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Reisetagebuch Gruppenreise Antarktis mit der HANSEATIC spirit Teil 3 Subantarktis

Nach erlebnisreichen Tagen auf der Antarktischen Halbinsel setzten wir unsere Reise fort – weiter in Richtung der subantarktischen Inselwelt. Vor uns lagen Südgeorgien und die Falklandinseln.

Polarstern und Kurs Südgeorgien

Neben Pinguinen beobachteten wir auf Brown Bluff auch einige Möwen sowie eine Pelzrobbe, die sich am Ufer sonnte. Die letzte Anlandung war ein würdiger Abschluss für unser Abenteuer auf der Antarktischen Halbinsel, und wir waren dankbar für all die unvergesslichen Momente dieser Tage. Nun lagen zwei Seetage vor uns auf dem Weg nach Südgeorgien. 913 Seemeilen, rund1.700 Kilometer liegen vor uns. Während der Rückfahrt durch den Antarktischen Sund belohnte uns das Wetter mit makellosem Sonnenschein und spiegelglattem Wasser. Und dann kam eine Durchsage von Kapitän Axel Engeldrum, die aufhorchen ließ: „Das deutsche Forschungsschiff Polarstern befindet sich direkt vor uns“. Tatsächlich wenige Minuten später tauchte das markante Schiff am Horizont auf und kam uns näher. Ein seltenes und bewegendes Zusammentreffen zweier Schiffe mitten in der Antarktis.

Die Polarstern ist das Flaggschiff der deutschen Polarforschung und einer der leistungsfähigsten Forschungseisbrecher der Welt. Das Schiff gehört zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und ist seit 1982 auf unzähligen Expeditionen in der Arktis und der Antarktis im Einsatz. Das 177 Meter lange Schiff kann bis zu 1,5 Meter dickes Meereis durchbrechen und bietet Platz für bis zu 55 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Eines der bekanntesten Projekte war die MOSAiC-Expedition (2019-2020), bei der die Polarstern ein volles Jahr lang im arktischen Eis eingeschlossen blieb, um das Klimasystem der Arktis in bisher ungekannter Tiefe zu erforschen. Es war beeindruckend, dieses Schiff aus nächster Nähe zu sehen – ein Gruß zwischen zwei Welten, zwischen Tourismus und Wissenschaft, beide unterwegs im selben unwirtlichen Ozean mit ihren je eigenen Aufgaben. Beide hinterlassen hier ihre Fußabdrücke und beide sind Teil einer größeren Geschichte des menschlichen Interesses an diesem letzten großen Unbekannten. Während der weiteren Fahrt konnten wir zudem riesige Tafeleisberge bestaunen – die größten der gesamten Reise, flach und weiß wie schwimmende Hochebenen. Ein letzter traumhafter Tag auf dem Eis, bevor es in Richtung Südgeorgien ging.

Seetag Kurs Südgeorgien

Heute konnten wir alle mal etwas länger schlafen und das Frühstück in aller Ruhe zelebrieren – eine angenehme Abwechslung nach den früh gestellten Weckern der vergangenen Tage. Die See zeigte sich von ihrer ruhigen Seite, und das Schiff glitt gleichmäßig in Richtung Südgeorgien. Die Crew hatte für den Seetag ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Den Auftakt bildete ein Vortrag über die Belgica-Expedition, die erste Antarktisexpedition, die den Winter auf dem südlichen Kontinent verbrachte, und das unfreiwillig. Das belgische Forschungsschiff Belgica unter der Leitung von Adrien de Gerlache geriet im Jahr 1898 im Packeis fest und war gezwungen, dort zu überwintern. An Bord dienten ein junger Arzt namens Frederick Cook sowie als erster Offizier ein gewisser Roald Amundsen, der spätere Erstbezwinger des Südpols. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Geografie, Biologie und Meteorologie der Antarktis, die die Expedition heimtrug, waren bahnbrechend. Die Belgica-Expedition gilt heute als Beginn des sogenannten heroischen Zeitalters der Antarktisforschung, einer Ära, in der Forscher aus aller Welt mit begrenzten Mitteln und unbegrenztem Mut das Unbekannte erkundeten.

Nach einer kurzen Pause folgte ein weiterer Vortrag über die Geologie Südgeorgiens, eine willkommene Einführung in das, was uns in den nächsten Tagen erwartete. Ein dritter Vortrag widmete sich der Robbenwelt des Südlichen Ozeans: Seeleoparden, Weddellrobben, Seebären und Seeelefanten, allesamt Tiere, denen wir auf Südgeorgien begegnen würden. Mittags gab es eine besondere Gelegenheit: Das Schiff öffnete die Türen einiger großer Suiten zur Besichtigung. Die Kategorie 9 Junior Suite und die Kategorie 10 Grand Suite. Eindrucksvolle Räumlichkeiten mit eigenem Balkon und Panoramablick auf das Meer. Den Hauptteil des Nachmittags verbrachten wir auf Deck 8 oder in der Observation Lounge, wo man bei einem Kaffee den Gedanken freien Lauf lassen konnte. Die Seetage sind auf einer solchen Expedition Gold wert: Sie geben die Zeit und Ruhe, die Eindrücke der vergangenen Tage zu verarbeiten, Bilder zu sortieren und Tagebuch zu schreiben. Und sie nähren die Vorfreude auf das, was noch kommt.

