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Gastbeitrag von Laura Wolpmann - Expedition an Bord der Le Commandant Charcot

Laura Wolpmann gibt spannende Einblicke in Forschungsprojekte an Bord – darunter die Messung der Eisdicke, die Platzierung einer Schneeboje und die Bedeutung dieser Daten für die internationale Klimaforschung

Forschung am Nordpol: Was mir das Meereis auf der Le Commandant Charcot gezeigt hat

Als ich im Sommer 2025 an Bord der Le Commandant Charcot ging, stand für mich nicht nur eine außergewöhnliche Reise zum Nordpol bevor. Im Gepäck hatte ich auch die Datengrundlage für meine Masterarbeit und die Frage, wie wir das Meereis in der zentralen Arktis noch genauer beobachten und verstehen können.

Damals ahnte ich noch nicht, wie viele Stunden Programmierung, Datenverarbeitung und Auswertung nach der Reise auf mich warten würden. Heute, mit abgeschlossener Masterarbeit, blicke ich mit ganz anderen Augen auf die Eislandschaften zurück, die wir während der Expedition durchquert haben.

Das Meereis ist viel komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint

Wer zum ersten Mal das arktische Meereis sieht, nimmt oft eine scheinbar endlose weiße Fläche wahr. Doch diese Oberfläche ist alles andere als gleichmäßig. Das Eis befindet sich ständig in Bewegung. Wind, Strömungen und Temperaturunterschiede sorgen dafür, dass Eisschollen aufeinandertreffen, auseinanderdriften oder sich übereinander schieben.

Während unserer Reise konnten wir sowohl große Bereiche mit relativ ebenem Eis als auch Regionen mit stark verformtem Eis beobachten. Besonders beeindruckend waren die sogenannten Presseisrücken. Sie entstehen, wenn Eisschollen kollidieren und sich übereinander schieben. Dabei entstehen teilweise mehrere Meter hohe Eisstrukturen über der Wasseroberfläche, während sich ein noch größerer Teil unter Wasser befindet.

Genau diese Vielfalt macht das Meereis für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so spannend und gleichzeitig so herausfordernd.

Die zentrale Frage meiner Masterarbeit

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stand die Frage, welchen zusätzlichen wissenschaftlichen Nutzen ein schiffsgestützter Laserscanner für die Beobachtung von Meereis bietet.

Auf der Le Commandant Charcot ist bereits ein Sea-Ice Monitoring System (SIMS) installiert. Dieses System misst kontinuierlich die Eisdicke direkt vor dem Schiff. Für die Navigation und wissenschaftliche Analysen liefert es wertvolle Informationen über die Bedingungen entlang der Route.

Ich wollte untersuchen, ob ein zusätzlich eingesetzter Laserscanner das Bild vervollständigen kann. Anders als das SIMS misst der Scanner nicht nur an einem einzelnen Punkt, sondern erfasst die gesamte Eisoberfläche vor dem Bug, über die gesamte Breite des Schiffes, als dreidimensionale Punktwolke. Dadurch lassen sich Oberflächenstrukturen, Rauigkeiten, Presseisrücken und verschiedene Eisformen sichtbar machen.

Ein weiterer spannender Aspekt war die Frage, ob sich anhand der Reflektionseigenschaften des Lasers möglicherweise sogar unterschiedliche Meereistypen erkennen lassen.

Warum Messungen direkt vor Ort unverzichtbar sind

Heute stehen uns leistungsfähige Satelliten zur Verfügung, die die gesamte Arktis beobachten können. Satellitendaten sind für die Meereisforschung unverzichtbar und ermöglichen einen Überblick über riesige Gebiete.

Trotzdem haben Messungen direkt vor Ort einen unschätzbaren Wert.

Satelliten können beispielsweise die großräumige Ausdehnung des Eises erfassen. Kleine Strukturen wie einzelne Presseisrücken oder die genaue Rauigkeit der Eisoberfläche bleiben jedoch oft verborgen. Genau hier setzen Messungen auf Forschungsschiffen an.

Der Laserscanner an Bord der Le Commandant Charcot kann Details sichtbar machen, die aus dem All nicht erkennbar sind. Die Kombination aus Satellitenbeobachtungen, Bordmessungen und direkten Beobachtungen auf dem Eis ermöglicht ein deutlich vollständigeres Verständnis der arktischen Eislandschaft.

