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Expeditionstagebuch: Aurora Explorer - Grönlands Nordlichter und Fjorde entdecken - Teil 1

Die Expeditionskreuzfahrt "Aurora Explorer" führte unseren Kollegen Christian Hoppe vom 30. August bis 11. September 2025 durch die faszinierendsten Regionen Grönlands. An Bord der Ocean Albatros, einem der modernsten Expeditionsschiffe, erkundete er auf dieser 12-tägigen Reise die spektakulären Fjorde der größten Insel der Welt. Von traditionellen Inuit-Siedlungen bis zu gewaltigen Gletschern - diese Route versprach und erfüllte einzigartige Naturerlebnisse und kulturelle Begegnungen. In seinem Reisebericht teilt er seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse dieser unvergesslichen Expedition. Dies ist Teil 1 seines Reiseberichts.

Tag 1: Ankunft in Kangerlussuaq (30. August 2025)

Der erste Tag meiner Grönland-Expeditionskreuzfahrt beginnt früh - sehr früh. Um drei Uhr morgens klingelt der Wecker in meinem Flughafenhotel in Kopenhagen. Die Müdigkeit verfliegt jedoch schnell, als ich beim Check-in um 4:30 Uhr eine freudige Überraschung erlebe: Ab, ein alter Bekannter aus meiner ersten Antarktis-Expedition, ist Teil des Expeditionsteams von Albatros Expeditions. Der erfahrene Holländer wird uns als Vogelexperte und Zodiacfahrer durch die arktischen Gewässer begleiten.

Trotz einer 50-minütigen Startverspätung in Kopenhagen landen wir pünktlich kurz nach 9:00 Uhr in Kangerlussuaq. Der ehemalige US-Militärflughafen "Bluie West-8" dient heute als wichtigstes Drehkreuz für den internationalen Flugverkehr nach Grönland.

Nach der frühmorgendlichen Ankunft in Kangerlussuaq beginnt das eigentliche Abenteuer mit einem Ausflug zum Rentier-Gletscher. Unsere Fahrzeuge sind beeindruckend: Zu Reisebussen umgebaute Lastwagen mit extra breiten Reifen, die speziell für die Herausforderungen der längsten Straße Grönlands konzipiert sind. Die Fahrt führt durch eine überraschend kontrastreiche Landschaft - eigentlich eine arktische Wüste, die sich heute jedoch durch die starken Regenfälle der letzten Tage in eine schlammige, aber nicht weniger faszinierende Szenerie verwandelt hat.

Unterwegs haben wir das Glück, einige der charakteristischen Bewohner dieser kargen Region zu erspähen: In der Ferne grasen Rentiere und die mächtigen Moschusochsen - ein erster Eindruck der wilden Fauna Grönlands. Am Lake Ferguson angekommen, erwartet uns ein rustikales BBQ mit lokalen Spezialitäten. Besonders die Moschusochsenwurst und verschiedene andere Fleischspezialitäten, begleitet von frischen Salaten, bieten einen schmackhaften Einblick in die grönländische Küche.

Die Einschiffung auf die Ocean Albatros gestaltet sich als kleines Abenteuer für sich: Von einer kleinen Pier aus geht es per Zodiac-Schlauchboot zum Schiff, da der Fjord zu flach für eine direkte Anlandung ist. Der erste Eindruck von der Ocean Albatros ist beeindruckend - ein modernes Expeditionsschiff, das skandinavisches Design mit höchstem Komfort verbindet.

Meine Superior Balcony Stateroom auf Deck 4 präsentiert sich als großzügiger Rückzugsort von etwa 24 Quadratmetern. Die Kabine besticht durch ihre durchdachte Ausstattung: Ein komfortables Doppelbett, eine gemütliche Sitzecke mit Tisch und Stuhl sowie ein eigener Balkon bieten allen erdenklichen Komfort. Die praktische Einrichtung mit Safebox, Fernseher, Kühlschrank und zahlreichen Stromanschlüssen lässt keine Wünsche offen. Besonders die hochwertigen Annehmlichkeiten wie Bademäntel, Hausschuhe und Premium-Pflegeartikel unterstreichen den gehobenen Standard.