Rückblick & Vorfreude

Am Abend saßen wir zusammen und ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Was hatte die Antarktische Halbinsel uns beschert? Kap Hoorn als majestätischen Auftakt, die Drakepassage als Beweis, dass das Meer uns seine Grenzen zeigen kann, und dann: Half Moon Island mit den ersten Pinguinen, Deception Island mit dem Polar Plunge im vulkanisch erwärmten Wasser, die Paradise Bay mit den Buckelwalen direkt unter dem Zodiac, den Lemaire Channel als eine der schönsten Meerengen der Welt, das erste Betreten antarktischen Festlands in Neko Harbour, die Wal-Sinfonie in der Wilhelmina Bay, das verwitterte Wrack der Gouvernøren, die gewaltige Stille des Weddellmeers, die schlafende Weddellrobbe auf The Naze und schließlich Brown Bluff mit den ersten, mutigen Schritten der Jungpinguine ins Wasser. Eine Liste, die kaum zu fassen ist. In weniger als zehn Tagen hatten wir mehr gesehen und erlebt, als viele Menschen in einem ganzen Reiseleben zusammentragen. Und dabei noch kein einziges Mal das Gefühl gehabt, dass irgendetwas davon selbstverständlich oder wiederholbar wäre.

Und trotzdem war die Reise noch längst nicht zu Ende. Südgeorgien wartete. Diese Insel im Südatlantik, die selbst eingeschworene Antarktis-Fans regelmäßig als das eigentliche Highlight ihrer Reise bezeichnen, galt als das nächste große Kapitel. Morgen würde der zweite und letzte Seetag folgen, bevor wir in Fortuna Bay die ersten Königspinguine begrüßen und später in Grytviken das Grab von Ernest Shackleton besuchen würden. Wir gingen früh ins Bett – mit dem Gefühl, dass wir auf der anderen Seite dieser Seetage in eine neue, andere Welt einfahren würden. Eine Insel, die wilder, grüner und für viele noch überwältigender sein sollte als die Halbinsel. Die Vorfreude war genauso groß wie bei der Abfahrt aus Frankfurt. Vielleicht sogar noch größer. Denn jetzt wussten wir genau, wozu dieses Schiff, diese Crew und dieses Team fähig waren. Und wir wussten auch: Wer einmal Südgeorgien gesehen hat, hat eines der letzten wirklichen Wunder unserer Erde gesehen. Das war ein sehr, sehr gutes Gefühl.

Zweiter Seetag Kurs Südgeorgien

Heute ist der zweite Seetag auf unserem Weg nach Südgeorgien. Der Tag startete wieder mit einem entspannten Frühstück im HANSEATIC Restaurant, eine wohltuende Routine, die man auf langen Seetagen wirklich zu schätzen lernt. Um 10:00 Uhr begann der erste Vortrag des Tages: Meeresbiologin Nadja Gerull führte uns in die faszinierende Welt der Wale des Südlichen Ozeans ein. Zunächst stellte sie den Finnwal vor, nach dem Blauwal das zweitgrößte Tier der Welt. Finnwale können bis zu 27 Meter lang werden und 80 Tonnen wiegen. Ihr Körper ist schlank und hydrodynamisch geformt, die Oberseite graubraun, die Unterseite weiß. Eine ihrer bemerkenswertesten Eigenschaften ist die asymmetrische Pigmentierung: Die rechte Unterkieferhälfte ist weiß, die linke dunkel. Dies ist ein einzigartiges Merkmal im gesamten Tierreich, dessen genaue Funktion noch nicht vollständig geklärt ist. Als schnellste Bartenwale können Finnwale Geschwindigkeiten von über 37 km/h erreichen, was ihnen den Beinamen Windhund der Meere eingetragen hat. Die intensive Bejagung des Finnwals im 20. Jahrhundert brachte die Art an den Rand der Ausrottung. Heute erholen sich die Bestände langsam, doch der Finnwal gilt noch immer als gefährdet. An der Antarktischen Halbinsel und um Südgeorgien herum sind die Sichtungen in den letzten Jahren erfreulicherweise häufiger geworden.

Eng verwandt, aber weniger bekannt ist der Seiwal, den Nadja Gerull als Nächstes vorstellte. Mit bis zu 20 Metern Länge und 30 Tonnen Gewicht gehört er zu den großen Bartenwalen, wird aber wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Finnwal selbst von erfahrenen Beobachtern gelegentlich verwechselt. Der Name Seiwal leitet sich vom norwegischen Wort für Köhler, meist als Seelachs bekannt, ab, da beide Tiere gleichzeitig an den norwegischen Küsten auftauchten. Seiwale sind Filtrierer: Sie nehmen beim langsamen Schwimmen seitlich Wasser auf und filtern anschließend mit ihren Barten Krill und Kleinkrebse heraus. Sie sind Einzelgänger und kommen seltener in Gruppen vor als andere Walarten. Durch den intensiven Walfang des 20. Jahrhunderts wurden beide Arten stark dezimiert; heute stehen Finnwal und Seiwal auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet bzw. stark gefährdet.

