Blogbeitrag

Leif Eriksson: Von Grönland nach Amerika – ein Wikinger entdeckt die „Neue Welt“

Leif stand an Deck seines im Sturm schwankenden Schiffes und fragte sich, ob es für Vater genauso war. Damals, als er Island verlassen musste? Den Blick nach Westen gerichtet, die Hoffnung im Herzen, nicht über den Rand der Welt zu stürzen? Er wusste es nicht, aber stellte es sich so vor. Nun stand er selbst hier an Bord seines eigenen Schiffes, der Kurs war nach Südwesten gesetzt. Die See war stürmisch. Und doch – die Hoffnung war in seinem Herzen. Er glaubte fest daran, dass es noch weiter im Westen, weiter entfernt als je ein Wikinger gereist war, Land gab. Dort gab es Wunder, über die selbst sein Vater, Erik der Rote, staunen würde. Wälder, soweit das Auge reicht. Wilde Tiere, die es zu jagen gab. Abenteuer, die es zu bestehen gab. Er würde es finden und mit einer eigenen Legende zurückkehren.

Leif Eriksson

Drei unterschiedliche Sagen der Wikinger berichten über Leif Eriksson, den mittleren Sohn von Erik dem Roten, die Grönländer-Saga und die Eriks-Saga.. In diesen Sagen begeht er eine große Heldentat – er entdeckt ein sagenhaftes Land voller Wälder und grüner Landschaften. Dieses Land tauft er „Vinland“, oft als „Weinland“ gedeutet, und Menschen glaubten lange daran, er habe Nordamerika vor Kolumbus entdeckt und besiedelt. Doch lange galt das nur als Sage, als ein Gerücht. Bis schließlich in den 1960er Jahren die norwegischen Archäologen Helge Ingstad und Anne Stine Ingstad Wikinger-Ruinen in L’Anse Aux Meadows im Norden Neufundlands entdeckten. Die Sagen hatten offenbar einen realen Hintergrund. Die Wikinger waren die ersten Europäer, die Nordamerika entdeckten. Doch wer war Leif Eriksson? In diesem Blogbeitrag erzählen wir heute die Geschichte des Sohnes vom Erik dem Roten – Leif, ein furchtloser Entdecker in den polaren Welten.

Die Kindheit ohne Vater

Die Geschichte von Leif Eriksson kann nicht erzählt werden ohne die Geschichte von Erik dem Roten. Wir haben über ihn bereits in einem gesonderten Blogbeitrag berichtet, möchten aber noch einmal das Wesentliche zusammenfassen: Erik der Rote wurde um 950 in Norwegen geboren. Nachdem sein Vater einen Mord begangen hatte, wurden seine Familie und er aus Norwegen verbannt und siedelten nach Island über. Dort heiratete Erik die Tochter einer wohlhabenden Familie, Thorhild. Sie bekamen drei Söhne, von denen einer Leif getauft wurde. Leif wurde um 970 geboren. Entsprechend der Tradition der Wikinger wurde er Leif „Eriks Sohn“, also Eriksson, genannt. Erst in späteren Jahren sollte er den Namen „Leif der Glückliche“ erhalten. Wie wir in unserem Blogbeitrag über die bewegte Geschichte von Erik dem Roten berichtet hatten, wurde dieser im Jahr 982 aus Island für drei Jahre verbannt. Er hatte zuvor im Streit mit seinem Nachbarn dessen Söhne getötet. In dieser Zeit wuchs der junge Leif also ohne Vater auf.
Doch 985 kehrte sein Vater zurück. Erik der Rote hatte Grönland entdeckt, mit seinen Männern erkundet und besiedelt. Nun war es an der Zeit, dass seine Familie ihm in das neue Land folgte, dem Erik den Namen „Grünland“ gegeben hatte. 35 Schiffe brachen mit Erik dem Roten nach Grönland auf, auf einem auch die Familie des Wikingers. Leif muss also um die 15 Jahre alt gewesen sein, als er seine Heimat für immer verlassen sollte. Von den 35 Schiffen gelangten 14 nach Grönland, wo die Wikinger zwei große Siedlungen bauten, die Ostsiedlung und die Westsiedlung. Leif verbrachte seine Jugend dann in der Ostsiedlung. Sein Vater war der Anführer der Wikinger auf Grünland, sodass auch Leif hohes Ansehen genoss.