Am Abend lernen wir bei der Vorstellung des Expeditionsteams unsere Begleiter für die kommenden Tage kennen. Das erste Abendessen wird als reichhaltiges Buffet serviert - eine willkommene Lösung nach dem ereignisreichen Anreisetag. In den kommenden Tagen werden wir mit servierten Menüs verwöhnt werden.

Während wir durch den 160 Kilometer langen Kangerlussuaq-Fjord gleiten, offenbart sich die raue, ursprüngliche Schönheit Grönlands. Besonders eindrucksvoll gestaltet sich das Naturschauspiel durch die dramatische Beleuchtung: Immer wieder brechen Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke und tauchen die Fjordlandschaft in ein faszinierendes Licht. Es ist der perfekte Auftakt für eine Expedition, die noch viele weitere Höhepunkte verspricht

Tag 2: Kangaamiut & Evighedsfjorden (31. August 2025)

Der zweite Tag unserer Expedition beginnt verhangen und regnerisch im Evighedsfjorden, dem "Ewigkeitsfjord". Doch bevor wir in die grandiose Landschaft aufbrechen können, stehen am Morgen nach dem Frühstück zunächst die obligatorischen Sicherheitsbriefings auf dem Programm. Diese sind elementar für unsere Expedition: Die AECO-Verhaltensregeln für verantwortungsvollen Tourismus in der Arktis, Sicherheitsmaßnahmen bei möglichen Eisbärenbegegnungen und eine gründliche Einweisung in das Ein- und Aussteigen der Zodiacs - unserer flexiblen "Taxis" für die kommenden Tage.

Die anschließende Zodiac-Cruise im Evighedsfjord offenbart uns die majestätische Pracht des Sermitsiaq-Gletschers. Dieser beeindruckende Gletscher, der sich vom grönländischen Inlandeis speist, ist einer der aktivsten in der Region. Eine Stunde lang gleiten wir in sicherem Abstand entlang der bis zu 80 Meter hohen Gletscherfront. Das uralte Eis schimmert in verschiedensten Blautönen - von kristallklar bis zu einem tiefen Türkis. Immer wieder sind Kalbungsereignisse zu hören, wenn sich große Eisblöcke mit donnerähnlichem Krachen vom Gletscher lösen und ins Wasser stürzen. Die gewaltigen Berge, die den Fjord einrahmen, verstärken den Eindruck der überwältigenden Dimension dieser Landschaft. Unser Expeditionsleiter erklärt, dass der Gletscher, wie viele andere in Grönland, in den letzten Jahrzehnten deutliche Rückzugstendenzen zeigt - ein sichtbares Zeichen des Klimawandels in der Arktis.

Am Nachmittag erreichen wir bei noch immer regnerischem Wetter die Siedlung Kangaamiut. Das Dorf mit seinen etwa 350 Einwohnern präsentiert sich wie aus dem Bilderbuch: Die typischen grönländischen Häuser in ihren charakteristischen Farben - Rot, Blau, Gelb und Grün - schmiegen sich malerisch an den felsigen Hang. Jedes dieser Häuser erzählt seine eigene Geschichte und trägt zur einzigartigen Atmosphäre dieses abgelegenen Ortes bei.

Ein besonderes kulturelles Erlebnis erwartet uns zunächst in der örtlichen Kirche, wo der lokale Chor traditionelle Gesänge präsentiert, deren Klänge den schlichten Kirchenraum mit Leben füllen. Als wir anschließend zum Kulturzentrum gehen, geschieht etwas Magisches - pünktlich zum Beginn der traditionellen Maskentanz-Vorführung hört der Regen auf. Wie eine Inszenierung der Natur selbst klart der Himmel auf, während wir die eindrucksvollen Bewegungen und Rhythmen des uralten grönländischen Maskentanzes bestaunen können. Diese authentische Vorführung gewährt uns einen tiefen Einblick in die kulturellen Traditionen der Region.