Eine überraschende Beobachtung

Eine der interessantesten Erkenntnisse meiner Auswertung war die unterschiedliche Verteilung der Eisklassen zwischen den Expeditionen 2024 und 2025.

Entlang der Route im Jahr 2025 wurde ein deutlich höherer Anteil von mehrjährigem und besonders dickem Eis beobachtet als im Vorjahr. Gleichzeitig nahm der Anteil von einjährigem Meereis ab.

Auf den ersten Blick könnte man daraus schließen, dass sich das arktische Meereis erholt hat. So einfach ist die Interpretation jedoch nicht.

Die Expeditionen verliefen auf unterschiedlichen Routen, und die Eisbedingungen in der Arktis können regional stark variieren. Die Ergebnisse zeigen deshalb vor allem, wie unterschiedlich die Eisverhältnisse selbst innerhalb der zentralen Arktis sein können. Genau deshalb sind kontinuierliche Beobachtungen so wichtig.

Für mich war diese Erkenntnis ein gutes Beispiel dafür, warum wissenschaftliche Ergebnisse immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden müssen.

Forschung auf einem Expeditionsschiff

Die Le Commandant Charcot bietet einzigartige Möglichkeiten für die Forschung und somit auch für die Gäste an Bord. Das Schiff fährt regelmäßig in Regionen, die nur schwer zugänglich sind und in denen nur wenige Messungen durchgeführt werden können.

Dadurch entstehen über mehrere Jahre hinweg wertvolle Datensätze, die Veränderungen des Meereises dokumentieren. Gleichzeitig ermöglicht das Schiff die Installation und den Betrieb moderner Messinstrumente direkt im Einsatzgebiet.

Besonders spannend finde ich die Verbindung von Expeditionsreisen und Wissenschaft. Während Gäste die Landschaft, Tierwelt und das Erlebnis Nordpol genießen, entstehen gleichzeitig Daten, die zum besseren Verständnis der Arktis beitragen können.

Die Rolle von Eisbojen

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Forschung sind Eisbojen. Während der Expedition werden regelmäßig Messbojen auf dem Meereis ausgesetzt. Diese treiben anschließend mit dem Eis und senden kontinuierlich Daten über ihre Position und Umweltbedingungen.

Dadurch können Wissenschaftler verfolgen, wie sich das Meereis bewegt, verändert und entwickelt.

Wer einen Blick auf aktuelle und vergangene Bojenmessungen werfen möchte, findet die Daten im Meereisportal des Alfred-Wegener-Instituts:

https://data.meereisportal.de/relaunch/buoy.php?buoytype=all&region=all&buoystate=all&expedition=Charcot_2025

Besonders interessant fand ich unsere Bojen T141 und P349. Beide Bojen sind noch bis heute aktiv und zeigen, wie stark das Meereis in der Arktis driftet. Solche Bewegungen verdeutlichen eindrucksvoll, dass das arktische Meereis keineswegs statisch ist, sondern sich permanent bewegt. Die Boje T141 wurde am Nordpol ausgesetzt und befindet sich jetzt an der Westküste, relativ weit südlich, Grönlands.

Was wir über das Meereis verstehen sollten

Wenn ich aus meiner Arbeit eine zentrale Botschaft mitnehmen möchte, dann diese:

Meereis ist weit mehr als nur gefrorenes Wasser.

Es ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Klimasystems, beeinflusst den Austausch von Wärme zwischen Ozean und Atmosphäre und spielt eine wichtige Rolle für zahlreiche Ökosysteme der Arktis.

Gleichzeitig ist es ein unglaublich dynamisches System, das sich ständig verändert. Um diese Veränderungen zu verstehen, brauchen wir Beobachtungen aus Satelliten, Modelle und vor allem Messungen direkt vor Ort.

Die Reise mit der Le Commandant Charcot hat mir gezeigt, wie wertvoll diese Kombination aus Expeditionsreisen und Wissenschaft sein kann. Jede Messung hilft dabei, die Arktis ein Stück besser zu verstehen und damit auch die Veränderungen, die unseren Planeten in den kommenden Jahrzehnten prägen werden.

Wir von Eisexpeditionen.de beraten Sie gerne zu Reisen mit der Le Commandant Charcot von PONANT.

Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!
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