In den Wikinger-Sagen wird berichtet, dass Erik jedoch kein großes Interesse an seinem Sohn hatte. Er beschäftigte sich lieber mit dem Erkunden von Grönland und der Leitung der Wikingersiedlungen. So soll Leif insbesondere von einem von Eriks Anhängern, der Tyrker genannt wurde, unterrichtet worden sein. Gleichzeitig suchte Leif danach, eine eigene Legende für sich zu schaffen.

Abschied

„Nun also verlässt du uns, mein Junge,“ sagte Erik. Er stand am Strand und blickte auf die Schiffe, mit denen Leif aufbrechen wollte.
„Das tue ich nur, um von deinen großen Erfolgen zu berichten,“ sagte Leif. „Die Könige und die Götter sollen wissen, was du hier auf Grünland für uns alle geleistet hast. Welch großes Schicksal du für unser Volk geschaffen hast, mit diesem sagenhaften Land, das nun auf ewig unseren Stämmen gehören soll.“
Leif war bewusst, dass es immer eine gute Idee war, seinem Vater zu schmeicheln. Gleichzeitig jedoch meinte er es auch ernst. Sein Vater hatte etwas Einmaliges geschaffen, ein sagenhaftes Land entdeckt, eine Insel, bedeckt mit Eis, aber auch mit viel Grün. Die Wikingersiedlungen auf Grünland gediehen, und Erik war ein bewunderter Anführer. Viele Männer, auch Leif, wollten das gleiche erreichen wie er. Doch nun hatte Leif sich entschlossen, selbst eine erste Seereise unter seinem eigenen Kommando zu beginnen. Er wollte zurück in die Heimat seiner Urväter, in das ferne Norwegen reisen, um dort dem König davon zu berichten, was auf Grünland geschaffen worden war. Sein Vater hatte dem Plan zunächst nicht zugestimmt. Doch mit Schmeicheleien und Versprechen, von den großen Taten von Erik dem Roten zu erzählen, war es Leif gelungen, die Unterstützung seines Vaters zu erhalten.
„Nun gut,“ sagte Erik. „Doch unterschätzt die See in diesen Gewässern nicht. Sie kann tückisch sein, das Eis kann zufrieren, der Sturm kann eure Schiffe vernichten. Ich hoffe, Odin ist dir wohlgesonnen, mein Junge.“
Nun war es an Leif, zu lächeln. „Wann war Odin unserer Familie nie wohlgesonnen, Vater?“
Auch sein Vater lächelte ihn nun an.

Christentum

Laut den Wikingersagen muss es um die Jahrtausendwende gewesen sein, als Leif erstmals nach Norwegen aufbrach. Er wollte das Land seiner Vorväter kennenlernen, aus dem einst sein Großvater verbannt worden war. Gleichzeitig wollte er auch neue Siedler für Grünland gewinnen, um damit das Andenken seines eigenen Vaters noch weiter zu vergrößern. Laut den Wikingersagen verbrachte er nach einer stürmischen Reise den Winter am Hofe des Königs Olaf Tryggvason. In dieser Zeit geschah etwas, was für damalige Zeiten eine große Veränderung bedeutete. Der König war ein überzeugter Christ und er gewann das große Vertrauen von Leif. Wir müssen uns das einmal vorstellen: wie schon sein Vater, war Leif in den Traditionen der Wikinger aufgewachsen, er glaubte an Odin, Thor und Walhalla. Und doch, so berichten es auch die Wikingersagen, schwor Leif unter dem Einfluss des Königs diesen alten Göttern ab. Leif konvertierte zum Christentum. Übrigens wenig „christlich“: Unterwegs soll Leif auf den Hebriden Halt gemacht haben, wo er mit Thorgunna, der Tochter eines lokalen Häuptlings, einen Sohn, Thorgils, hatte (wohl ohne vorherige Vermählung).