Um 18:30 Uhr versammeln wir uns zum Captain's Cocktail, bei dem die gesamte Mannschaft offiziell vorgestellt wird. Die sich anschließende Abendstimmung wird immer eindrucksvoller, als gegen 20:30 Uhr der Himmel in ein faszinierendes Farbenspiel übergeht. Von meinem Kabinenbalkon aus genieße ich nach dem Abendessen gegen 21:30 Uhr einen spektakulären Sonnenuntergang, bei dem sich der Himmel in dramatische Orange- und Rottöne kleidet. Während die Ocean Albatros in Richtung Nuuk gleitet, verspricht dieser malerische Ausklang des Tages weitere spannende Erlebnisse in Grönlands Hauptstadt

Tag 3: Nuuk - Grönlands Hauptstadt (1. September 2025)

Der dritte Tag unserer Expedition beginnt früh - sehr früh. Als ich um kurz vor 6:00 Uhr die Vorhänge meiner Kabine öffne, manövriert die Ocean Albatros gerade in den Hafen von Nuuk. Von meinem Balkon aus beobachte ich, wie unser Schiff neben der größeren Roald Amundsen von Hurtigruten Expeditions festmacht. Die Morgendämmerung hat gerade erst begonnen, der Himmel ist bedeckt, und die Stadt liegt noch im Halbdunkel vor uns.

Die frühmorgendliche Atmosphäre in Nuuk ist geprägt von tiefhängenden Wolken und Nebelschwaden, die sich mystisch um die Hochhäuser der Stadt winden. Im Laufe des Vormittags lichtet sich der Nebel allmählich, und unter der geschlossenen Wolkendecke wird es merklich heller, was der Stadt eine ganz eigene, arktische Atmosphäre verleiht.

Nach dem Frühstück nehme ich den Shuttlebus, der in etwa 10-minütiger Fahrt vom Hafen ins Stadtzentrum führt. Der Ausstiegspunkt liegt zentral und fußläufig zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, insbesondere dem Nationalmuseum, dem ich den Vormittag widme.

Das Grönländische Nationalmuseum erweist sich als faszinierender Ort der Geschichte und Kultur. Besonders beeindruckend ist die Ausstellung der Qilakitsoq-Mumien, die um 1475 außerhalb der Siedlung Qilakitsoq nahe Uummannaq bestattet wurden. Die acht gefundenen Personen - sechs Frauen und zwei Jungen - repräsentieren drei Generationen einer Familie. Die Präsentation ist äußerst würdevoll gestaltet. Aus Respekt frage ich beim Personal nach, ob das Fotografieren erlaubt sei, was mir bestätigt wird - ohne Blitz ist dies gestattet. Die Gesichtstatowierungen der fünf älteren Frauen zeugen von Verwandtschaft und sozialem Status, während die jüngste, etwa 20-jährige Frau keine Tätowierungen trägt - möglicherweise war sie unverheiratet oder kinderlos.

Faszinierend ist auch die Ausstellung "Mapping Nunaat", die sich kritisch mit der kartografischen Geschichte Grönlands auseinandersetzt. Sie zeigt eindrucksvoll, wie westliche Kartografie kolonialen Ambitionen diente, während die Inuit-Gemeinschaften längst ihr eigenes reichhaltiges geografisches Wissen entwickelt hatten, basierend auf mündlichen Überlieferungen und tiefem Umweltverständnis.

Ein weiteres Highlight ist der ausgestellte Umiaq, ein beeindruckendes 11 Meter langes Boot aus dem späten 15. Jahrhundert. Gefertigt aus Treibholz und mit Seehundfell bespannt, erzählt es die Geschichte der Mobilität in der arktischen Region. Die Konstruktionsdetails - von Elfenbeineinlagen zum Schutz vor Ruderabnutzung bis hin zu Walfischbarten als Bindematerial - zeugen von höchster handwerklicher Kunst und perfekter Anpassung an die arktischen Bedingungen.

Von Legenden und Rolltreppen: Nuuk entdecken

Um 12:45 Uhr steige ich in den Shuttlebus für die anstehende Stadtführung. Unser Guide Sikki, ein junger Grönländer mit Inuit-Wurzeln, versteht es, die Geschichte seiner Stadt mit einer perfekten Mischung aus Humor und Fachwissen zu vermitteln.

Die Tour beginnt am zentralen Treffpunkt mit einer bemerkenswerten Skulptur, die an die Arctic Winter Games 2016 erinnert. Unser Guide erklärt, dass diese Spiele sich fundamental von klassischen Sportwettkämpfen unterscheiden - hier steht die Zusammenarbeit der Teilnehmer im Vordergrund, nicht der Wettkampf. Direkt gegenüber beeindruckt das Katuaq, das Kulturzentrum Nuuks, mit seiner wellenförmigen Architektur, die von den Nordlichtern und den traditionellen Inuit-Lichtspielen inspiriert wurde.