Fortuna Bay

Um 07:00 Uhr liefen wir in der Fortuna Bay auf Südgeorgien ein. Das Frühstück ließen wir heute wieder ausfallen, denn kein Moment sollte verloren gehen. Um 07:30 Uhr ging es los: rein ins Zodiac und ab zur Anlandestelle. Am Strand warteten direkt hunderte Pelzrobbenbabys, die im Wasser tobten und keckerten; dicht daneben tummelten sich hunderte Königspinguine. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nach Wochen zwischen Gletschern und Eis war das satte Grün der südgeorgischen Hänge fast unwirklich schön. Die Fortuna Bay liegt im Nordwesten Südgeorgiens und ist eine der tierdichtesten Buchten der gesamten Insel. Historisch bedeutsam ist sie zudem: Ernest Shackleton überquerte hier im Jahr1916 den Fortuna-Gletscher auf seinem letzten Weg zur Walfangstation Stromness. Erschöpft, halbverhungert, aber entschlossen, seine Mannschaft zu retten. Wir machten uns auf den 30-minütigen Fußweg zur Königspinguin-Kolonie. Diese Tierdichte ist kaum in Worte zu fassen: tausende Königspinguine in ihrer ganzen Pracht mit goldener Ohrfärbung, leuchtend im Morgenlicht.

Der Königspinguin ist der zweitgrößte Pinguin der Welt, nur der Kaiserpinguin übertrifft ihn. Mit bis zu 95 cm Höhe und 13 bis 16 kg ist er eine majestätische Erscheinung. Sein Gefieder mit den leuchtend goldgelb-orangefarbenen Flecken an Hals und Ohren macht ihn unverwechselbar. Königspinguine brüten nicht in Nestern, sondern balancieren ihr einziges Ei auf den Füßen, geschützt von einer Brutfalte am Bauch. Einzigartig ist ihr Brutrhythmus: Eine Brutzeit dauert 14 bis 16 Monate, sodass sie nie zweimal im selben Kalenderjahr brüten können. Im Wasser sind sie exzellente Taucher und können bis zu 300 Meter tief tauchen. Ebenfalls im Überfluss präsent war der Antarktische Seebär: Dank strikter Schutzmaßnahmen nach seiner beinahe vollständigen Ausrottung durch Pelzjäger im 19. Jahrhundert tummeln sich auf Südgeorgien heute wieder Millionen dieser eleganten Robben, einer der größten Naturschutzerfolge der Geschichte.

Grytviken

Zurück auf dem Schiff wärmten wir uns mit einem Kaffee auf und sortierten die ersten Bilder. Nach dem Mittagessen im Lido genossen wir die Aussicht bei der Ausfahrt aus der Fortuna Bay. Weiter ging es nach Grytviken, dem historischen Herzstück Südgeorgiens. Gegen 14:30 Uhr holte unser Staff Captain zwei Regierungsbeamte Südgeorgiens an Bord. Dann folgte die obligatorische Biosecurity-Kontrolle: Gummistiefel, Klettverschlüsse, Taschen und Jacken wurden erneut minutiös auf Fremdstoffe untersucht. Südgeorgien hat in den letzten Jahrzehnten enorme Anstrengungen unternommen, um eingeschleppte Ratten und Rentiere zu bekämpfen und die einzigartige heimische Vogel- und Pflanzenwelt zu schützen. Grytviken war einst das Zentrum des industriellen Walfangs im Südatlantik. Allein hier wurden zwischen 1904 und 1956 über 175.000 Wale verarbeitet. Die verrosteten Überreste der Walfangstation, die Kessel, Krane und Tanks, stehen noch heute und erzählen von einer Ära, die unwiederbringlich vergangen ist.

Im Museum erhielten wir faszinierende Einblicke in die Geschichte der Insel – von den ersten Seebechern und Walfangpionieren bis zu Shackletons Expeditionen. Wir schrieben Postkarten an unsere Liebsten, wohl von einem der entlegensten Postämter der Welt. Dann machten wir uns auf den Weg zu dem, was viele als den persönlich bewegendsten Moment der gesamten Reise bezeichneten: dem Grab von Ernest Shackleton. Auf dem kleinen Friedhof außerhalb von Grytviken liegt er begraben. Der Mann der im Scheitern seiner Endurance-Expedition seine Ruhm verdiente. Er brachte alle seine Männer lebend nach Hause. An diesem schlichten Grabstein zu stehen, in dieser Wildnis am Ende der Welt, war ein Moment voller Stille und Respekt. Den Abend ließen wir mit lieben Gästen im HANSEATIC Restaurant ausklingen. Ein bewegender Abschluss für einen der persönlich tiefsten Tage dieser Expedition. Dieser Tag hatte uns gezeigt, dass diese Reise weit mehr ist als Pinguine und Eisberge. Sie ist auch eine Begegnung mit Geschichte und menschlichem Mut.