Rückkehr nach Grünland – oder Abkehr vom Kurs?

Was danach passierte, darüber gehen die Wikingersagen auseinander. Nach einer weitverbreiteten Saga Kette Leif zunächst nach Grönland zurück. Er schaffte es, die dort ansässigen Siedler ebenfalls zum Christentum zu bekehren was angesichts seines jungen Alters eine wesentliche Leistung war. Jedenfalls soll Leif auf diese Weise das Christentum nach Grünland gebracht haben, ohne dass wir heute wissen, wie sein Vater dazu stand. Nach dieser Saga geht die weitere Geschichte von Leif bis zu seinem Aufbruch in die „Neue Welt“ wie folgt weiter: nach Leifs Rückkehr soll ein anderes Schiff der Wikinger Grünland erreicht haben. Der Kapitän dieses Schiffes soll davon berichtet haben, dass er auf der Reise von Grünland weit nach Süden vom Kurs abgekommen sei. Er habe dann weit im Westen ein sagenhaftes Land voller Wälder gesehen. Das war insoweit bemerkenswert, als ein Material auf Grünland eine große Mangelware darstellte: Holz. Erik soll dieser Geschichte großen Glauben geschenkt haben und bereit gewesen sein, ebenfalls in See zu stechen. Es heißt sogar, Leif habe das Schiff des Kapitäns gekauft, um auf diese Weise dessen Route nachvollziehen zu können. In der Sage heißt das dann weiter, dass Erik der Rote jedoch am Ende auf die Expedition verzichtet habe. Grund dafür sei, dass bei einem Ausritt kurz vor Aufbruch sein Pferd schwer gestürzt sei. Während Erik diesen Sturz überlebt habe, habe er es jedoch als Zeichen der alten Götter, an die er noch glaubte, verstanden, und daher von der Reise zugunsten seines Sohnes abgesehen. Leif sollte das Kommando führen. Nach dieser Erzählung war es also eine bewusste Entscheidung von Leif Erickson, nach Westen bzw. Südwesten zu reisen, um das Land der Wälder zu erkunden.
Nach einer anderen Variante war es auf der Rückreise von Norwegen, dass Leif Erickson mit seinem Schiffen vom Kurs abkam. Er soll an Grünland vorbeigesegelt sein, und dabei dann auf das heutige Nordamerika gestoßen sein.
Wie dem auch sei: mit den bereits in der Einleitung genannten Entdeckungen der Archäologen geht man heute davon aus, dass tatsächlich Wikinger nach Nordamerika kamen. Da nach beiden Strängen der Saga letztlich Leif Erickson als erster Europäer nordamerikanisches Festland betrat wollen wir ihn auf dieser Reise weiter begleiten.

Die Erkundung

„Nun, Leif Erickson, wo ist das Holz? Es ist in der Erde versteckt?“
Die Männer lachten laut auf. Auch Leif musste lachen. Er wusste, dass in dem Scherz auch ein gewisser Angriff bestand. Doch so waren nun einmal Wikinger – sie forderten ihre Anführer immer wieder mit derben Scherzen heraus. Außerdem musste Leif einräumen, dass die Männer recht hatten. Auf der stürmischen Reise, die hinter ihnen lag, hatte er ihnen immer wieder versprochen, dass sie in ein Land kommen würden, mit mehr Holz, als sie je zu träumen wagten. Das, was sie hier jedoch nun im Westen vorgefunden hatten, war weder Holz noch Bäume noch sonst fruchtbares Ackerland. Sie waren auf ein Land der flachen Felsen gestoßen.
„Und wie wollt ihr dieses sagenhafte Land nun nennen, Herr?“ spottete ein anderer der Wikinger.
Aber Leif ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Theatralisch sah er sich um, dann hob er sein Schwert in die Höhe. „Mein Name ist Leif Erickson, Sohn von Erik dem Roten. Dieses Land beanspruche ich in seinen Namen. Ich nenne dieses Land: Land der flachen Felsen.“
Für ein Moment war es ruhig. Dann fingen die Männer laut an zu lachen.

