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Expeditionstagebuch: Aurora Explorer - Mit der Ocean Albatros durch Ostgrönland - Teil 2

Die zweite Hälfte der Expeditionskreuzfahrt "Aurora Explorer" führte unseren Kollegen Christian Hoppe vom 5. bis 11. September 2025 durch die spektakuläre Ostküste Grönlands. An Bord der Ocean Albatros erkundete er auf dieser zweiten Etappe die eisberggesäumten Fjorde des Sermilik, die verlassene Ikateq Air Base und die authentischen Inuit-Gemeinden der Ostküste. Von majestätischen Walbeobachtungen über nächtliche Nordlichter bis zur herzlichen Gastfreundschaft in Kuummiit und Tasiilaq - die Reise bot unvergessliche Höhepunkte. In diesem zweiten Teil seines Reiseberichts teilt er die eindrucksvollsten Momente der finalen Tage dieser außergewöhnlichen Grönland-Expedition.

Tag 7: Auf dem Weg nach Skjoldungen (5. September 2025)

Nach dem gestrigen spektakulären Tag im Prins Christian Sund gleitet die Ocean Albatros in nördliche Richtung. Der Wellengang in der Nacht und am Morgen erinnert uns daran, dass wir uns wieder auf offener See befinden, beeinträchtigt aber keineswegs meinen Schlaf an Bord.

Die Küste Südostgrönlands zieht an Backbord vorbei - eine eindrucksvolle Kulisse aus Bergen, Gletschern und Fjorden. Am Vormittag versammeln wir uns im Vitus Bering Lecture Hall auf Deck 5, wo Gaby uns in einem faszinierenden Vortrag die Geheimnisse der Gletscher näherbringt.

Gabys spannende Ausführungen über Gletscherdynamik werden plötzlich von einer Durchsage unterbrochen: Vor der Küste treiben einige beeindruckende Eisberge. Kaum habe ich meinen Parka aus der Kabine geholt, folgt schon die nächste Durchsage: Orcas vor dem Schiff!

An Deck angekommen, kann ich sie tatsächlich entdecken - drei Schwertwale ziehen majestätisch ihre Bahn durch das Wasser. Einen von ihnen gelingt es mir sogar zu fotografieren. Nachdem die Orcas weitergezogen sind, bleibe ich noch eine Weile an Deck und lasse den Blick über die vorbeiziehende Landschaft und die in der Morgensonne glitzernden Eisberge schweifen.

Dronning Marie Dal

Das Dronning Marie Dal empfängt uns unter einem bewölkten Himmel, die Sonne versteckt sich leider hinter den Wolken. Dennoch ist das Tal von einer beeindruckenden Schönheit: Steile Hänge rahmen das Tal ein, während sich die Vegetation bereits in ihr herbstliches Gewand hüllt. Besonders interessant ist hier der Zwergwuchs der Bäume - ein typisches Merkmal der grönländischen Flora. Die kurze Vegetationsperiode und die rauen klimatischen Bedingungen sorgen dafür, dass selbst jahrzehntealte Bäume nur kniehoch werden.

Unser moderater Rundweg führt uns in Richtung einer Gletscherzunge, die wir in etwa drei Kilometern Entfernung sehen können. Die herbstlich gefärbten Beeren und die kleinwüchsigen Bäume säumen unseren Weg durch diese arktische Landschaft.

Nach der Wanderung wartet noch ein besonderes Highlight auf uns: Statt direkt zum Schiff zurückzukehren, unternehmen wir mit dem Zodiac eine kleine Extratour im Fjord. Dabei kommen wir einigen treibenden Eisbergen erstaunlich nahe - eine willkommene Gelegenheit, diese faszinierenden Eisskulpturen aus nächster Nähe zu betrachten.

Tag 8: Sermilik Fjord (6. September 2025)

Die Nacht beschert uns wieder ein faszinierendes Naturschauspiel: Nordlichter tanzen über den arktischen Himmel - ein Anblick, der auch nach mehrmaligem Erleben nichts von seiner Magie verliert.

Am Morgen versammeln wir uns nach dem Frühstück im Vitus Bering Lecture Hall zu Emils Vortrag über Seevögel. Doch die Natur hat andere Pläne: Eine Durchsage unterbricht den Vortrag - Wale direkt vor dem Schiff!