Gold Harbour, & Royal Bay

Um 07:00 Uhr liefen wir in Gold Harbour ein – einer der schönsten Anlandestellen der gesamten Insel. Gold Harbour liegt an der Südostküste Südgeorgiens: Hinter einem weißen Sandstrand erhebt sich der Bertrab-Gletscher, der steil ins Meer abfällt. Der Strand ist einer der wichtigsten Brutplätze für Südliche Seeelefanten auf Südgeorgien, und auch Königspinguine brüten hier in großer Zahl. Kaum waren wir eingelaufen, kam die Durchsage vom Kapitän: "Ein Scout-Boot wird rausgeschickt, um die Bedingungen zu prüfen." Der Schwell war ziemlich hoch, die Wellen brachen direkt an der Anlandestelle. Das Ergebnis: eine Anlandung ist heute leider nicht möglich. Doch das Wetter war prachtvoll. Blauer Himmel und Sonnenschein. Die Brücke entwickelte kurzfristig einen Plan B: ein Zodiac-Cruising längs der Küste. Der Einstieg ins Zodiac war durch die Wellen am Side Gate durchaus anspruchsvoll, doch sobald wir draußen waren, wurde es ruhiger. Von den Zodiacs aus konnten wir Königspinguine, Seeelefanten, Seebären sowie Riesensturmvögel und Blauaugen-Kormorane beobachten. Eine beeindruckende Tierparade trotz der veränderten Pläne.

Der Südliche Seeelefant ist das größte Raubtier der Welt und die größte Robbenart überhaupt. Bullen können eine Länge von 6 Metern und ein Gewicht von über 4 Tonnen erreichen; Weibchen sind mit rund 900 kg deutlich kleiner. Ihren Namen verdanken sie dem rüsselartigen aufblasbaren Nasensack der Männchen, der als Resonanzkörper für ihr tiefes, lautes Brüllen dient. Seeelefanten verbringen den Großteil ihres Lebens im offenen Ozean und kommen nur zur Paarung und Häutung an Land. Sie sind ausdauernde Taucher: Sie können auf der Jagd nach Tintenfischen und Fischen Tiefen von über 2.000 Metern erreichen und dabei bis zu 2 Stunden unter Wasser bleiben – Rekorde, die selbst Wale nicht immer übertreffen. Auf Südgeorgien befindet sich eine der größten Kolonien der Welt. An Land liegen die Tiere dicht gedrängt und scheinbar träge; doch wenn sich Bullen in der Brunftzeit begegnen, entbrennen Kämpfe von beeindruckender Wucht

Moltke Harbour

Das Mittagessen ließen wir heute ausfallen; stattdessen genossen wir die prachtvolle Sonne und den Ausblick auf die Küste Südgeorgiens auf Deck 8 bei einem Kaffee und einer frischen Waffel – eine der kleinen Freuden des Bordlebens, die man auf langen Expeditionen besonders zu schätzen lernt. Anschließend fuhren wir nicht weiter nach Süden sondern ein Stück zurück in die Royal Bay weiter. Die eigentliche geplante Zodiaccruise konnte nicht stattfinden, da die Bucht dem Schwell noch ungestützer ausgeliefert ist und ein einsteigen in die Zodiacs so nicht möglich gewesen wäre. Die Royal Bay liegt ebenfalls an der Südostküste Südgeorgiens und ist eine der größten Buchten der Insel. Im Jahr 1882/83 war hier eine deutsche wissenschaftliche Station im Rahmen des ersten Internationalen Polarjahres errichtet worden – ein frühes Beispiel internationaler Polarforschung. Heute ist die Bay Heimat einer der größten Königspinguinkolonien Südgeorgiens sowie zahlreicher Seeelefanten und Pelzrobben.

Mit den Zodiacs ging es an den Strand, der Einstieg führte uns mitten durch das quirlige Getümmel von Seebären, die das Ufer bevölkerten. Ebenfalls konnten wir Seeelefanten beobachten, die sich in großer Zahl am Strand tummelten. Durch einen kleinen Fluss hindurch begegneten uns dann Eselspinguine und Königspinguine Seite an Seite. Das Highlight der Anlandung war der Blick auf einen imposanten Wasserfall, der von den grünen Hängen ins Meer stürzte – ein Anblick, den wir so in der Antarktis nicht erwartet hätten. Auch die Ausfahrt aus der Royal Bay war traumhaft schön: Die Halbinsel tauchte langsam in goldenes Abendlicht. Am späten Abend lauschten wir gespannt der Lesung von Field Staff Kim Landgraf aus dem Buch South, Shackletons eigenem Bericht über die Endurance-Expedition. Die Worte des Entdeckers, an demselben Ort gelesen, an dem er Geschichte geschrieben hatte, waren von besonderer Eindringlichkeit. Shackleton beschreibt in South den Moment, als er nach dem langen Marsch über die Berge Südgeorgiens endlich die Walfangstation sah, mit einer Schlichtheit, die alle Erschöpfung und alle Erleichterung zugleich fasst.

Es war ein langer, schöner Tag. Einer, der uns nochmals an das erinnerte, was Südgeorgien so einzigartig macht: Hier kreuzen sich Natur und Geschichte auf eine Weise wie kaum anderswo auf der Welt.

Erster Seetag Kurs Stanley

er erste Seetag Richtung Falklandinseln startete entspannt bei einem etwas späteren Frühstück im HANSEATIC Restaurant. Um 10:00 Uhr begann der erste Vortrag von Dr. Stefan Graf über die Drakepassage, das Weddellmeer und den globalen Ozean – jene Meeresregionen, durch die wir in den vergangenen Wochen gefahren waren. Die Drakepassage ist die breiteste und tiefste Meeresenge der Welt und verbindet Atlantik und Pazifik zwischen Kap Hoorn und den Südlichen Shetlandinseln. Sie ist rund 800 km breit und bis zu 4.800 Meter tief. Durch sie fließt der Antarktische Zirkumpolarstrom, die stärkste Meeresströmung der Welt, was die berüchtigten Wetterbedingungen mit starken Winden und riesigen Wellen erzeugt. Ein weiterer spannender Vortrag folgte von Ursula Simanowsky über den Walfang und seine Geschichte in der Region. Die erste permanente Walfangstation auf Südgeorgien wurde 1904 in Grytviken errichtet; allein dort wurden bis 1965 über 175.000Wale verarbeitet. Erst das Moratorium der Internationalen Walfangkommission von1986 stoppte den kommerziellen Walfang weitgehend.

