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Expedition um Nordauslandet mit der Le Commandant Charcot (Ein Gastbeitrag von Dennis Hillemann)

Vom 15. bis zum 23. Juni 2022 nutzen meine Ehefrau Kristina Hillemann, die Gründerin von Eisexpeditionen.de, und ich mit weiteren Gästen die Möglichkeit, Spitzbergen und insbesondere Nordauslandet zu erkunden – und zwar an Bord eines ganz besonderen Schiffes: Der Le Commandant Charcot von Ponant. Dieser luxuriöse Eisbrecher hat uns mit seiner grandiosen Technologie an Stellen geführt, die zu dem Zeitpunkt kein anderes Schiff erreichen konnte. Wir sahen riesige Gletscher, bestaunten traumhafte Eislandschaften und waren fasziniert von vielen Begegnungen mit Eisbären – großen wie kleinen. Ein unvergessliches Erlebnis, das ich im heutigen Reisebericht mit Ihnen teilen möchte.

Anreise

Eine schöne Reise beginnt mit einer großartigen Organisation. Natürlich bin ich hier dank meiner Ehefrau Kristina Hillemann stark im Vorteil, da sie wie für ihre Kunden auch für uns alles perfekt organisiert hatte. Aber ich möchte ganz kurz auf die Anreiseerfahrung mit Ponant eingehen. Denn Ponant hat mich beeindruckt. Nach einer Vorübernachtung in einem Airporthotel in Paris trafen wir am 15. Juni morgens um 4.30 Uhr am Terminal 3 des Flughafen Charles de Gaulle in Paris ein, dem Abflugterminal für den Charterflug nach Longyearbyen. Hier wurden wir gleich am Eingang von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ponant begrüßt. Sie begleiteten den gesamten Check-in-Prozess. Im Abflugbereich bot Ponant dann sogar früh morgens ein kostenloses Frühstück mit frischen Croissants und Kaffee, Wasser und Orangensaft an. An Bord des Flugzeuges wartete auf uns ein Präsent. So startete die Reise gleich mit einer sehr gästeorientierten Betreuung.

Dann ging es los nach Longyearbyen, den größten Ort und das Verwaltungszentrum der norwegischen Inselgruppe Svalbards. Die Hauptinsel heißt Spitzbergen, der Archipel heißt Svalbard, übersetzt „Die kühle Küste“. Am kleinen Flughafen mussten wir uns um nichts kümmern – Ponant sammelte die Koffer ein und brachte sie direkt auf das Schiff. Eine kurze Bustour zum Hafen, dann ging es mit dem Tender auf die wunderschöne Le Commandant Charcot.

Schiff

Über das Schiff werde ich in einem gesonderten Blogbeitrag berichten – unsere Begeisterung für die Ausstattung, den Service und die Crew würden sonst den Umfang des Beitrags sprengen. Nur so viel: Das jüngste Schiff der Ponant-Flotte ist ein technisches Wunderwerk. Mit der Eisklasse PC2, einem Elektro-Hybrid und LNG-Antrieb und einer innovativen Rumpfkonstruktion kann die Le Commandant Charcot auch tiefes Eis durchbrechen. Luxus und moderne Ausstattung zeichnen das Schiff nach innen aus, mit zwei Restaurants, einem Spa und Wellnessbereich – das alles bei nur 138 Kabinen. Deck 5 ist ein vollständiges Umlaufdeck, auf Deck 6 kann das Helideck besucht werden, und auf Deck 9 gibt es eine wunderschöne Observation Lounge – neben der eigenen Terrasse also viele Möglichkeiten, das Meer und die Natur zu beobachten. Was ich besonders beeindruckend fand: Durch die Größe des Schiffes und die vielen Möglichkeiten, die Natur zu bewundern oder sich verwöhnen zu lassen, fühlte sich das Schiff nie „voll“ an. Die Passagiere verteilten sich. Immer gab es einen Platz, eine gute Sicht, die Möglichkeit, Ruhe zu finden beim Bewundern der Natur. Doch wie gesagt, über das Schiff schreibe ich noch einen gesonderten Beitrag.