Mit einem Schmunzeln führt uns unser Guide zum Nuuk Center, das einen besonderen Meilenstein in der Geschichte Grönlands markiert: Hier wurde die erste Rolltreppe des Landes installiert - wie er augenzwinkernd bemerkt, eine regelrechte Sensation für die Bevölkerung. Gegenüber steht das Inatsisartut, das grönländische Parlament (grönländisch für "die Gesetzgeber"), ein überraschend bescheidenes Gebäude, das sich harmonisch in das Stadtbild einfügt. Das 1979 mit der Einführung der Hjemmestyre entstandene Parlament ist der Nachfolger des historischen Grønlands Landsråd.

Davor befindet sich die eindrucksvolle Statue des Kaassassuk. Die Geschichte dieses mythologischen Helden der Inuit-Kultur ist besonders bewegend: Als vernachlässigtes Waisenkind wurde Kaassassuk von seinem Dorf verstoßen und verspottet. Durch die Hilfe des Geistes der Kraft entwickelte er übermenschliche Stärke und wurde zu einem mächtigen Mann. Statt sich zu rächen, nutzte er seine Kraft zum Schutz seines Volkes - eine Geschichte über Transformation, Resilienz und die Macht der Vergebung, die tief in der grönländischen Kultur verwurzelt ist.

Unser Weg führt weiter in den historischen Kern Nuuks. Die Erlöserkirche können wir aufgrund einer Trauerfeier zwar nicht von innen besichtigen, aber ihre Geschichte als ältestes noch bestehendes Gebäude Grönlands ist nicht weniger interessant. Im historischen Viertel erreichen wir das ehemalige Wohnhaus von Hans Egede, dem "Apostel Grönlands", dessen überlebensgroße Statue von einem Hügel über der Stadt wacht - eine historische Persönlichkeit, die in der heutigen Zeit durchaus kritisch diskutiert wird. Interessant ist der Kontrast zum gegenüberliegenden Wohnhaus des grönländischen Premierministers - bescheiden und nur mit einer einzelnen Überwachungskamera gesichert, ein deutliches Zeichen für das große Vertrauen in der grönländischen Gesellschaft.

Die offizielle Tour führt weiter zum Museum, wo sich unsere Gruppe teilt. Diejenigen, die das Museum noch nicht besucht haben, folgen unserem Guide für eine Führung durch die Ausstellung. Für uns andere hat Sikki einen besonderen Tipp: das Café Kunguak gegenüber dem Museum, das den "besten Burger der Stadt" serviert - ein Rentierburger, der diesen Titel absolut verdient.

Von der Hans-Egede-Statue aus genieße ich noch einmal den Panoramablick über die Stadt. Trotz der Aufhellung hängen die Wolken noch immer malerisch an den Berghängen um Nuuk. Im Nuuk Center erkunde ich anschließend das lokale Warenangebot. Die Geschäfte bieten eine interessante Mischung aus traditionellem Kunsthandwerk und modernen Produkten - von Mützen und Handschuhen aus der wärmsten Wolle der Welt (Moschusochsenwolle) bis hin zu faszinierender Glaskunst und traditionellen Tupilaks, den mystischen Schnitzfiguren der Inuit-Kultur.

Das persönliche Highlight des Tages bleibt jedoch der Vormittagsbesuch im Museum, besonders die tiefgehenden Einblicke in die Geschichte und Kultur der Inuit. Die Kombination aus den historischen Exponaten und den lebendigen Erläuterungen unseres Stadtführers am Nachmittag vermittelt ein umfassendes Bild der faszinierenden Geschichte Nuuks und seiner Bewohner.

Abendlicher Recap und Hoffnung auf Nordlichter

Um 18:45 Uhr versammeln wir uns ein letztes Mal für heute im Vortragsraum. Expeditionsleiter Marc gibt einen Ausblick auf den morgigen Seetag, der alles andere als langweilig werden soll - wir werden nach Walen und Seevögeln Ausschau halten. Für die heutige Nacht kündigt er mögliche Nordlichter an - die Sonnenaktivität verspricht gute Chancen, wenn nur die Wolkendecke mitspielt.