Kapitän Axel Engeldrum informierte uns zwischenzeitlich über ein Sturmtief, das wir auf dem Weg zu den Falklandinseln durchqueren müssten. Eine Erinnerung daran, dass der Südalantik seinen Charakter nie ganz ablegt. Das Mittagessen ließen wir heute ausfallen und gönnten uns stattdessen die gewohnte Waffel auf Deck 8, solange das Wetter noch mitspielte. Um 16:30 Uhr fand unser Pre und Re Cap statt. Am Abend hatten wir eine Einladung zum Essen mit der Geologin Heike Fries, ein geselliger Abend voller spannender Gespräche, Insider-Tipps für die Falklandinseln und Erzählungen aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit in Südgeorgien und der Antarktis.

Tag 2 auf See Kurs Stanley

Der Seegang hatte heute deutlich zugenommen: Windstärke 8 und Wellen bis zu5,5 Metern ließen das Schiff spürbar schaukeln. Das Frühstück ließen wir daher heute mal ausfallen – der Magen dankte es. Den Morgen verbrachten wir dennoch gut verankert im Sessel beim ersten Vortrag des Tages: Heike Fries referierte über die geologische Geschichte Südgeorgiens unter dem Titel Spuren von Gondwana: Die lange geologische Reise des Inselarchipels. Wie immer fesselnd und anschaulich. Nach einer kurzen Pause übernahm Jennifer Block die Bühne, die wir in Grytviken zusätzlich an Bord genommen hatten. Unter dem Titel Rats, Reindeer and running around South Georgia berichtete sie über ihre Arbeit auf der Insel: wie ein jahrzehntelanges Projekt die eingeschleppten Ratten vollständig tilgte, wie die Rentierherden entfernt wurden und wie sich die Natur Südgeorgiens seitdem erholt. Es war einer der eindrücklichsten Vorträge der gesamten Reise – ein lebendiges Beispiel dafür, was entschlossener Naturschutz bewirken kann. Am Nachmittag folgte ein Vortrag von Dr. Arne Kertelhein über den Falklandkrieg.

Der Falklandkrieg war ein bewaffneter Konflikt zwischen Argentinien und dem Vereinigten Königreich um die Souveränität über die Falklandinseln. Am 2. April 1982 besetzte Argentinien die britisch verwalteten Inseln, woraufhin Großbritannien eine Marinestreitmacht entsandte. Nach rund 74 Tagen endete der Krieg am 14. Juni 1982 mit der Kapitulation Argentiniens. Der Konflikt forderte rund 900 Menschenleben auf beiden Seiten. Die Inseln verblieben unter britischer Verwaltung und sind es bis heute. Noch immer ist die Frage der Souveränität ein sensibles und ungelöstes politisches Thema zwischen beiden Ländern. Für die Falkland-Insulaner selbst – mehrheitlich englischsprachig und britischer Identität – war und ist die Zugehörigkeit zu Großbritannien klar. Ein 2013 bgehaltenes Referendum ergab eine überwiegende Mehrheit für den britischen Status. Wir sollten tags darauf in Stanley anlegen und die Spuren dieses Konflikts selbst in Augenschein nehmen können – Wracks argentinischer Hubschrauber, Kriegsgedenkstätten und die nüchterne Erinnerung an Ereignisse, die gar nicht so lange zurückliegen.

Köche-Dinner und Reisetalk

Gegen Abend gab es ein besonderes Format an Bord: Kapitän Axel Engeldrum und General Expedition Manager Matthias Mayer luden zum Reisetalk Expedition Pur ein. In einer persönlichen und manchmal erstaunlich offenen Gesprächsrunde erzählten die beiden von den Höhepunkten der Reise aus ihrer ganz eigenen Perspektive – von den Entscheidungen auf der Brücke, den Momenten, die auch erfahrene Seeleute bewegen, und den ungeplanten Begegnungen, die eine Expedition erst wirklich unvergesslich machen. Das Publikum lauschte gebannt, und die Fragen, die aus der Runde kamen, zeigten, wie tief die Gäste in diese Welt eingetaucht waren. Es folgten Kurzporträts einiger Expeditionsmitglieder, die über ihre persönlichen Lieblingsmomente der Reise sprachen. Diese kleinen Einblicke hinter die Kulissen gehören zu den Dingen, die man auf einer Kreuzfahrt dieser Art nicht kaufen kann, sie entstehen nur, wenn eine Gruppe von Menschen gemeinsam etwas erlebt.