Der Kapitän stoppt die Ocean Albatros, und was folgt, ist eine der eindrucksvollsten Walbegegnungen dieser Reise. Zunächst sehen wir nur in der Ferne den charakteristischen Blas der Meeressäuger, doch dann nähern sich die Wale dem Schiff. Bald wird klar, dass wir das Glück haben, gleich zwei verschiedene Walarten zu beobachten: Buckelwale und Finnwale.

Die Buckelwale, mit einer Länge von bis zu 15 Metern die kleineren der beiden Arten, beeindrucken durch ihr spektakuläres Verhalten. Ihre charakteristische, eher gedrungene Rückenflosse sitzt auf einem deutlichen Buckel, der beim Abtauchen sichtbar wird. Besonders eindrucksvoll ist der Moment, wenn sie zum Tieftauchen ihre markante Fluke zeigen - die Unterseite der Schwanzflosse, deren schwarz-weißes Muster so einzigartig ist wie ein Fingerabdruck.

Die eleganten Finnwale hingegen, die zweitgrößten Tiere der Erde nach dem Blauwal, werden bis zu 27 Meter lang. Sie sind an ihrer schlanken, sichelförmigen Rückenflosse zu erkennen, die weit hinten auf ihrem Rücken sitzt. Anders als die Buckelwale zeigen sie beim Abtauchen keine Fluke, aber ihre kraftvollen, stromlinienförmigen Körper sind ein beeindruckender Anblick.

Zodiac-Cruise im Sermilik Fjord

Nach dieser außergewöhnlichen Begegnung erreicht uns die Nachricht einer Planänderung: Statt der ursprünglich geplanten Anlandung im Sermilik Fjord werden wir eine Zodiac-Cruise durch die eisberggesäumte Wasserwelt unternehmen. Doch zunächst steht ein Barbecue auf dem Außendeck an.

Ein interessantes Detail am Rande zeigt die Professionalität unserer Crew: Da der Fjord noch nicht vollständig kartiert ist, macht sich unser Kapitän höchstpersönlich mit einem Zodiac und Sonargerät auf den Weg, um einen sicheren Ankerplatz zu finden.

Der Sermilik Fjord präsentiert sich zunächst im strahlenden Sonnenschein. Überall ragen gestrandete Eisberge aus dem Wasser, einige von ihnen wahre Giganten - über 50 Meter hoch, groß wie Kathedralen. Wind und Wetter haben sie in fantastische Skulpturen verwandelt, deren Formen die Fantasie beflügeln.

Als die Zodiacs zu Wasser gelassen werden, verändert sich das Wetter: Nebel und Wolken ziehen auf. Unser Zodiac-Fahrer Otto, ein Argentinier mit umfangreichem Wissen über die arktische Eiswelt, navigiert uns zunächst durch etwas rauere Gewässer.

Dann biegen wir in einen ruhigeren Seitenarm des Fjords ein. Auch hier treffen wir auf gestrandete Eisberge, deren vom Wetter geformte Strukturen im diffusen Licht noch mystischer wirken. Otto stellt den Motor ab, und für einen Moment umfängt uns die absolute Stille der Arktis. In der Ferne sehen wir die Kajaker unserer Gruppe, die wie kleine dunkle Punkte zwischen den gewaltigen Eisbergen erscheinen.

Nach dieser stillen Pause cruisen wir noch etwa eine Dreiviertelstunde zwischen den größeren Eisbergen im Hauptfjord. Das Wetter wird zusehends trüber, doch das tut der Stimmung keinen Abbruch - die Eisberge wirken im Nebel noch unwirklicher, fast wie Geisterkathedralen. Nach zwei faszinierenden Stunden kehren wir gegen 16:30 Uhr zum Schiff zurück, erfüllt von den Eindrücken dieser außergewöhnlichen Zodiac-Cruise.

Nach unserer eindrucksvollen Zodiac-Cruise wird die Ocean Albatros im Fjord neu positioniert - es steht der "Polar Plunge" an. Bei einer Wassertemperatur von gerade einmal 1,6 Grad wagen einige mutige Gäste den Sprung ins eisige Wasser. Ich spiele kurz mit dem Gedanken mitzumachen, entscheide mich dann aber doch fürs Anfeuern der tapferen Eisschwimmer von Deck aus.

Beim abendlichen Briefing gibt es interessante Einblicke in den Tag. Marc erklärt, dass die außergewöhnlich gute Walbeobachtung am Morgen auch der besonderen Konstruktion der Ocean Albatros zu verdanken ist - das Schiff ist besonders leise, was die Meeressäuger offenbar nicht als störend empfinden.