Es folgt ein kurzweiliges Programm: Ria bringt uns in einem Mini-Sprachkurs die ersten grönländischen Worte bei - eine echte Herausforderung für unsere Zungen. Jens taucht tief in die Physik der Eisfarben ein und erklärt, wie Lichtspektrum und Kompression zusammenspielen. Anne gibt uns spannende Einblicke in ihre Arbeit im grönländischen Umweltministerium. Den Abschluss macht Emil mit einer faszinierenden Präsentation über Raben - ihre erstaunliche Intelligenz und ihre tiefe Bedeutung in der grönländischen und nordischen Mythologie.

Nach dem Abendessen ziehen wir uns in die Kabinen zurück. Der Himmel ist leider auch um kurz nach 22 Uhr noch dicht bewölkt - ein Nordlicht-Weckruf scheint heute eher unwahrscheinlich.

Tag 4: Auf See - Richtung Südwestgrönland (2. September 2025)

Nach einem ereignisreichen Tag in Nuuk bleibt es in der Nacht ruhig - keine Durchsage zu Nordlichtern unterbricht unseren Schlaf. Aber wie so oft auf Expeditionsreisen ist Geduld der Schlüssel zum Erfolg, und die Chance auf das magische Himmelsschauspiel besteht in den kommenden Nächten.

Der vierte Tag unserer Expedition beginnt mit einem besonderen Naturschauspiel. Trotz des frühen Morgens zieht es mich nach der Dusche und zwei Stunden vor dem Frühstück um 8:30 Uhr direkt in die Knud Rasmussen Observation Lounge auf Deck 8. Das Timing könnte nicht besser sein: An Backbord zeigt sich gerade der Sonnenaufgang in seiner ganzen Pracht. Für einen magischen Moment durchbricht die Sonne die Wolkendecke von unten, taucht den Horizont in ein spektakuläres Farbenspiel und lässt das Meer in goldenen Tönen schimmern.

Der Seetag ist gefüllt mit interessanten Vorträgen und Aktivitäten. Den Anfang macht Ria, die auf der Diskoinsel in Qeqertarsuaq aufgewachsen ist. Ihr persönlicher Einblick in das Leben in Grönland ist besonders wertvoll. Sie erzählt nicht nur von grundlegenden Fakten über ihr Heimatland, sondern gibt uns auch tiefe Einblicke in die grönländische Kultur, traditionelle Kleidung und die besonderen Herausforderungen des Aufwachsens in Grönland - wie etwa die Notwendigkeit, für eine weiterführende Schulbildung oder ein Studium den Heimatort für mehrere Jahre verlassen zu müssen.

Im Anschluss nimmt uns Bordfotograf Daniel Höhne mit auf eine inspirierende Reise durch die Naturfotografie. Statt sich in technischen Details zu verlieren, präsentiert er anhand beeindruckender Bilder seiner Reisen zehn persönliche Gründe für die Naturfotografie: von der Schönheit der Natur über die Herausforderungen und Entspannung bis hin zum Geschichtenerzählen, der Dokumentation und dem Schutz verletzlicher Naturräume. Besonders eindrücklich macht er deutlich, wie Fotografie uns hilft, neue Aspekte zu entdecken und eine tiefere Verbindung zur Natur aufzubauen.

Nach dem Kayak-Sicherheitsbriefing mit Daria folgt einer der Höhepunkte des Tages: die Brückenbesichtigung. Kapitän Johan Bernekorn, ein junger Schwede, empfängt uns herzlich und nimmt sich viel Zeit, uns die nautischen Instrumente zu erklären. Besonders faszinierend ist die elektronische Eiskarte, auf der der Kapitän bereits einen größeren Eisberg ausmacht, den wir erst zwei Stunden später passieren werden. Mit großer Geduld erklärt er uns die verschiedenen Navigationssysteme, von modernster Elektronik bis zu den nach wie vor wichtigen Papierkarten als Backup.

Nach dem Mittagessen im Jens Munk Restaurant auf Deck 5 begebe ich mich zur "Wildlife Watch" mit dem Expeditionsteam auf die Außendecks. Während wir einige Seevögel beobachten können, bleiben die Wale vorerst unsichtbar. Den Abschluss des Nachmittags bildet Sannes faszinierender Vortrag "The Arctic Ocean & Us: From Plankton to Megafauna", der uns die komplexen Zusammenhänge des arktischen Ökosystems näherbringt.