Den Abend beschloss das sogenannte Köche-Dinner: Das gesamte Küchen- und Serviceteam der HANSEATIC spirit stellte sich vor, erzählte von seinen Lieblingsgerichten, den Herausforderungen des Kochens auf hoher See und den kleinen Geschichten hinter dem täglichen Buffet, das uns die ganze Reise über mit Energie und Genuss versorgt hatte. Anschließend lud das Team uns zu einem Digestif im HanseAtrium ein. Ein heiterer, geselliger Ausklang eines anspruchsvollen Seetages. Was für ein besonderer Abend. Nach einigen Tagen in antarktischen Gewässern und Seetagen, vielen Anlandungen und zahllosen Tierbegegnungen ist es die Menschlichkeit der Crew, die am längsten im Gedächtnis bleibt. Morgen würden wir in Stanley auf den Falklandinseln anlegen, unserer allerletzten Anlandestelle dieser Reise. Es war ein Gedanke, der sich seltsam anfühlte: Noch eine Anlandung, und dann würden die Zodiacs eingeholt und verstaut, das Expeditionsprogramm abgeschlossen, und der Reisebericht würde beginnen, sich in Erinnerungen zu verwandeln. Aber noch war es nicht so weit. Erst einmal: Stanley.

Stanley, Falklandinseln

Auch diese Nacht war etwas schaukelig, aber nach allem, was wir durchgemacht hatten, schliefen wir wie Seemannsleute. Wir stärkten uns mit einem guten Frühstück im HANSEATIC Restaurant, als die Durchsage von Kapitän Axel Engeldrum kam: „Wir werden gegen 10:00 Uhr in Stanley einlaufen. Aufgrund unserer Schiffsgröße können wir direkt vor der Stadt anlegen und durch die enge Zufahrt nach Stanley passieren“. Als erstes fuhren wir mit dem Shuttlebus Richtung Gypsy Cove – dem am besten zugänglichen Wildtiergebiet in der Nähe der Hauptstadt, wo Magellanpinguine in unterirdischen Höhlen brüten. Unten am Strand angekommen, erwischte uns ein heftiger Regenschauer. Wir waren bis auf die Unterhose nass. Magellanpinguine sahen wir leider keine. Also warteten wir auf den nächsten Shuttlebus, um uns an Bord umzuziehen und aufzuwärmen.

Der Magellanpinguin ist ein mittelgroßer Pinguin mit einer Körpergröße von etwa 70 cm und einem Gewicht von 4 bis 6 kg. Er ist an seinem charakteristischen Gefieder erkennbar: ein weißer Bauch mit zwei schwarzen Bruststreifen sowie rosa-schwarzen Flecken um Schnabel und Augen. Im Gegensatz zu den Antarktispinguinen bewohnt der Magellanpinguin gemäßigtere Klimazonen – er kommt an den Küsten Argentiniens, Chiles und auf den Falklandinseln vor. Charakteristisch ist sein Nistverhalten: Magellanpinguine graben Erdhöhlen, in denen sie ihre Eier ablegen und die Küken vor Wetter und Feinden schützen. Benannt ist er nach dem portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan, dessen Expedition die Art 1519 als erste Europäer sichteten. Die weltgrößte Kolonie befindet sich in Punta Tombo in Argentinien mit über einer Million Tieren. Auf den Falklandinseln brüten sie an geschützten Küstenabschnitten wie Gypsy Cove – auch wenn uns das schlechte Wetter heute eine persönliche Begegnung verwehrte. Ein gewisser Trost blieb: Auch ohne Sichtung war Gypsy Cove ein eindrucksvoller Ort – ein langer, weißer Strand, sturmgepeitschte Hügel dahinter und das Meer in einem tiefen, stahlgrauen Blau. Die Falklandinseln haben eine rätselhafte, raue Schönheit, die sich selbst im Regen offenbart.

Stadtspaziergang durch Stanley

Nach dem Umziehen an Bord gingen wir erneut von Bord und erkundeten Stanley bei einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt. Stanley ist die Hauptstadt der Falklandinseln, wurde 1843 gegründet und ist mit rund 2.500 Einwohnern die größte Ansiedlung auf den Inseln. Als Tiefseehafen war Stanley einst eine wichtige Reparaturstation für Schiffe, die durch die Magellanstraße segelten und durch Stürme beschädigt worden waren. Noch heute rosten im Hafen die Skelette historischer Holzsegler vor sich hin. Die Stadt verfügt über eine Schule, einen Supermarkt, ein Krankenhaus und eine Bibliothek. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das Falkland Islands Museum, das Government House und die südlichste anglikanische Kirche der Welt. Die Kultur Stanleys ist stark britisch geprägt, rote Telefonzellen, Pubs und gepflegte Vorgärten bilden das Stadtbild.

Besonders eindrücklich waren die sichtbaren Spuren des Falklandkriegs: Kriegsgräber, Gedenkstätten und die nüchterne Erinnerung daran, dass diese friedliche, verschlafene Kleinstadt vor nicht allzu vielen Jahren Schauplatz eines Krieges war. Stanley war gleichzeitig die letzte Anlandung dieser Reise. ein Moment, der uns das bewusst machte, was uns in den nächsten Tagen bevorstand: vier Seetage auf dem Weg zurück nach Buenos Aires, 1.309 Seemeilen, und dann die Heimreise. Wir ließen den Nachmittag ruhig ausklingen, tranken noch einen Kaffee in einem der kleinen Cafés der Stadt und genossen die unerwartete Normalität eines kleinen britischen Städtchens am Ende der Welt. Den Abend verbrachten wir an Bord und ließen uns die Vorfreude auf die Seetage nicht nehmen. Vier Tage Zeit zum Durchatmen, Sortieren, Verarbeiten und Erinnern. Die Fotos lagen noch ungezählt auf den Speicherkarten, die Tagebucheintragungen warteten auf ihre Vollendung, und die Gedanken kreisten noch immer um Pinguine, Eisberge, Wale und das leise Krachen brechenden Gletschereises. Es gibt Reisen, nach denen man eine Weile braucht, um wieder ganz in der normalen Welt anzukommen. Das hier war definitiv eine davon.