Kapitän

Nur noch einige Sätze zum Kapitän: Vom ersten Betreten des Schiffes bis zum Verlassen, der Kapitän Patrick Marchesseau war für die Passagiere stets präsent. Gut gelaunt, mit französischem Charme, Humor und vielen Informationen war er ein sehr nahbarer Kapitän, der bei allen gut ankam. Mir hat das sehr gut gefallen.

Nicht weniger sympathisch und kompetent: Das Expeditionsteam. Ponant hat mich auch hier mit der Zusammenstellung sehr beeindruckt. Das Expeditionsteam ist groß, international bunt gemischt, sympathisch und sehr kompetent. Ich hatte das Gefühl, dass an alles gedacht war und ich nicht nur gut und sicher begleitet werde, sondern auch viele Informationen erhalte. Eine Erwartung, die sich voll erfüllte. Denn die Guides, dies sei vorausgeschickt, sind sehr präsent – nicht nur bei Anlandungen, sondern auch an Deck oder in den Lounges. So ergaben sich viele spontane Gespräche und gemeinsame Beobachtungen.

Leinen los

Dann ging es gleich am Abend des ersten Tages los: Unsere Erkundung von Svalbard und Nordauslandet. Die Route sollte uns in den Nordosten zu einer Umrundung von Nordauslandet und Kvitøya führen, dann zurück durch den Nordwestnationalpark Spitzbergens und von dort aus wieder nach Süden Richtung Longyearbyen. Eine Route voller Eis – und eine Route, die zu dieser Zeit nur die mächtige Le Commandant Charcot meistern konnte.

Nachdem wir am ersten Tag vor allem das Schiff erkundeten und uns im A la carte-Restaurant verwöhnen ließen, konnten wir am zweiten Tag dann die ersten Highlights von Spitzbergen zu Fuß erforschen. Nur kurz zur Einordnung: Die Inselgruppe Svalbard liegt im Nordatlantik und Arktischen Ozean. Spitzbergen ist der Name der Hauptinsel. Im deutschen Sprachgebrauch sprechen die meisten jedoch von Spitzbergen, wenn sie den Archipel meinen.
Schon vom ersten Tag an fühlte ich mich gleich wie ein arktischer Entdecker: Spitzbergen empfängt mit endlosen Weiten, den Blick aufs Meer, das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein und doch so viel entdecken zu können, an traumhaften Landschaften wie einem unglaublichen Wildleben.

Bei allem Luxus und Service, mit dem Ponant die Gäste auf der Le Commandant Charcot verwöhnt: Natürlich steht die Natur im Vordergrund. Sie ist die Attraktion, und Ponant konzentriert sich auch darauf. Deswegen sind die Anlandungen und die Zodiac-Exkursionen große Highlights. Darauf legen alle großen Wert. Sie als Gäste entdecken gemeinsam mit der Crew die Natur. Keiner weiß sicher, was sie oder ihn am nächsten Tag erwartet. Das ist die Faszination einer Expeditionskreuzfahrt.

Ytre Norskøya

Der erste Anlaufpunkt für eine Zodiac-Anlandung war Ytre Norskøya. Diese Insel befindet sich an der Nordwestküste von Spitzbergen. Früher gab es hier eine Walfängerstation, die den nördlichsten Außenposten Europas bildete. Heute ist die Insel unbewohnt. Wir konnten bequem mit den Zodiacs anlanden. Die Insel begrüßte uns mit endloser Weite, fernab der Zivilisation, einem Blick in die Ferne und die Möglichkeit, sie zu Fuß zu erkunden. Ich fühlte mich wie befreit von den Lasten des Alltags, hier oben in der Arktis, erklomm mit anderen Reisenden zu Fuß einen Berg und blickte hinaus auf die endlose Weite des Ozeans. Auch die ersten Rentiere konnten wir von hier aus erblicken.

Übrigens konnte ich mit eigenen Augen wieder feststellen, dass auch ältere Passagiere ohne Probleme in die Zodiacs kamen und die Anlandungen mitmachen konnten – vorausgesetzt, sie können aus eigener Kraft aufstehen und laufen. Und bei den Anlandungen entscheidet jeder, wie weit sie oder er wandert. Manche blieben an der Anlandestelle und genossen von hier aus die Natur, andere folgten den mit Fahnen von den zuvor angelandeten Guides abgesteckten Pfaden bis auf die Spitze von Hügeln. Jeder macht es so, wie sie oder er will.