Kapitän Johan gibt spannende Einblicke in seine Erkundungstour am Nachmittag. Das von ihm verwendete System kombiniert GPS mit Echolot-Technologie, um Meerestiefen zu messen und bisher nicht oder nur unzureichend kartierte Gebiete zu erfassen. Diese Daten werden mit anderen Nutzern des Systems geteilt - ein wichtiger Beitrag zur sicheren Navigation in arktischen Gewässern.

Zum Abschluss des Briefings hat Marc noch eine vielversprechende Nachricht: Für die Nacht werden Nordlichter vorhergesagt - vorausgesetzt, der Himmel bleibt klar. Gespannt auf das morgige Programm, das uns zur ehemaligen Ikateq Air Base und in die Gemeinde Kuummiit führen soll, und hoffnungsvoll den Himmel im Blick, beenden wir diesen ereignisreichen Tag.

Tag 9: Ikateq Air Base und Kuummiit (7. September 2025)

Der Tag beginnt bewölkt, mit gelegentlichen Sonnendurchbrüchen. Die kühlen Temperaturen bestätigen, dass die Zwiebelmethode beim Anziehen die richtige Wahl war.

Nach einer kurzen Zodiac-Fahrt von der Ocean Albatros erreichen wir die Anlandestelle der Ikateq Air Base. Ein kleiner Aufstieg führt uns zum ehemaligen Flugfeld, wo sich eine bemerkenswerte Geschichte vor uns ausbreitet: "Bluie East Two", wie die Basis offiziell hieß, wurde 1941 von den USA als strategischer Stützpunkt errichtet. Als Teil eines Netzwerks von Luftwaffenstützpunkten diente sie während des Zweiten Weltkriegs als wichtige Zwischenstation für Transatlantikflüge und zum Schutz Grönlands. Auf dem Höhepunkt ihrer Nutzung lebten hier etwa 4.000 Menschen - heute zeugen nur noch rostende Überreste von dieser Zeit.

Unser Rundweg führt uns vom Landepunkt über das Flugfeld zu einem See und wieder zurück. Überall auf dem Gelände finden sich Relikte der Vergangenheit: Das Skelett eines Hangars, rostende Trucks und Maschinen, unzählige Fässer. Die Atmosphäre ist merkwürdig bedrückend - fast scheint es, als hätten die Menschen den Stützpunkt überstürzt verlassen, was 1947 tatsächlich der Fall war. Die steilen Berghänge, die das Gelände umgeben, bilden einen dramatischen Kontrast zu den menschlichen Hinterlassenschaften.

Doch die Geschichte der Basis ist nicht nur eine Geschichte des Verlassens, sondern auch eine der Verantwortung: Nach jahrzehntelangen Verhandlungen zwischen Grönland, Dänemark und den USA begann 2019 ein umfangreiches Clean-up-Projekt. Mit einem Budget von 180 Millionen dänischen Kronen werden gefährliche Abfälle entfernt, während einige Überreste als kulturhistorische Zeugnisse erhalten bleiben sollen.

Während wir durch die Überreste wandern, zeigt sich ein langsamer aber stetiger Wandel: Die Natur beginnt behutsam, sich das Gelände zurückzuerobern. Zwischen den rostenden Relikten sprießen arktische Pflanzen, ein leiser aber beständiger Prozess der Heilung.

Kuummiit - Chorgesang, Kaffemik und Fußball

Nach unserem Besuch in Ikateq erreichen wir Kuummiit, wo die Sonne die bunten Häuser des 370-Einwohner-Ortes in strahlendes Licht taucht. Während unserer Zodiac-Fahrt zum Dorf nieselt es kurz, aber der Regen verzieht sich schnell und macht einem bewölkten, aber trockenen Nachmittag Platz.

Die farbenfrohen Häuser, die so typisch für Grönland sind, verteilen sich malerisch am Hang. Unser erster Weg führt uns in die Kirche, wo wir einen bewegenden Empfang erleben: Der örtliche Chor, teilweise in traditioneller grönländischer Tracht, bereitet uns eine besondere Überraschung. Sie stimmen "Stille Nacht" in der grönländischen Version an und laden uns ein, in unserer jeweiligen Landessprache mitzusingen - eine schöne Geste, auch wenn ich selbst beim Text nicht ganz sattelfest bin.