Erster Seetag Kurs Buenos Aires

Mit ruhiger See starteten wir alle entspannt und ausgeschlafen in den Tag. Mit lieben Gästen genossen wir das Frühstück im HANSEATIC Restaurant – French Toast und frisches Omelette, ein kleines Fest, nachdem die vorherigen Tage immer früh morgens mit Anlandungen und Zodiacfahrten gestartet sind. Nach dem Frühstück machten wir es uns im HanseAtrium gemütlich und lauschten dem Vortrag der Meeresbiologin Nadja Gerull: Der Flug der Albatrosse – Helden der Lüfte und die ewige Liebe. Albatrosse gehören zu den faszinierendsten Vögeln der Welt. Mit Flügelspannweiten von bis zu 3,5 Metern sind Wanderalbatrosse die Herrscher des offenen Meeres. Wie perfekte Segelflieger, nutzen sie die Windströmungen über dem Ozean so effizient, dass sie tausende Kilometer zurückzulegen, ohne nennenswert mit den Flügeln zu schlagen. Was sie besonders macht: Albatrosse bilden lebenslange Paare. Der Prozess des Partnerfindens dauert mehrere Jahre und wird von aufwendigen, fast tänzerischen Balzritualen begleitet. Einmal verbunden, bleiben sie zusammen – ein Leben lang, das bis zu 70 Jahre dauern kann. Es folgten ein weiterer Vortrag von Heike Fries über das Landeis der Antarktis und im Anschluss die legendäre Pølser-Party auf Deck 8.

Die Pølser-Party ist eine Tradition auf der HANSEATIC spirit, auf die sich Gäste und Crew gleichermaßen freuen. Das Pooldeck verwandelte sich in eine bunte Festmeile: kleine Stände mit vorzüglichen Hotdogs, dampfenden Suppen, Brezeln und Käse. Das Highlight war der persönlich zubereitete Kaiserschmarren von Doris Adler. Flaumig, karamellisiert und mit Puderzucker bestäubt, wie er sein muss. Es ist schlicht unglaublich, was diese Crew Tag für Tag auf dem Schiff, das in rauen Gewässern fährt, in einer Küche, die kaum größer ist als ein normales Wohnzimmer, leistet. Am Abend spielten die Bordpianistin und die Sängerin ein Konzert mit argentinischen Liedern im HanseAtrium. Ihre Stimmen füllten das Atrium mit einer Wärme, die perfekt zu diesem Abend passte. Und wir freuten uns bereits auf die sommerlichen Temperaturen in der bunten und tosenden Stadt Buenos Aires.

Seetag 2 Kurs Buenos Aires

Nach einem entspannten Morgen und einem guten Frühstück zog es viele Gäste und uns auf Deck 8. Wir hatten prächtiges Wetter: Sonnenschein, blauer Himmel, spiegelglatte See. Diesmal saßen wir sogar im T-Shirt auf unserem Stammplatz, die Heizstrahler mussten abgeschaltet werden. Niklas gab einen kleinen Fotografie-Workshop für interessierte Gäste: Wie nutzt man Licht, Komposition und Tiefenschärfe in der Natur- und Expeditionsfotografie? Sein Wissen und seine Geduld beim Erklären sind wirklich beeindruckend. Eine spannende Information kam zwischenzeitlich vom Kapitän: „Wir befinden uns gerade über der tiefsten Stelle des Ozeans auf unserer gesamten Reise – rund 5.400 Meter Wassertiefe“. Das argentinische Becken erstreckt sich zwischen der Rio Grande-Schwelle im Norden und dem Südatlantischen Rücken im Osten; an seiner tiefsten Stelle misst es über 6.200 Meter. Was sich darunter abspielt, bleibt uns verborgen. Die Tiefsee, jener weitgehend lichtlose Raum, der über 88 Prozent der gesamten Ozeanfläche ausmacht, ist noch immer eines der am wenigsten erforschten Gebiete der Erde.

Heute standen zudem spannende Vorträge an: über die verschwundenen Völker Feuerlands – die Selknam, Yamana und Kaweskar, die Jahrtausende lang in einer der lebensfeindlichsten Umgebungen der Welt lebten und heute nahezu verschwunden sind. Am Nachmittag zeigte uns Field Staff Kim Landgraf einige Seemannsknoten. Eine praktische und dabei erstaunlich meditative Übung. Bei dem traumhaften Wetter lockte das Lido Restaurant mit frischen Burgern von der Grillstation, eine willkommene Abwechslung. Um 21:00 Uhr startete das große Offiziersmixen: Die Offiziere der HANSEATIC spirit luden die Gäste zu Cocktails und Gesprächen auf dem Pooldeck ein. Was für ein Abschluss des Tages. Es sind genau diese persönlichen Momente, die eine Expeditionsreise von einem gewöhnlichen Urlaub unterscheiden – der direkte Kontakt, das Gefühl, nicht nur Gäste, sondern wirklich Teil einer Mannschaft zu sein. Einer kleinen, eingespielten Gemeinschaft, die gemeinsam das Südpolarmeer durchquert hat.