Nordaustlandet & Hinlopenstraße

Doch dann ging es weiter Richtung Osten/Nordosten, und ab dem zweiten Tag stand dann ganz die Erkundung von Nordautlandet (zu Deutsch Nordostland), der zweitgrößten Insel von Svalbard, im Vordergrund. Über 14.000 Quadratkilometer groß ist die Insel, die von der Hauptinsel durch die Hinlopenstraße getrennt ist. Genau hierhin führte unser Weg.

Eis und Gletscher, Ferne und Weite, das Gefühl von Magie lag nun in der Luft, wann immer ich an Deck ging und hinaus auf das Eis oder die Gletscher blickte. Ich liebte dieses Gefühl der Weite und Ferne. Es war zudem so einfach und bequem, zunächst in die Observation Lounge auf Deck 9 zu gehen, einen Kaffee zu trinken, durch die breite Fensterfront die Natur zu genießen – und dann nach draußen zu treten, den Wind zu spüren, die Gletscher zu bestraunen. Und danach? Wieder rein in die Lounge und sich aufwärmen. Herrlich und unbeschwert.

Magische Natur

So langsam setze auch das Gefühl einer freudigen Anspannung ein, denn hier konnte von nun an jederzeit ein Eisbär auftauchen. Denn Nordaustlandet ist das Paradies für Eisbären – und eine Region, in der Eisbärenmütter ihre Kleinen in Höhlen zur Welt bringen und dann mit ihnen beginnen, die Welt zu erkunden.

Das Expeditionsteam organisierte am nächsten Tag zwei Aktivitäten für die Gäste. Eine spektakuläre Anlandung in der Bucht von Nordostland, bei der wir die Gelegenheit bekamen auf die Eiskappe Vestfonna im westlichen Teil von Nordaustlandet zu wandern. Der Gletscher bedeckt eine Fläche von etwa 2.500 m² und ist nach dem Austfonna und dem Olav-V-Land die drittgrößte Eiskappe in Svalbard und Norwegen. Der Blick von oben auf die Bucht, die Eiskappe war unglaublich und wer die Natur aufmerksam verfolgte, konnte sogar eine Rentierherde entdecken.

Alkefjellet

Die zweite Aktivität war eine Zodiac-Fahrt. Sie führte uns nach Alkefjellet. Dabei handelt es sich um einen mehrere Kilometer langen Lummenfelsen auf der Spitzbergen-Seite der Hinlopenstraße, südlich vom Lomfjort. Die Felsen mögen schon beeindruckend sein, aber die wahre Magie liegt hier in der Tierwelt. Entlang der Felsen an den Klüften nisten vielleicht mehr Vögel auf einem Haufen, als Sie je im Leben wieder gleichzeitig sehen werden. Es sind etwa 60.000 Brautpaare von Dickschnabellumen, die hier das Panorama prägen. Sie ziehen entlang der Felsen, sie tummeln sich im Wasser, und ihr Geschnatter erfüllt die Luft. Der Geruch natürlich, das räumen wir ein, auch – aber so ist Natur. Mit dem Zodiac fuhren wir nahe an die Felsen heran, bestaunten das Tierleben und die Vögel, Kameras in der Hand, mit leuchtenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen. Neben den Dickschnabellumen gibt es hier auch andere Vögel, wie etwa Dreizehenmöwen oder Eismöwen. Auch Papageitaucher gibt es hier vereinzelt. Ich mag unsere gefiederten Freunde und war begeistert von dem Naturschauspiel.
Die Vögel nisten hier auf den Felsen, da dieser Schutz bietet, insbesondere vor Eisbären und Polarfüchsen, für die die Eier und der geschlüpfte Nachwuchs ansonsten ein schmackhaftes Mahl bietet. Jeder bekam hier etwas zu Bestaunen.