Die Baffin-Insel

Historiker gehen davon aus, dass die Reise von Leif dem Glücklichen ihn zunächst nach Baffin Island (Baffininsel) führte. Baffin Island ist heute bekannt als die fünftgrößte Insel der Erde mit einer Ausbreitung von über 500.000 Quadratkilometern. Sie ist die größte Insel des Kanadisch-Arktischen Archipels.
Nach den Wikingersagen betraten die Wikinger im Gebiet des heuten Nordkanadas zunächst ein karges Land, das flach und mit Felsen und Gletschern bedeckt war. Der Legende nach bezeichnete Leif dieses Land als „Helluland“, was in der Sprache der Nordmänner tatsächlich „Land der flachen Felsen“ bedeutete. Wir können also erkennen, dass die Wikinger bei der Namensgebung für unentdeckte Regionen sich in der Regel an dem orientierten was sie sahen. Aber selbstverständlich machte es keinen Sinn, hier eine Kolonie zu gründen. Daher zogen die Wikinger weiter. Selbst wenn der Fund zunächst nicht dem entsprach, was Leif sich erhoffte, zeigte es den Wikingern jedoch, dass es hier tatsächlich Land im Westen gab. Hierbei müssen wir bedenken, dass zu der damaligen Zeit noch stark verbreitet war, dass die Erde eine Scheibe war. Auch die Wikinger fürchteten, über den Rand der Scheibe zu stürzen, wenn sie sich zu weit nach Westen bewegen würden. Daher gab die Sichtung des Landes große Hoffnung.

Weiter nach Süden

Trotz der schwierigen Witterungsbedingungen hatten die Männer Mut gefunden. Nun bewegten sie sich, davon gehen jedenfalls Archäologen aus, weiter nach Süden entlang der Küste von Nordkanada. Auf diese Weise erreichten sie schließlich ein Gebiet, das dem heutigen Neufundland bzw. Labrador zugewiesen wird.

„Auf Leif Eriksson!“

Die Männer jubelten und erhoben die Krüge. „Auf Leif Eriksson,“ stimmte einer der anderen Männer ein. „Er hat uns ein Land versprochen, auf dem es vor Bäumen nur so wimmelt. Er hat Wort gehalten. Dieses Land haben wir gefunden.“

„Auf Leif Eriksson,“ sagte ein weiterer Mann. „Er hat uns an einen Strand gebracht, der weißer ist als das Antlitz meiner Frau. Der schönste Strand, den ich in meinem Leben je gesehen habe, jedenfalls nach dieser harten Reise.“

Wieder stimmten die Männer ein. Aber dann hob ein anderer seinen Krug: „ich trinke nicht auf Leif Eriksson.“

Alle Männer sahen ihn verwundert an, und auch Leif grübelte, was nun kommen würde. So mancher Wikinger, jedenfalls hatte er das schon von seinem Vater gehört, neigte dazu, auf Reisen den Anführer herauszufordern und an seinen Platz zu treten. War nun der Moment gekommen, dass einer unter den Männern seine Führungsrolle beanspruchen würde?

Aber der Wikinger sah nicht so aus. Er blickte Leif an und hatte den Krug in seine Richtung erhoben.

„Ich trinke nicht auf Leif Eriksson. Ich trinke auf Leif den Glücklichen. Denn er hat ein neues Land gefunden, wie einst sein Vater vor ihm. Nun soll er nicht mehr nur als Eriksson bekannt sein. Nun soll er selbst einen Namen tragen, der dieser Entdeckung würdig ist. Leif der Glückliche!“

Einen Moment war es ruhig, dann stimmten die meisten Männer ein. „Auf Leif den Glücklichen!“ Leif lächelte und erhob ebenfalls den Krug. Leif der Glückliche. Das gefiel ihm.