Seetag 3 Kurs Buenos Aires

Nach dem gestrigen Offiziersmixen herrschte am frühen Morgen noch gähnende Leere auf den Decks. Für die Langschläfer gibt es Frühstück bis halb eins. Wir hatten mittlerweile Seetag drei von vier erreicht und der breite Mündungstrichter des Río de la Plata schien bereits in greifbare Nähe zu rücken. Im HanseAtrium erklärte die Biologin Nadja die bunte skurrile Welt des Planktons, jener winzigen Organismen, die als Grundlage fast aller Nahrungsketten im Ozean dienen und von denen das gesamte Leben im Meer abhängt, einschließlich der Wale und Pinguine, die uns die letzten Wochen begleitet hatten. Biologe Dr. Eckart Pott übernahm danach die Bühne und nahm uns in seinem Vortrag mit in die Welt der Lufterkundung der Antarktis. Am Nachmittag hieß es Showtime für das Foto- und Videoteam der HANSEATIC spirit: In einer stimmungsvollen Präsentation zeigten sie die schönsten Aufnahmen und den Reisefilm der gesamten Expedition. Eine wunderbare Gelegenheit, die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Am Abend lud Kapitän Axel Engeldrum zum traditionellen Farewell-Abend ins HanseAtrium. ein. Um 21:30 Uhr versammelten wir uns alle bei einem Glas Champagner. Es gab Worte des Dankes an die Crew, das Expeditionsteam und die Gäste. Dann folgte die Seekartenverlosung: Die Seekarte dieser Reise hatte Mica Ballesteros aus dem Housekeeping-Team mit großer Liebe zum Detail von Hand gezeichnet. Jede Anlandestelle, die gesamte Route, jeder Fjord wurde festgehalten. Der glückliche Gewinner durfte das Original mit nach Hause nehmen. Anschließend stimmte der Crew Shanty-Chor gemeinsam mit den Gästen Seemannslieder an. Mehrstimmig, aus vollem Hals, mit einem Lachen im Gesicht klang dieser Abend aus. Es war einer jener Momente, in denen man spürt, dass diese drei Wochen mehr hinterließen als Fotos und Erlebnisse. Sie schufen Verbindungen zu einem Ort, zu Menschen und zu gemeinsamen Erlebnissen. Und zu sich selbst, denn wer einmal am Ende der Welt war, betrachtet alles andere danach mit etwas anderen Augen.

Ankunft & Abreise Buenos Aires

Ein letzter Tag auf See. Noch einmal zum Sport, noch einmal den Vorträgen lauschen. Dr. Eckart Pott hielt einen letzten, diesmal etwas anderen Rückblick auf die Antarktis, gespickt mit den kuriosesten Geschichten und unerwarteten Beobachtungen der vergangenen Wochen. In der Ocean Academy erklärten Field Staff Benjamin und Kim die gesamte Reiseroute noch einmal präzise, damit alle Tagebucheintragungen korrekt werden. Um 11:30 Uhr versammelte sich das Expeditionsteam ein letztes Mal zum gemeinsamen humoristischem Re Cap. Am frühen Nachmittag kam der Lotse an Bord, der uns sicher über den Río de la Plata in den Hafen von Buenos Aires begleiten sollte. Die letzten Stunden an Bord vergingen mit Kofferpacken, Souvenirs verstauen und langen Umarmungen auf den Gängen. Gegen 19:00 Uhr legten wir an der Pier von Buenos Aires an. Den Abend konnte jeder individuell gestalten. Ein letztes argentinisches Steak? Ein Glas Malbec beim Tango? Ein passender Ausklang für eine Reise, die uns alle ein kleines Stück verändert hat. Wir sind leiser, staunender, dankbarer für das, was noch unberührt ist auf dieser Erde.

Am nächsten Morgen lag eine gewisse Abreisehektik in der Luft. In den Gängen rollten Koffer, Türen fielen zu, an der Pier fuhren Busse vor. Abschied nehmen fällt nie leicht, besonders nach einer Reise, wie dieser. Dann war es so weit: Die ersten Farbgruppen wurden aufgerufen. Ein letztes Mal über die Gangway der HANSEATIC spirit. Es gab herzliches Winken, Abschiedsworte, die mehr bedeuteten als das Übliche. Freundschaften waren entstanden, Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben. Busse brachten die Gäste ins Hotel, zu einem Ausflug in den Río Tigre oder direkt zum Flughafen. Wir zerstreuten uns in alle Himmelsrichtungen. Was für eine Reise. Was für eine Mannschaft. Was für ein Abenteuer. Wir sagen Danke an das gesamte Expeditionsteam der HANSEATIC spirit, an Kapitän Axel Engeldrum und seine Crew, und an unsere wunderbaren Gäste, die diese Reise zu dem gemacht haben, was sie war. Bis zum nächsten Mal. Hoffentlich bald, hoffentlich wieder auf Expedition in die schönsten Landschaften und Regionen dieser Welt.

Wir von Eisexpeditionen.de beraten Sie gerne zu Reisen mit der Le Commandant Charcot von PONANT.

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