Hydrophon

Wir hatten dabei auch das Glück, an Bord eines Zodiacs mit Mary zu sein. Mary gehörte dem Expeditionsteam an, stammt aus Brasilien und begeisterte uns alle nicht nur mit ihrem Wissen und ihrer Fröhlichkeit, sondern auch mit ihrer Faszination für den Unterwasserschal. Sie hatte ein Hydrophon mit im Zodiac, also einem Mikrofon, mit dem der Unterwasserschal aufgenommen wird. Wir konnten dank dieses Geräts den Gesang einer Robbe und wohl auch eines Wals hören. Ein einmaliges Erlebnis, mitten auf dem Wasser, über uns um uns herum die Vögel, so saßen wir dort und lauschten den Geräuschen, die sich unter Wasser ergaben. Magie pur. Aber vor allem war es schön zu sehen, wie sehr Mary sich freute. Es sind diese Momente, die zeigen: Für die Guides ist das kein gewöhnlicher Job. Es ist ihre Leidenschaft, das, was wofür ihr Herz schlägt. Herrlich, von solchen Menschen begleitet zu werden.

Eisbären, Eisbären, Eisbären!

Wir fuhren entlang der Gletscher von Nordauslandet Richtung Nordosten, und die ganze Magie der Reise entfaltete sich nun vor meinen Augen. Nun waren wir von Gletschern, Eis und auch noch Wasser umgeben – eine perfekte Lebensumgebung für Eisbären. Das macht Nordauslandet zu dieser Zeit des Jahres aus, eine Region, in der wegen des Eises auf dem Wasser nur wenige Schiffe zu dieser Zeit gelangen können. Genau darin liegt die Stärke des mächtigen Eisbrechers – die Le Commandant Charcot erreicht Orte, die sonst Expeditionsschiffen verborgen bleiben.

Ich hatte noch nie einen Eisbären in freier Wildbahn zu sehen bekommen – geschweige denn so viele, wie sich uns hier nun bieten sollten. An diesem Samstag, dem 18. Juni, ging es sehr früh los. Per Lautsprecherdurchsagen wurde bereits früh morgens gegen 5 Uhr auf den ersten Eisbären hingewiesen. Nichts wie raus.

Stellen Sie sich es so vor: Es ist zunächst Ihre Entscheidung, ob Sie nach draußen gehen oder nicht. Bei uns gab es keine Zweifel: Sofort ging es raus, Fotokamera und Fernglas in der Hand. Und früh morgens an diesem Samstag sollte ich ihn dann sehen: Meinen ersten Eisbären in freier Wildbahn. Was für ein Anblick – doch er war noch ein wenig weit entfernt, auch wenn ich ihn mit dem Fernglas gut sehen konnte. Noch konnte ich nicht ahnen, dass dies erst der Auftakt sein sollte.

Eisbärensichtungen

Wie funktioniert die Eisbärensichtung? Auf der Brücke und auch auf den Außendecks sind es Mitglieder der Crew und vor allem die Expeditionsguides, die ständig mit wachsamen Blick Ausschau halten – und natürlich auch Gäste wie uns, die den Horizont beobachten. Ist ein Eisbär entdeckt worden, gibt es eine Durchsage, vom Kapitän oder von den Expeditionsguides. Es wird darauf hingewiesen, in welcher Richtung sich der Eisbär befindet. Weitere Durchsagen gibt es nicht, denn der Eisbär soll nicht durch Lärm verscheucht werden. Dann nähert sich das Schiff langsam an. Dank des Hybrid-Antriebs der modernen Le Commandant Charcot kann sie nicht nur Eis durchbrechen, sondern auch lautlos fahren. Wer dann an Deck ist, bleibt selbst ruhig und bestaunt nur das Wunder der Natur.