Ein Höhepunkt des Nachmittags ist der "Kaffemik", eine traditionelle grönländische Kaffeestunde. Vier Häuser im Ort öffnen ihre Türen für uns, erkennbar an den Guides, die davor warten. Auf dem Weg dorthin begegne ich einem der charakteristischsten Merkmale grönländischer Siedlungen: den Grönlandhunden. Während die erwachsenen Tiere angebunden sind, erkunden verspielte Welpen frei den Ort und schließen schnell Freundschaft mit den Besuchern.

Meine Gastgeber beim Kaffemik sind ein Ehepaar Anfang 60. Bei Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen erzählt uns der Hausherr stolz von seinen 40 Jahren als Fußballer und den gewonnenen ostgrönländischen Meisterschaften.

Apropos Fußball: Auf dem beeindruckenden Kunstrasenplatz hinter der Kirche - der auch in Deutschland jedem Amateurverein zur Ehre gereichen würde - findet ein spontanes Freundschaftsspiel statt. Eine Ortsauswahl tritt gegen ein gemischtes Team aus Passagieren und Crew der Ocean Albatros an, mit Kapitän Johan im Tor. Die Grönländer zeigen sich technisch überlegen - aber am Ende zählt niemand das Ergebnis.

Auf dem Rückweg zum Schiff erfüllt sich noch ein Punkt auf meiner Grönland-Wunschliste: Ein verspielter Grönlandhund-Welpe posiert geduldig für ein Foto. Nach der Rückkehr an Bord gegen 18:45 Uhr gibt Mark beim Briefing einen Ausblick auf den morgigen Tag in Tasiilaq, bevor der ereignisreiche Tag beim Abendessen ausklingt.

Tag 10: Tasiilaq - Abschied von Grönland (8. September 2025)

Manchmal kommt das Beste völlig unerwartet: Nach einem stark bewölkten Abend sind die Hoffnungen auf Nordlichter eigentlich geschwunden. Doch um 4:20 Uhr reißt Expeditionsleiter Marcs Durchsage uns aus dem Schlaf - Aurora Borealis über dem Schiff! Die griffbereite Ausrüstung zahlt sich aus; in weniger als fünf Minuten stehe ich warm eingepackt mit meiner Kamera an Deck.

Was sich dort bietet, ist ein magisches Zusammenspiel der Naturgewalten: Unter dem klaren Himmel tanzen die Nordlichter ihre ethereische Choreographie, während der Vollmond die Szenerie in silbriges Licht taucht. Die beginnende Morgendämmerung verleiht dem Spektakel eine zusätzliche Dimension. Im Vordergrund treiben majestätische Eisberge, während sich im Hintergrund die steilen grönländischen Berghänge abzeichnen - ein Fotomotiv, wie es perfekter nicht sein könnte.

Tasiilaq

Als wir uns Tasiilaq nähern, ist die Stadt noch in Nebel gehüllt. Doch pünktlich zu unserer Zodiac-Anlandung an der Pier lichtet sich der Schleier und gibt den Blick frei auf die größte Siedlung Ostgrönlands. Mit rund 2.000 Einwohnern und malerisch in einer geschützten Bucht der Ammassalik-Insel gelegen, unterscheidet sich Tasiilaq deutlich von den Orten der Westküste - nicht nur durch ihre dramatischere Landschaft, sondern auch durch ihre besondere kulturelle Prägung. Erst 1894 wurde hier der erste europäische Handelsposten errichtet, wodurch sich die Traditionen der Tunumiit, der ostgrönländischen Inuit, länger und ursprünglicher erhalten haben.

Um 9:00 Uhr beginnt unsere anderthalbstündige Stadtführung mit Guide Gerda. Der Rundgang führt uns vorbei an bunten Holzhäusern zu den wichtigsten Einrichtungen der Stadt: die Schule, der Supermarkt, einer der charakteristischen Hundeplätze mit seinen Grönlandhunden und ihren verspielten Welpen, die Kirche und verschiedene Handwerksbetriebe. Besonders interessant ist der Besuch einer Werkstatt, in der Kunsthandwerker Figuren und die traditionellen Tupilaks schnitzen - diese mystischen Figuren sind ein bedeutender Teil der ostgrönländischen Kultur und Kunsttradition.