Tag 5: Qassiarsuk und Igaliku - Auf den Spuren der nordischen Siedler (3. September 2025)

Der Tag beginnt früh - sehr früh. Um 4:30 Uhr ertönt Marcs Stimme über die Bordlautsprecher: Nordlichter! Noch etwas verschlafen taste ich mich auf das Außendeck. Zunächst ist es schwierig, die Aurora Borealis von den Wolken zu unterscheiden, doch die Kamera enthüllt das magische Schauspiel in seiner ganzen Pracht. Nach etwa 45 Minuten macht die zunehmende Helligkeit des anbrechenden Tages und eine sich verdichtende Wolkendecke dem Naturspektakel ein Ende - aber welch ein Start in den Tag!

Nach dem Frühstück bringt uns das Zodiac durch den majestätischen Tunulliarfik Fjord nach Qassiarsuk. Am Landungspunkt gibt Expeditionsleiter Marc uns eine kurze Orientierung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und der Rückkehrzeit.

Unser lokaler Guide Bent, der seinen Sommer zwischen MBA-Studium in Nuuk und der Vermittlung der reichen Geschichte seiner Heimat teilt, empfängt uns am Ufer. Mit bemerkenswertem Wissen führt er uns durch das UNESCO-Weltkulturerbe und lässt die Geschichte der ersten europäischen Siedler Amerikas lebendig werden.

Besonders beeindruckend ist die rekonstruierte Þjóðhildarkirkja, die erste christliche Kirche auf amerikanischem Boden. Erik der Rote baute sie für seine Frau Thjodhild - wenn auch widerwillig, da er selbst den alten nordischen Göttern treu blieb. Die originalgetreue Rekonstruktion vermittelt einen authentischen Eindruck von der bescheidenen Größe dieses historischen Gotteshauses.

Die imposante Statue von Leif Eriksson, Erik des Roten Sohn, überblickt heute das Tal, das sein Vater einst so geschickt vermarktete. Das "Grünland" macht seinem Namen hier im südlichen Teil tatsächlich alle Ehre - die Region liegt auf etwa 60° nördlicher Breite, vergleichbar mit Nordschottland oder Südskandinavien. Das milde, stabile Klima mit seinen warmen Sommern und vergleichsweise milden Wintern ermöglicht hier eine Vegetation, die Erik des Roten Namensgebung nachvollziehbar macht. Von der Anhöhe bietet sich ein spektakulärer Blick über den Fjord, wo unsere Ocean Albatros vor der dramatischen Kulisse der Berge ankert.

Nach einem Besuch im kleinen Dorfladen und dem gemütlichen Café, wo ich einige Souvenirs erstehe, geht es zurück zum Schiff.

Igaliku - UNESCO-Weltkulturerbe Bischofssitz Garðar

Am frühen Nachmittag erreichen wir Itilleq. Von hier aus startet unsere Wanderung nach Igaliku, dem ehemaligen Garðar. Der etwa 3,8 Kilometer lange Weg führt über einen Hügelkamm und bietet spektakuläre Ausblicke in beide Richtungen - sowohl zurück zur Anlandestelle als auch voraus nach Igaliku. Gerade von diesen erhöhten Aussichtspunkten wird deutlich, warum Erik der Rotes Namensgebung "Grönland" keine reine Marketingstrategie war: Südgrönland präsentiert sich in einem satten Grün, das sich zwischen den Fjorden und Bergen erstreckt. Die Weite der Landschaft und die absolute Stille, nur unterbrochen vom sanften Wind, sind überwältigend. Das Wetter wird zusehends besser, und als wir Igaliku erreichen, empfängt uns strahlender Sonnenschein.

Die Wanderung selbst ist ein Erlebnis: Wir passieren eine Schaffarm, beobachten Pferde auf den saftigen Wiesen und haben das Glück, auf dem Rückweg zwei majestätische Adler zu sichten.

In Igaliku, wo gerade einmal elf Menschen das ganze Jahr über leben, werden wir von Arnajaraa Bibi Bjerge empfangen. Sie ist nicht nur Guide, sondern auch Lehrerin und Bäuerin - ein eindrucksvolles Beispiel für die Vielseitigkeit, die das Leben in einer so kleinen Gemeinschaft erfordert. Die Häuser im Ort, deutlich zahlreicher als die ständigen Bewohner, werden im Sommer als Ferienhäuser genutzt.