Nach dieser ersten morgendlichen Überraschung ging es nur kurz in die Kabine. Gegen 6 Uhr der nächste Alarm. Ich gebe zu, im ersten Moment dachte ich noch: Schlafen wäre doch auch schön. Aber nein, denn das, was ich jetzt zu sehen bekam, war besser als jeder Schlaf: Eine Eisbärenmama mit ihrem Nachwuchs. Ganz nah am Schiff. Es fällt schwer, die Magie eines solchen Anblicks in Worte zu fassen. Die beiden waren auf dem Eis, das kleine Eisbärenbaby wohl gerade fünf oder sechs Monate alt. Die Größe der Tiere, ihre Schönheit gegen das Panorama des Eises, es ist ein Schauspiel der Natur, das in meinen Augen seinesgleichen sucht. Wie das Kleine sich auf dem Eis bewegte und der Mama folgte? Wie diese neugierig zum Schiff blickte, aber auch immer wieder nach dem Kleinen. Kommst Du bitte? Hier entlang! Es waren Glücksmomente, alles andere war vergessen. Alle, die auf dem Deck waren, waren gefangen von diesem Moment, von der Kraft dieses Augenblicks. Hier, am Ende der Welt, in einer Umgebung, die für den Menschen ohne Ausrüstung und Schiff tödlich ist, gab es so viel Leben, gab es die kindliche Unbekümmertheit des Kleinen und die liebevolle Aufmerksamkeit der Mama.

Es war und ist einer der schönsten Momente meines Lebens gewesen, den ich für immer mit der Reise mit der Le Commandant Charcot in Verbindung bringen werde.
Allein an diesem Tag sollten wir insgesamt sage und schreibe acht Eisbären sehen. Später gab es dann tatsächlich noch eine Eisbärenmama mit zwei Kleinen zu bestaunen. So viele wunderbare Begegnungen dank der Le Commandant Charcot und der erfahrenen Crew, die uns zu den Orten dieser Magie führte – auch in den folgenden Tagen gab es immer wieder Eisbärensichtungen. Jeder Eisbär hat dabei seinen eigenen Charakter, jede Begegnung ist ein eigenes Schauspiel.

Walrosse

Mit dem Zodiac erkundeten wir am Nachmittag Torellnest im Nordosten Svalbards. Eine Anlandung war hier nicht möglich, aber das störte gar nicht. Denn vom Zodiac aus konnten wir eine Gruppe von männlichen Walrossen beobachten, die sich friedlich eng aneinander gedrückt auf einem vereisten Küstenabschnitt ausruhten. Ein wunderschöner Anblick, diese mächtigen, friedlich wirkenden Kolosse beobachten zu können, wie sie dort ganz harmlos unter dem arktischen Himmel lagen. Was für wunderschöne Tiere, die wir so hautnah beobachten konnten. Auch das Hydrophon von Mary kam wieder zur Freude aller zum Einsatz.

Austfonna

Überall ums uns herum war nun Eis zu sehen: Noch gab es auch Wasser, doch es wurde zunehmend weniger – Eis, soweit man blickte, begann das Panorama zu dominieren. Für die Le Commandant Charcot, die auch tiefes Eis brechen kann, allerdings kein Problem. Der Weg führte uns Richtung Austfonna, zu Deutsch Ostgletscher – dem mit 8.120km² flächenmäßig größten Eisgletscher Europas. Was für ein Anblick! Die Gletscher erheben sich in die Höhe und in die Weite. Eine Eiswand, die scheinbar die Zivilisation von der unberührten Natur des Nordens fernhalten will und uns mit ihrer Schönheit und Magie ein atemberaubendes Panorama bietet. Wir kamen ihr nahe mit der Le Commandant Charcot, aber dann sogar noch näher auf einer Zodiac-Tour entlang der wunderschönen Gletscherwand. Dabei konnten wir auch beobachten, wie das Wasser in riesigen Wasserfällen aus den Gletschern sprudelte. Auf diese Weise entstanden unvergessliche Momente.

Der Weg führte uns Richtung Kvitøya, was zu Deutsch so viel wie die „Weiße Insel“ bedeutet. Wir finden sie geographisch in der Barentsee östlich der Insel Nordaustlandet. Sie ist der östlichste Teil von Spitzbergen und Norwegen. Eine Anlandung war hier wegen der Eisbedingungen nicht möglich, aber wir konnten sie vom Schiff aus bewundern und großartige Fotoaufnahmen machen.