Im kleinen, aber feinen Museum, untergebracht in der alten Kirche der Stadt, erhalten wir weitere Einblicke in die Geschichte und Kultur der Region. Nach etwas freier Zeit zur eigenen Erkundung und zum Souvenir-Shopping treffen wir uns um 13:00 Uhr am Hundeplatz wieder. Hier gewährt uns ein Hundezüchter, der auch als Polizist und Touristenführer tätig ist, Einblicke in das Leben mit den Grönlandhunden. Während der Fütterung - heute gibt es Fisch - erzählt er von der bedeutenden Rolle der Hunde im modernen Grönland. Sowohl die erwachsenen Tiere als auch die Welpen zeigen sich bei der Fütterung begeistert.

Ein kurzer Abstecher führt uns noch zum malerisch gelegenen Friedhof am Eingang des Blumentals (Blomsterdalen). Auch wenn wir das Tal selbst heute nicht erwandern können, beeindruckt bereits der Blick in diese grüne Oase.

Zurück im Museum wartet ein besonderes kulinarisches und kulturelles Finale auf uns: Bei einer Verkostung grönländischer Spezialitäten probieren wir Trockenfisch, Krähenbeeren, Rentier- und Moschusochsensalami, für die Mutigen gibt es sogar Walfleisch. Den krönenden Abschluss bilden die Aufführungen des lokalen Chores und der traditionelle grönländische Trommeltanz - ein würdiger Abschied von diesem besonderen Ort.

Grönland verabschiedet sich mit Finnwalen

Um 14:30 Uhr kehren wir zur Ocean Albatros zurück. Es ist unsere letzte Anlandung in Grönland, morgen geht es durch die Dänemarkstraße zurück nach Island.

Nach unserer Rückkehr zum Schiff um 14:30 Uhr folgt ein kurzes Briefing zur morgigen Ausschiffung. Die Ocean Albatros nimmt Kurs auf Island, doch Grönland hat noch einen letzten, spektakulären Abschied für uns vorbereitet: Nach etwa einer Stunde ertönt die Durchsage "Wale vor dem Schiff!" - Finnwale kreuzen unseren Weg.

Kapitän Johan stoppt das Schiff und lässt eine besondere technische Einrichtung der Ocean Albatros ausfahren: An Back- und Steuerbord werden auf Deck 5 je eine etwa 12 Quadratmeter große Aussichtsplattform heruntergelassen. Von diesen Plattformen aus, die sich weit vorne am Schiff befinden, können wir die Meeressäuger aus nächster Nähe beobachten. Fast auf Höhe der Wasseroberfläche bietet sich ein perfekter Blick auf den Blas und die auftauchenden Rücken der gewaltigen Finnwale - vielleicht ein letztes fotografisches Geschenk dieser Reise.

Tag 11: Seetag in der Dänemarkstraße

Wenn Grönland uns mit Finnwalen ein perfektes "Inuulluarit" (Auf Wiedersehen) bereitet hatte, so begrüßt uns die Dänemarkstraße nicht weniger spektakulär.

Der Abend beginnt noch ganz unspektakulär mit Kofferpacken in der Kabine - eine vorausschauende Maßnahme für den morgigen Seetag, falls die Überfahrt durch die Dänemarkstraße etwas bewegter werden sollte. Anschließend geht es zum Quiz-Abend in die Lounge, doch die maritime Allgemeinbildung muss kurz vor dem Finale zurückstehen: Über dem Schiff tanzen erneut Nordlichter.

Was folgt, sind zwei der magischsten Stunden dieser Reise. Die in den letzten Tagen perfektionierte "Nordlicht-Fotografie-Routine" zahlt sich aus - die Aurora Borealis präsentiert sich von ihrer spektakulärsten Seite. Die Schiffsaufbauten der Ocean Albatros bieten dabei perfekte Fotomotive: Rettungsboote, Decksaufbauten und sogar der Whirlpool werden zu dramatischen Vordergründen für das himmlische Schauspiel. Spätestens jetzt macht unsere Reise ihrem Namen alle Ehre - der "Aurora Explorer" hat uns mit einer Fülle von Nordlichtern beschenkt, mehr als wir zu hoffen gewagt hatten.

Erst um 1:00 Uhr (oder besser 2:00 Uhr, denn die Schiffsuhren werden in dieser Nacht auf Island-Zeit umgestellt) falle ich erschöpft, aber glücklich ins Bett. Die Dänemarkstraße hat uns einen würdigen Übergang von Grönland nach Island beschert.