Der ehemalige Bischofssitz Garðar, heute UNESCO-Weltkulturerbe, zeugt von der einstigen Bedeutung dieses Ortes. Ab 1124 war hier das religiöse und rechtliche Zentrum des nordischen Grönlands. Die Überreste der Anlage sind spannend anzusehen: von der Kathedrale über Stallungen für 100 Rinder bis hin zu einem ausgeklügelten Bewässerungssystem. Ein Gedenkstein markiert das Grab eines der letzten Bischöfe, der zwischen Mitte des 13. und Ende des 14. Jahrhunderts hier bestattet wurde - bei ihm fand man einen Bischofsstab aus Walross-Elfenbein und einen goldenen Bischofsring.

Der Rückweg nach Itilleq führt uns wieder über den malerischen Hügelkamm, während die tiefstehende Sonne die Landschaft in warmes Licht taucht. Auf der kurzen Zodiac-Fahrt zurück zum Schiff passieren wir einen kleinen, im flachen Wasser gestrandeten Eisberg - kaum fünf Meter breit und einen Meter aus dem Wasser ragend, aber dennoch ein fotogener Vorbote der Eislandschaften, die uns noch erwarten.

Nach dem Abendessen lockt uns die spektakuläre Lichtstimmung auf das Außendeck vor der Explorer Lounge auf Deck 8. Hier, am Bug des Schiffes, genießen wir den Sonnenuntergang, der den Skovfjord in ein faszinierendes Farbenspiel aus Gold und Rosa taucht.

Beim anschließenden Recap lässt Expeditionsleiter Marc den ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren und gibt einen spannenden Ausblick auf morgen: Am Vormittag werden wir den kleinen Ort Aappilattoq besuchen, bevor am Nachmittag die Passage durch den engen und malerischen Prins Christian Sund ansteht.

Tag 6: Aappilattoq und Prins Christian Sund (4. September 2025)

Manchmal lohnt es sich, den Wecker besonders früh zu stellen. Kurz nach 6:00 Uhr stehe ich in der Observation Lounge auf Deck 8 und werde mit einer spektakulären Lichtstimmung belohnt. Als die Sonne über die Berggipfel klettert, taucht sie die Felswände der engen Fjorde in ein magisches Alpenglühen - ein verheißungsvoller Start in einen Tag, der uns zu einem der abgelegensten Orte Grönlands führen wird.

Gegen 9:00 Uhr erreichen wir bei strahlendem Sonnenschein die Region um Aappilattoq. Der Wind hat allerdings deutlich aufgefrischt, und unser Kapitän beweist sein seemännisches Können: Statt der ursprünglich geplanten Position sucht er einen besser geschützten Ankerplatz, um uns eine sichere Zodiac-Anlandung zu ermöglichen.

Mit einem der ersten Zodiacs geht es zum Dorf, dessen Name "rot" bedeutet - benannt nach den charakteristischen Granitfelsen, die sich über den bunten Häusern erheben. Ich habe mich für die "Active Group" eingetragen, doch bevor wir zur anspruchsvollen Wanderung aufbrechen, erwartet uns in der kleinen Dorfkirche ein besonderes kulturelles Highlight: Der sechsköpfige Chor von Aappilattoq, bekannt in ganz Grönland, präsentiert uns vier Lieder. Als krönender Abschluss erklingt eine grönländische Version von "Amazing Grace" - ein bewegender Moment in dieser kleinen Kirche am Ende der Welt.

Auf dem Weg zum Einstieg unserer Wanderung passieren wir den Fußballplatz des Ortes - ein schlichter Sandplatz mit zwei Toren, der zeigt, dass auch hier, in einem der abgelegensten Orte Grönlands, der Weltfußball seine Spuren hinterlassen hat.

Der folgende Aufstieg hat es in sich. Steil führt der Weg nach oben, doch bereits während des Aufstiegs werden wir mit spektakulären Ausblicken über die Fjordlandschaft belohnt. Ein besonderer Moment ereignet sich, als wir in der Ferne einen Wal im Fjord erspähen. Von unserem erhöhten Standpunkt können wir auch die ursprünglich geplante Ankerposition erkennen - die Entscheidung des Kapitäns für den geschützteren Platz erscheint von hier oben noch nachvollziehbarer.

