeigten sich uns beim Auftauchen, ließen sich bewundern und verschwanden wieder. Es boten sich Szenen, die großes Staunen und viel Freude bei allen hervorriefen. Ein perfekter Abschluss dieser magischen Reise in die Antarktis.

Expeditionsteam

Danach ging es wieder in die Drake-Passage zurück Richtung Ushuaia. Zeit, die Eindrücke dieser wunderbaren Reise zu verarbeiten, an die ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde. Hierbei kamen wir auch wieder häufig mit dem wunderbaren Expeditionsteam von Poseidon Expeditions ins Gespräch.

Zum Ende dieses Beitrags möchte ich dieses Expeditionsteam noch besonders loben. Der Erfolg einer solchen Reise hängt natürlich auch davon ab, wer uns begleitet. Und die Guides spielen hierbei eine herausragende Rolle, sichern sie nicht nur die Anlandungen ab, sondern suchen sie auch nach den besten Landestellen und erklären uns in Ihren täglichen Vorträgen auch die Umgebung und was wir vorhaben. Das Expeditionsteam von Poseidon Expeditions auf der Sea Spirit hat mich begeistert. Motiviert bis in die Haarspitzen, uns das beste Erlebnis zu bieten, waren sie stets zugänglich, freundlich, lustig wie gleichzeitig umsichtig. Es machte so viel Spaß, sich mit ihnen zu unterhalten oder den Lektionen zu lauschen, dass die Vorfreude auf die nächste Anlandung immer noch gesteigert werden konnte. Wer ein solch großartiges Team auf seiner Reise hat kann sich wirklich glücklich schätzen. Nicht nur, aber vor allem Anja Erdmann, die auch schon mehrere Vorträge gemeinsam mit Kristina bei den virtuellen Reisen von Eisexpeditionen.de gehalten hatte, ist eine wunderbare Reiseführerin bzw. ein großartiger Expeditions Guide: Immer fröhlich, immer ein offenes Ohr, lustig wie empathisch, so strahlt sie einen magnetischen Optimismus aus, der alle an- und mitzieht. Es war eine große Freude, sie dabei zu haben.

Fazit

Es war eine wunderbare, magische Reise, voller außergewöhnlicher Erlebnisse, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Poseidon Expeditions, die Sea Spirit und das wunderbare Team kann ich allen empfehlen, die viel Wert auf Anlandungen, Naturerlebnisse und Zeit an Deck mit einem internationalen Publikum legen. Sie sind hier besonders gut aufgehoben. Und mein Fieber für das Eis ist mit dieser Reise nicht gestillt worden, sondern noch viel größer geworden – ich werde meine Frau sicher auch in Zukunft auf solch spannende und faszinierende Reisen begleiten.

Wenn Sie auch eine solch großartige Reise erleben wollen, sprechen Sie meine Frau und das Team von Eisexpeditionen.de an. Kristina Hillemann freut sich auf Ihren Anruf.Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!