Packeis

Am 20. Juni führte uns unsere Route dann hoch in den Norden und von dort aus gen Norden/Nordwesten. Und hier ging es nun ins dichte Meereis. Kaum noch Wasser. Dichtes Eis. Nun kam die faszinierende Technologie der Le Commandant Charcot, ihre große Stärke, voll zum Erblühen: Das Brechen des Eises.

Wir standen an Deck, blickten in die Ferne. Alles weiß, überall Eis. Mit keinem normalen Schiff, auch nicht mit Expeditionsschiffen, gebe es hier ein Durchkommen. Aber für die Le Commandant Charcot ist das kein Problem. Es wirkt eher, als ob das Schiff das Eis sucht, es mit dem Eis spielt, wenn es durch es gleitet. Stundenlang konnte ich hier stehen und diesem Schauspiel zusehen, wie das Eis reißt unter der Le Commandant Charcot. Dabei gleitet sie sanft. Es gibt kein Schaukeln, das seekrank machen würde. Das Gefühl der Expedition ist hier so zum Greifen nahe wie nie zuvor. Keine anderen Schiffe, keine anderen Menschen waren zu sehen, und nur ein Geräusch erfüllte die Luft außerhalb des Schiffes: Das Geräusch, wenn das Eis unter dem mächtigen Rumpf der Le Commandant Charcot bricht. Dieses Geräusch klingt mir beim Schreiben dieser Zeilen immer noch im Ohr und verursacht noch immer Gänsehaut. Wir haben wunderschöne Foto- und Filmaufnahmen von diesem Schauspiel anfertigen können.

Doch wer denkt, dieser Teil der Reise ist dann nur darauf beschränkt, brechendes Eis zu sehen, der irrt. Auch hier trafen wir wieder auf Eisbären. Und inmitten dieses Eises, weit im Norden, am Ende der Welt konnten wir ein einmaliges Schauspiel beobachten: Ein jüngerer Eisbär hatte eine Robbe gefangen und sich daran gütlich getan. Doch ein älterer, größerer Eisbär tauchte auf und der jüngere musste das Feld räumen. Während sich der ältere nun den Resten der Robbe widmete, war der jüngere wegen unseres Schiffes neugierig und kam immer näher. Wo sollte ich zuerst hinschauen? Es war ein unglaubliches Spektakel. Wieder hatte uns die Le Commandant Charcot an einen Ort geführt, den kein anderes Expeditionskreuzfahrtschiff zu diesem Zeitpunkt erreichen konnte, und belohnte uns mit diesem schönen Anblick.

Bordleben

Zeit, kurz durchzuatmen vor dem Abschluss des Reiseberichts mit den letzten Tagen, und dem Bordleben einen kurzen Blick zu widmen – auf Details gehen wir dann in dem gesonderten Blog über die Le Commandant Charcot ein.
Zunächst: Es gibt kein Muss. Alles ist ein „Kann“, ein Angebot an die Gäste – Sie sind zu nichts verpflichtet. Über das geplante Programm werden die Gäste täglich durch eine Übersicht informiert, die auf die Kabine geliefert wird. Zudem gibt es Vorträge und Briefings von der großartigen Expeditionscrew, in Französisch und natürlich auch auf Englisch. Wichtig: Man sollte der englischen Sprache jedenfalls im Verstehen mächtig sein, denn es kann nicht garantiert werden, dass ein deutsch sprechender Guide mit an Bord ist. Französisch muss man aber nicht sprechen: Die Crew und insbesondere das Servicepersonal sprechen gutes Englisch und verstehen dieses auch gut. Ponant lädt sein internationales Publikum gerne auf seine Schiffe ein und kümmert sich ohne Unterschied um es.

Frühstück gibt es ab 7 Uhr bis 10 Uhr, Mittagessen ab 12.30 Uhr. Es gibt auf Deck 9 auch eine Außengrillstation, die ab mittags bis in den Abend besetzt ist. Abendessen gibt es ab 19.30 Uhr in den beiden Restaurants. Und zwischendurch natürlich jede Menge Patisserie, Macarons, Kuchen – und so weiter. Verwöhnung pur. Bei Ponant gibt es ein All-inclusive-Paket mit wunderbarem Essen und Getränken, die inkludiert sind. Wer besondere Getränke möchte, zahlt dazu. Aber die Auswahl an inkludierten Getränken, sowohl nicht-alkoholisch wie auch alkoholisch, ist sehr breit und hochwertig.