Trotz der kurzen Nacht und der verlorenen Stunde durch die Zeitumstellung bin ich früh auf den Beinen. Nach dem Frühstück beginnt ein entspannter Seetag, der ganz im Zeichen der Reflexion steht.

Die Vortragsreihe startet mit Sannes faszinierenden Einblicken in die Entwicklung der Wale und ihrer Zukunft, gefolgt von Lisas aufschlussreichen Erläuterungen zum Seerecht. Mein Stammplatz für die Vorträge ist längst gefunden: nahe der Kaffee- und Teestation in der Lecture Lounge. Die dort stets verfügbaren Kekse - heute entscheide ich mich für die Schokoladenvariante - sind längst zu einem liebgewonnenen Ritual geworden.

Zwischen den Vorträgen zieht es mich immer wieder in die Observation Lounge auf Deck 8. Möwen und Seeschwalben begleiten uns durch die Dänemarkstraße, und auch wenn sich heute bis zum Nachmittag keine Wale zeigen - wer will sich beschweren? Die vergangenen Tage haben uns mit Walbeobachtungen mehr als verwöhnt.

Beim Mittagessen um 13:00 Uhr schwelgen wir in Erinnerungen an die vergangenen Tage. Wer noch Mitbringsel benötigt, findet im Bordshop die Gelegenheit, letzte Andenken zu erstehen.

Ein besonderer Moment ergibt sich am Nachmittag auf der Brücke, die heute wieder für Besucher geöffnet ist. Im Gespräch mit Kapitän Johan erfahre ich mehr über das Olex-System, mit dem er vor einigen Tagen den Fjord vermessen hat - eine wichtige Hilfe für Expeditionsschiffe. Seine Worte, er habe das große Glück, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben und für seine Leidenschaft bezahlt zu werden, bleiben mir besonders im Gedächtnis.

Laura's Vortrag über die Geologie Südgrönlands rundet das Vortragsprogramm ab, während sich bereits Vorfreude auf die abendliche Farewell-Präsentation mit Fotorückblick breit macht.

Am frühen Abend versammeln wir uns in der Vitus Bering Lecture Hall zum großen Farewell. Expeditionsleiter Marc kann seine Begeisterung kaum verbergen, als er Bilanz zieht: 100% der geplanten Anlandungen konnten durchgeführt werden - in der Arktis keine Selbstverständlichkeit.

Kapitän Johan spricht mit spürbarer Bewegung von dieser "fantastischen Reise" und holt jene Menschen nach vorn, die unsere Expedition so besonders gemacht haben. Sein aufrichtiger Dank für ihren Einsatz spricht uns allen aus dem Herzen.

Hoteldirektor Oliver gibt uns dann noch einmal einen Einblick in die "unsichtbaren Helden" dieser Reise. Abteilung für Abteilung stellt er sein Hotelteam vor, und der herzliche Applaus zeigt, wie sehr wir alle ihren Service zu schätzen gelernt haben.

Den emotionalen Höhepunkt bildet die Slideshow von Bordfotograf Daniel. Als die Bilder der vergangenen Tage über die Leinwand gleiten, wird es ganz still im Raum. Jeder von uns durchlebt diese besonderen Momente noch einmal: die ersten Eisberge, die bunten Häuser von Kuummiit, die Grönlandhunde, Wale und Nordlichter - Erinnerungen, die uns ein Leben lang begleiten werden.

Beim anschließenden Captain's Farewell Dinner lassen wir die Reise in festlicher Atmosphäre ausklingen. Die Gespräche drehen sich um die Highlights der vergangenen Tage, und manch einer plant bereits die nächste Reise in den hohen Norden.

Tag 12: Von der Ocean Albatros ins bunte Reykjavik (10. September 2025)

Der letzte Morgen an Bord beginnt früh - um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Der bereits am Vortag größtenteils gepackte Koffer wird mit den letzten Utensilien komplettiert und programmgemäß vor die Kabinentür gestellt.

Beim letzten Frühstück an Bord werden noch einmal Kontakte ausgetauscht und letzte Gespräche mit Mitreisenden und dem Expeditionsteam geführt. Ein glücklicher Zufall führt zu einer persönlichen Verabschiedung von Kapitän Johan - ein passender Abschluss für diese besondere Reise.

Um 8:30 Uhr heißt es dann endgültig Abschied nehmen von der Ocean Albatros. Die Lage des Anlegers direkt vor dem markanten Opernhaus von Reykjavik macht den Übergang vom Schiff zum Stadtleben denkbar einfach. Nach der kurzen Zollabfertigung ist es nur ein kleiner Spaziergang zu unserem Hotel, wo die Koffer zunächst untergebracht werden.