Passage durch den Prins Christian Sund

Am frühen Nachmittag beginnt eines der Highlights unserer Reise: die Passage durch den Prins Christian Sund, oder wie er auf Grönländisch so treffend heißt: Ikerasassuaq - "Die große Wasserstraße". Bei strahlendem Sonnenschein gleitet die Ocean Albatros durch diese beeindruckende, 60 Kilometer lange natürliche Wasserstraße, die die Labrador- und Irmingersee verbindet.

Die Fahrt durch den Sund ist ein überwältigendes Naturerlebnis. Zu beiden Seiten erheben sich majestätische Berge direkt aus dem Wasser, ihre Gipfel ragen über 1000 Meter in den blauen Himmel. Gletscher, die von der gewaltigen Eiskappe Grönlands gespeist werden, schieben sich auf der Nordseite bis ans Wasser heran. Auf der Südseite funkeln kleinere Gebirgsgletscher in saphirblauer Färbung über den steilen Felswänden. Immer wieder donnern kleine Wasserfälle die Felswände hinab, gespeist vom schmelzenden Eis der Hochebenen.

Die starken Gezeitenströmungen halten den Sund das ganze Jahr über eisfrei, dennoch treiben vereinzelt Eisberge durch das spiegelglatte Wasser, ihre bizarren Formen verstärken die surreale Schönheit dieser Landschaft. Das Expeditionsteam ist mit uns an Deck und weist auf besondere geologische Formationen und Gletscherstrukturen hin, aber oft stehen wir einfach schweigend da, überwältigt von der Dimension dieser Landschaft.

Das Expeditionsteam ist mit uns an Deck und weist auf besondere geologische Formationen und Gletscherstrukturen hin, aber oft stehen wir einfach schweigend da, überwältigt von der Dimension dieser Landschaft. Bei der Ausfahrt aus dem Sund empfängt uns eine Gruppe von Eisbergen - zwar nicht von gewaltiger Größe, aber ihre skulpturalen Formen im Zusammenspiel mit der dramatischen Bergkulisse sind dennoch beeindruckend.

Als wir am späten Nachmittag den Sund verlassen, kommt plötzlich Bewegung in die Gruppe der Naturbeobachter an Deck: Orcas wurden gesichtet! Das Schiff stoppt, und gespannt halten wir nach dem charakteristischen Blas Ausschau. Wenig später folgt eine weitere Durchsage - was zunächst für Orcas gehalten wurde, entpuppt sich als Buckelwal. Ich habe Glück: Nicht nur seinen Blas kann ich beobachten, sondern auch seine majestätische Fluke beim Abtauchen fotografisch festhalten. Auch wenn die Aufnahme aus der Entfernung gemacht ist - es ist meine erste dokumentierte Walbeobachtung in Grönland!

Beim abendlichen Briefing um 18:45 Uhr ist die Begeisterung über diesen ereignisreichen Tag noch deutlich zu spüren. Expeditionsleiter Marc gibt uns einen Ausblick auf den morgigen Tag, während wir alle noch unter dem Eindruck dieser magischen Passage durch eine der spektakulärsten Wasserstraßen der Welt stehen.

Während des Abendessens bietet die Küste Südostgrönlands eine letzte Überraschung: Die untergehende Sonne taucht den Himmel in so spektakuläre Farben, dass ich kurz den Tisch verlassen muss, um diesen Moment fotografisch festzuhalten. Auch nach dem Essen zieht es mich noch einmal auf das Außendeck, wo ich den Tag mit diesem grandiosen Naturschauspiel ausklingen lasse - ein würdiger Abschluss für einen Tag, der von der ersten Morgendämmerung bis zum letzten Sonnenstrahl pure arktische Magie war.

Was Christian in Südostgrönland erlebt, lesen Sie in Kürze in Teil 2 seines Expeditionstagebuchs.

Möchten auch Sie Grönlands spektakuläre Fjorde, majestätische Gletscher und authentische Inuit-Kultur erleben? Das Team von Eisexpeditionen.de berät Sie gerne zu Expeditionskreuzfahrten mit der Ocean Albatros und anderen modernen Expeditionsschiffen. Entdecken Sie die faszinierende Vielfalt der größten Insel der Welt.

Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!
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