Kein Muss

Über den Tag hinweg kann jeder tun und lassen, was sie oder er will. Niemand muss an Vorträgen oder Anlandungen teilnehmen, mit Ausnahme der Briefings, die verpflichtend sind – zum Beispiel die Rettungsübung am ersten Tag. So entsteht eine komplett entspannte Atmosphäre, die auch das internationale Publikum vermittelt. Einen Kleiderwettbewerb gibt es nicht. Mit Ausnahme der beiden Gala-Abende, die mit einer Ansprache des Kapitäns im Theater beginnen, ist die Kleidung leger – nur an diesem Abend wird die feine Abendgarderobe herausgeholt. Zudem gab es auf unserer Reise keine Gruppen oder Menschen, die sich besonders herausstellten oder unangenehm laut feierten. Im Gegenteil – wir kamen mit so vielen Gästen ins Gespräch und freundeten uns mit einem Paar aus den USA an.

Kulinarik

Gibt es denn viel Champagner? Sicher. Wer zwischendurch einen Champagner trinken will, mag das gerne machen. Genauso wird auch Wein zu den Mahlzeiten gereicht. Doch niemand auf der Reise machte mir den Eindruck, dass es ihr oder ihm besonders wichtig war, ständig Champagner oder Alkohol zu konsumieren. Dafür ist die Zeit auch zu schade, denn die Wunder der Natur will niemand verpassen. Die Gäste waren daher für mich entspannt, höflich und auch zurückhaltend. Die ganze Atmosphäre an Bord war sehr angemessen.
Der Service ist natürlich – ebenso wie das Essen – hervorragend. Das Personal ist stets freundlich und gut gelaunt, ansprechbar und präsent. Wir hatten schöne Gespräche mit den Menschen, die für unser leibliches Wohl sorgten. Wenn sie merkten, dass wir Deutsche waren, zauberte sich oft ein Lächeln auf ihr Gesicht und sie überraschten uns mit deutschen Grüßen oder anderen Wörtern. Wer selbst höflich und freundlich ist, wird sich pudelwohl fühlen. So zaubert draußen die Natur ein Lächeln auf unsere Gesichter, und im Schiff das Personal, das Essen und die Getränke. Ponant organisiert auf diese Weise eine perfekte Reise mit unvergesslichen Erlebnissen.

An Bord wird aktuell ein Mund- und Nasenschutz getragen, wenn man sich in dem öffentlichen Bereich bewegt. Das gilt nicht, wenn man sitzt und isst oder trinkt, also insbesondere nicht in Restaurants oder in der Observation Lounge. Überall finden sich Hygienespender. Das Personal trägt auch Masken. Ich habe die Masken überhaupt nicht als störend empfunden.
Wie angekündigt, werden wir weitere Details zum Schiff, den Restaurants, dem Spa und den weiteren Angeboten in einem gesonderten Blogbeitrag vorstellen.

Gen Süden

82 Grad nördliche Breite – so hoch in den Norden ging es für uns dank der Le Commandant Charcot, tief im dichten Eis. Wir waren zu diesem Zeitpunkt wohl die nördlichsten Menschen der Welt. Können Sie sich das bei all den Milliarden Menschen auf der Welt vorstellen, dass Sie mit den wenigen anderen Menschen an Bord gerade die Menschen sind, die am nördlichsten auf Mutter Erde sind? Ich fand den Gedanken faszinierend.