Neufundland

Das heutige Neufundland war ein besonderes Land für die Wikinger. Es war mit vielen Wäldern überzogen, in dem die Wikinger viel Holz schlagen konnten. Für sie war das ein großer Schatz, denn auf Grönland war Holz Mangelware. Es ist daher kein Wunder, dass Leif dieses Land als „Waldland“ bezeichnete, in der Sprache der Wikinger „Markland“.
Es ist nicht historisch belegt, wie die Reise der Wikinger danach weiterging. Jedenfalls scheint es so, dass Leif und seine Männer nicht im Waldland blieben. Stattdessen setzten sie wieder Segel nach Süden und stießen auf ein besonders fruchtbares Gebiet. Hier gingen sie an Land und fanden viele Weintrauben, sodass sich Leif dazu entschloss, dieses Land nun „Weinland“ zu nennen. In der Sprache der Wikinger trug das Land den Namen „Vinland“. Leif befand, dass es sich bei dem Land um sehr gutes Land handelte. Auch das Vieh fand Nahrung. So ließ Leif eine Siedlung errichten und teilte seine Männer auf. Die Hälfte der Männer sollte in der Siedlung arbeiten, die andere Hälfte sollte das Land weiter erkunden. Man kann es als Ausdruck einer guten Führungskraft sehen, dass Leif beide Arbeiten übernahm. Er ging also nicht nur auf Entdeckungstouren, sondern blieb an einigen Tagen auch in der Siedlung und arbeitete mit den anderen Männern. Dies half, die Stimmung hochzuhalten.

Odins Zeichen

„Komm mit, mein Junge,“ sagte Tyrker, und führte Leif durch das Dickicht des Waldes.
„Wo führst Du mich hin, alter Mann?“ fragte Leif. Natürlich vertraute er seinem Ziehvater, aber dennoch war er neugierig, was dieser gefunden hatte. Doch der alte Wikinger ließ sich kein Wort entlocken. Geduldig folgte Leif ihm durch das Dickicht des Waldes.
Schließlich trafen sie auf eine Lichtung. Als Leif sich umblickte, wagte er seinen Augen nicht zu trauen. Um ihn herum waren überall Weintrauben, es war die größte Ansammlung an Weinstöcken, die er in seinem Leben je gesehen hat. Die wahrscheinlich irgendein Wikinger jemals im Leben gesehen hat.
„Wenn das kein Zeichen von Odin ist, dann will ich nicht nach Walhalla,“ sagte Tyrker.
Leif lachte. „Du wirst dich nie daran gewöhnen, dass ich nunmehr einen neuen Herrn habe. Jesus Christus,“ sagte Leif. Er nahm es dem alten Wikinger nicht übel. Dieser hielt sich an die alten Riten und glaubte weiterhin an ein Walhalla, wo er mit Odin und Thor speisen würde.
„Wahrscheinlich nicht,“ sagte Tyrker. „Hast du jemals schon mal etwas so schönes gesehen?“
Leif schüttelt den Kopf. Das hatte er in der Tat nicht.

In der Wikingersage wird berichtet, dass der Ziehvater Tyrker Leif an einen Ort führte, der übersät war mit Weinreben. Die Männer nahmen viele Weintrauben und Weinreben an sich und an diesen Tag beschlossen sie alsbald nach Grönland zurückzukehren, um von ihren Entdeckungen zu berichten und die Wikinger in der neuen Heimat mit dem Wein zu erfreuen. So verbrachten Leif und seine Männer noch den Winter im „Weinland“, dann beschlossen sie, im Frühjahr wieder an Bord ihrer Schiffe zu gehen. Leif setzte Segel gen Grünland.