Nach einer kurzen Ruhepause zieht es mich noch einmal zum Hafen. Ein letzter Blick auf die Ocean Albatros, die majestätisch vor dem Konzerthaus Harpa liegt. Das architektonisch beeindruckende Gebäude mit seiner charakteristischen Glasfassade lädt zu einer kurzen Besichtigung ein.

Von dort aus führt mein Weg durch die lebendigen Straßen Reykjaviks zur Hallgrímskirkja, dem markanten Wahrzeichen der Stadt. Die lutherische Kirche mit ihrer an Basaltsäulen erinnernden Architektur beeindruckt nicht nur von außen - der Aufzug zur Turmspitze belohnt mit einem atemberaubenden Panoramablick über die isländische Hauptstadt.

Auf dem Rückweg zum Hotel zeigt sich Reykjavik von seiner farbenfrohsten Seite. Bunte Hausfassaden säumen die Straßen, und besonders die Rainbow Street mit ihrem leuchtenden Regenbogenmuster im Pflaster fängt den spielerischen Charakter der Stadt perfekt ein. Ein entspannter Bummel durch die Geschäfte rundet diesen ersten Tag in Reykjavik ab - ein sanfter Übergang von der arktischen Expedition zurück in den urbanen Alltag.

Tag 13: Heimreise und Fazit (11. September 2025)

Der letzte Morgen in Island beginnt sehr früh – um 4:00 Uhr verlasse ich das zentral gelegene Hotel in Reykjaviks Innenstadt. Die Stadt schläft noch, als ich mich auf den Weg zum Flughafen Keflavik mache. Bereits kurz vor fünf erreiche ich das Terminal. Check-in und Sicherheitskontrolle verlaufen reibungslos, sodass noch Zeit für ein typisch skandinavisches Frühstück bleibt – Kaffee und Zimtschnecke versüßen das Warten aufs Boarding. Der Flug nach Hamburg verläuft planmäßig, und mit dem Erreichen des eigenen Zuhauses beginnt das große Sortieren der Erinnerungen.

Was als Reise begann, wurde zu einem Abenteuer, das all meine Erwartungen übertraf. Südgrönland zeigte sich von seiner spektakulärsten Seite: majestätische Fjorde, die lebendige Kultur der Inuit in den kleinen Siedlungen und unberührte Landschaften. Die Begegnungen mit der maritimen Tierwelt bleiben unvergesslich.

Die Ocean Albatros erwies sich dabei als perfekte Plattform für diese Expedition. Ihre speziellen Einrichtungen, wie die ausfahrbaren Aussichtsplattformen, ermöglichten unvergessliche Naturbeobachtungen. Die professionelle Navigation durch Kapitän Johan und seine Crew durch die Fjorde gab uns stets ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Besonders die Deck-Crew verdient ein großes Lob - ihre helfenden Hände beim Ein- und Aussteigen aus den Zodiacs, ihre Umsicht bei jedem Wetter und ihre stets freundliche Art machten jede Anlandung zu einem reibungslosen Erlebnis.

Das Expeditionsteam begeisterte durch profundes Wissen, Enthusiasmus und die Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Bei jeder Anlandung und Zodiac-Fahrt fühlten wir uns bestens betreut - ob bei der sicheren Navigation durch die Fjorde, den spannenden Wanderungen an Land oder den informativen Erläuterungen zur Geologie, Flora und Geschichte Südgrönlands. Ihre Begeisterung für diese besondere Region war in jedem Moment spürbar und übertrug sich auf uns alle.

Die herzliche Gastfreundschaft des Hotelteams, der ausgezeichnete Service und die kulinarischen Highlights machten das Leben an Bord zu einem wahren Vergnügen.

Die Natur beschenkte uns mit perfekten Bedingungen: von spektakulären Nordlichtern – die dem Namen "Aurora Explorer" alle Ehre machten – bis hin zu den Finnwalen, die uns zum Abschied begleiteten.

Diese Reise war mehr als eine touristische Expedition – sie war eine Begegnung mit einer der letzten wahren Wildnisse unserer Erde, ein Eintauchen in die Kultur der Inuit und ein Erlebnis, das noch lange nachwirken wird.

Inuulluarit, Grönland – Auf Wiedersehen!

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