Aus dem Eis heraus ging es dann wieder Richtung Süden, und wir verließen das Eis, um unsere Erkundung Spitzbergens an der Westküste mit südlichem Kurs fortzusetzen. Nun sollten wieder Anlandungen im Fokus stehen. Am Dienstag, den 21.6.2022, erreichten wir zunächst am Vormittag Narreneset – Raudfjorden in der sogenannten „Red Bay“, der Roten Bucht. Der Raudfjord ist ein 20 km langer und 5 km breiter Fjord an der nordwestlichen Küste Spitzbergens. Er hat zwei südliche Arme, den Klinckowströmfjord und den Ayerfjord, die durch die Halbinsel Buchananhalvøya getrennt werden. Den Namen trägt die Bucht wegen ihres rötlichen Gesteines. Bei der Vormittagsanlandung konnten wir einen Hügel ersteigen und einen wunderbaren Blick über die beeindruckende Landschaft haben. Der Anblick war wunderbar: Das Schiff auf dem Wasser, der Fjord, natürlich, unberührt, mit Schnee und Eis bedeckt, eine endlose Weite, die Geschichten von längst vergangenen Tagen erzählen wollte. Wie war das wohl für die Walfänger des 18. Jahrhunderts, hier zu ankern?

Aktivitäten

Noch kurz ein Überblick zu den Aktivitäten, die Ponant auf der Reise neben den Anlandungen und den Zodiac-Fahrten bietet. Für diejenigen, die besonders gerne wandern und sehr abenteuerlustig sind, wird Polar Hiking angeboten. Im Rahmen der Anlandungen können die Gruppen der Polar Hiker lange Wanderungen unternehmen, für die sie körperlich natürlich fit sein müssen.
Daneben gibt es das Angebot des Kajak-Fahrens – das haben wir auch sehr gerne wahrgenommen. Hierbei helfen Vorerfahrungen, aber sie sind nicht zwingend notwendig. Es hat unglaublich Spaß gemacht, auf einem Kajak einen Fjord zu erkunden, die Weite der Landschaft zu genießen und die Natur von dieser Position auf sich wirken zu lassen.

Auch der Polar Plunge wurde angeboten. Hierzu musste man vorher ein EKG seines Hausarztes einholen und mit an Bord haben. Wer also einmal in polare Fluten eintauchen möchte, sollte sich dieses Angebot nicht entgehen lassen.

Smeerenburg

Auch Smeerenburg stand natürlich noch auf dem Programm dieser wunderbaren Reise mit der Le Commandant Charcot. Hierbei handelt es sich um eine aufgegebene Walfangstation auf einer Insel im Nordwesten von Svalbard aus dem 17. Jahrhundert. Die Anlandung hier war in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen konnten wir hier noch Überreste der alten Siedlung finden, unter anderem auch die alten Öfen der Walfänger. Vor allem aber konnten wir hier eine Ansammlung von Walrössern am Strand in Ruhe beobachten, fotografieren und bewundern.

Letzte Höhepunkte

An dem letzten vollen Tag unserer Reise ging es zunächst mit einer Anlandung nach Lilliehöökbreen. Der Lilliehöökbreen ist ein Gletscherkomplex in Albert I Land und Haakon VII Land auf Spitzbergen. Er hat eine Länge von etwa 22 Kilometern. Der Gletscher mündet in den Lilliehöökfjorden, und gekalkte Eisberge können große Teile des vierzehn Kilometer langen Fjords füllen. Fjord und Gletscher begeisterten uns auch hier und boten wunderbare Naturaufnahmen. Schließlich gab es noch eine Anlandung in Tinareybukta – auch hier gab es wunderbare Gletscher zu bestaunen und ein einmaliges Fjordsystem.

Abreise

Irgendwann endet auch die schönste Reise. Und am Ende wollen wir nicht schwelgen, nur so viel: Auch diese war sehr gut von Ponant organisiert. Am Donnerstag, den 23.6., hieß es Abschied nehmen. Crew und Kapitän verabschiedeten uns, und mit einem Charterflug ging es zurück nach Paris.

Es war eine wunderbare Reise mit einem beeindruckenden modernen Schiff. Komfort und Luxus auf der einen Seite, unberührte Natur und Abenteuer auf der anderen – ein perfektes Expeditionserlebnis mit der Le Commandant Charcot und Ponant. Sind Sie neugierig geworden? Dann sprechen Sie das Team von eisexpeditionen.de an und lassen sich beraten. Damit auch Sie so großartige Eindrücke und unvergessliche Momente sammeln können, wie es mir vergönnt war.Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!