Triumphale Rückkehr

Die Rückfahrt war glücklich. Sie stießen nicht auf besonders schlechtes Wetter und kamen gut voran. Schon bald konnten sie die Küste von Grünland wiedersehen und auch die Ostsiedlung, in der die Familie von Leif lebte.

„Lasst mich durch,“ rief eine Stimme aus dem Hintergrund. Leif wusste genau, wem diese kräftigte Stimme gehörte.

Ein stämmiger älterer Mann bahnte sich seinen Weg und er drückte die anderen Wikinger zur Seite, jedenfalls diese, die nicht ohnehin ehrfürchtig zur Seite traten. Leif lächelte.

„So, du hast also den Weg nach Hause wiedergefunden“ sagte Erik der Rote mit einem Lächeln auf den Lippen. „Deine Mutter hätte das nicht mehr erwartet.“

„Auch du hast immer wieder den Weg nach Hause gefunden, selbst wenn du Jahre fort warst, Vater,“ erwiderte Leif. Die beiden Männer sahen sich noch einen Moment an, dann lachten sie und fielen einander in die Arme. „Was hast du gefunden?“ fragte Erik der Rote seinen Sohn. „Ein neues Land, Vater. Holz. Trauben. Und Erzählungen, die für ein Leben lang reichen werden.“

„Leif Eriksson,“ sagte Erik der Rote und klopfte seinem Sohn auf die Schulter. „Du bringst stolz über das Haus deines Vaters.

Tyrker trat hinzu. „Das ist nicht mehr sein Name, mein Herr. Die Männer haben ihm einen anderen Namen gegeben.“

Erik blickte verdutzt drein. „Einen neuen Namen?“ fragte er misstrauisch. „Wer wagt es meinem Sohn den Namen seines Vaters wegzunehmen?“

Aber der ältere Wikinger Tyrker lächelte nur. „Seine Männer. Sie nennen ihn Leif den Glücklichen.“

„Leif der Glückliche,“ murmelte Erik und wiederholte den Namen noch einmal. „So sei es. Du sollst von nun an den Namen Leif der Glückliche tragen.“

Leif der Glückliche

Die Rückkehr von Leif war ein voller Erfolg. Die Wikinger feierten ihn für seine Entdeckung und dafür, dass er Holz und Weintrauben mit zurück nach Grönland brachte. Fortan wurde er nur noch „Leif der Glückliche“ genannt. Er hatte vermocht, abseits von seinem Vater eine eigene Legende zu schaffen. Daher war es kein Wunder, dass ihn die Bewohner Grönlands nach dem Tod von Erik dem Roten als neuen Anführer wählen sollten. Gleichwohl fuhr Leif nie wieder zur See. Nach dem Bericht der Wikinger verbrachte er sein Leben fortan in Grünland. Er bekehrte die dort lebenden Wikinger zum Christentum und blieb bis zu seinem Tod auf der grünen Insel. Vermutlich starb er um das Jahr 1020 n. Chr.

Doch vergessen wurde Leif nicht. Zwar gibt es keine schriftlichen Überlieferungen der Fahrt selbst. Die heutigen Erzählungen gehen zunächst auf mündliche Überlieferung zurück, die immer weiter erzählt wurden unter den Wikingern. Erst später wurden die Geschichten aufgeschrieben, sodass sich wahrscheinlich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte viel vom wahren Kern verändert hat. Daher wissen wir auch nicht, ob die noch heute besuchbaren Wikingerruinen in L’Anse Aux Meadows im Norden Neufundlands auf Leif den Glücklichen zurück gingen. Und doch erinnern sich selbst die US-Amerikaner heute an den Wikinger: Der 9. Oktober ist der “Leif Eriksson Tag”. Er wurde 1964 von US-Präsident Lyndon B. Johnson ins Leben gerufen, um den Beitrag des nordischen Erbes Erikssons zur amerikanischen Geschichte zu ehren und anzuerkennen.

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