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Erik der Rote – Die Entdeckung und Besiedlung Grönlands durch einen verbannten Wikinger

Sein rotes Haar wehte im Wind. Der Blick war fest auf den Horizont gerichtet. Nach Westen, dachte er, immer weiter nach Westen, so viele Tage schon. Die See war rau und stürmisch geworden. Kälte hat die Männer ergriffen. Aber sie trieb sie an. Es gab nur diesen Weg nach Westen für sie, ein Zurück war nicht mehr möglich. Der verbannte Nordmann, der keine Heimat mehr besaß. Nun wollte er das sagenhafte Land im Westen entdecken, die magische grüne Insel, von der einige flüsternd berichtet hatten. Würde es sie wirklich geben? Würde dort ein neues Leben für ihn möglich sein? Oder würde dies die letzte Ruhestätte dieser tapferen Besatzung werden?

Die Wikinger faszinieren uns noch heute. Über sie gibt es viele Filme, Serien und Erzählungen. Sie gelten als furchtlose Krieger, genauso aber auch als sagenhafte Entdecker. Einer der berühmtesten unter ihnen ist Erik der Rote, der mit der Besiedlung Grönlands einen Meilenstein in der Geschichte der Seefahrt der Wikinger erreichte. Aber warum brach er überhaupt nach Grönland auf? Trieb ihn das Entdeckerherz? Wie wir heute in unserem Blog lernen werden, war Erik der Rote nicht der kühne Wikinger, der zur Legende werden wollte. Er war auf seine Art und Weise sicherlich ein besonders mutiger Entdecker, aber er war auch ein getriebener, den Ärger aus seiner Heimat verbannt hatte. Begeben wir uns im heutigen Blog von Eisexpedition.de auf eine spannende Reise, die uns von Norwegen nach Island, und von dort weit nach Westen zur größten Insel der Welt führt: Grönland. Dies ist die Geschichte von Erik dem Roten.

Kindheit und Jugend

Die Arbeit auf dem Hof war getan, und nun liefen die Kinder wild umher. Wie immer im Mittelpunkt der größte unter ihnen, der nicht nur wegen seines vorlauten Mundwerks, sondern vor allem wegen seiner roten Haare auffiel. Erik war ein kleiner Raufbold, der keiner Konfrontation aus dem Weg ging. Natürlich galt das auch für die anderen Söhne von Wikingern. Ein jeder von ihnen wollte ein berühmter Held werden, damit er später mit Thor und Odin zusammen im Jenseits die größten Schlachten schlagen und die prächtigsten Feiern genießen konnte. Aber Erik stach heraus: nicht nur, dass er größer gewachsen war als die anderen Kinder, sondern rotes Haar bildete sein Markenzeichen. Es waren wohl die Kinder, die ihn als erstes als „Erik den Roten“ bezeichnet hatten. Letztlich aber ist das egal. Der Name hatte sich eingeprägt. In der ganzen Ortschaft war der rothaarige Tunichtgut nur noch als „Erik der Rote „bekannt.

„Erik!“  Der Junge drehte sich um. Sein Vater hat nach ihm gerufen. Thorvald galt als nicht weniger konfliktscheu, und in so manche Prügelei war er des Abends verwickelt. Nun richtete er einen strengen Blick auf seinen Sohn, in dem jedoch auch gleichzeitig einige Sorge zu sehen war. Erik rannte zu seinem Vater und blickte zu ihm hinauf. „Vater?“ fragte er. „Es ist Zeit, Erik. Wir ziehen weiter.“

Der Junge war verwirrt. Was meinte sein Vater damit? Erik hatte seine ganze Kindheit hier verbracht. Er hatte gehofft, eines Tages mit seinem Vater und den anderen tapferen Männern zu See aufzubrechen und große Abenteuer zu erleben. Doch er war erst zehn Sommer alt; noch konnte er kaum ein Schwert halten. Es wirkte zu früh in seinen Augen. Aber natürlich wusste sein Vater es sicher besser.

„Was ist geschehen?“ fragte er besorgt. Thorvald schüttelt den Kopf. „Das geht dich nichts an, Junge. Das verstehst du nicht. Aber es ist an der Zeit, wir werden zu See reisen. Es ist an der Zeit, dass du sie kennen lernst, dass du das Schiff unter deinen Füßen spürst und den Wind in deinen roten Haaren.“

Es mag um das Jahr 950 n. Chr. gewesen sein, als Erik Thorvaldsson in Rogaland im heutigen Norwegen als Sohn eines Wikingers geboren wurde. Sein Vater war Thorvald Asvaldson, der in einigen Überlieferungen auch als Thorvald Osvaldson bezeichnet wird. Erik fiel bereits früh auf, da er leuchtendes rotes Haar hatte. In späteren Jahren sollte ihm auch ein ebenso roter Bart wachsen. Es ist daher kein Wunder, dass ihn die Wikinger als „Erik der Rote“ bezeichneten. Ebenso mag es kein Wunder sein, dass eine bestimmte Konstante Eriks junges Leben prägte: der Ärger mit anderen Nordmännern.

Als Erik etwa zehn Jahre alt war, tötete sein Vater einen anderen Mann. Nun mag es nicht ungewöhnlich sein, dass Wikinger andere töteten, galten sie doch als kriegerisches Volk. Wikinger hatten allerdings auch strenge Regeln für das Zusammenleben und Stammesgerichte. Vor ein solches wurde Thorvald gestellt. Als Folge für den Mord, der als unberechtigt eingestuft wurde, wurde Eriks Vater aus Norwegen verbannt. Erik musste mit seinem Vater mitgehen. Sie entschieden sich damals, nach Island überzusetzen, genauer gesagt an einen Ort namens Dranga. Zu der damaligen Zeit war Island den Wikingern nicht unbekannt. Etwa 100 Jahre zuvor hatten sich erste Wikinger auf Island niedergelassen und begonnen, das Land zu bestellen. Viele andere Wikinger folgten, und schon bald war ganz Island der Herrschaft der rauen Nordmänner unterworfen. Island sollte die neue Heimat von Erik dem Roten werden. Noch heute beansprucht Island seine Geschichte für sich, selbst wenn der berühmte Wikinger seine Kindheit in Norwegen verbrachte.

Erik führte zunächst ein gutes Wikingerleben, auch mit gelegentlichen Plünderungsfahrten. Er heiratete Thorhild, eine junge Frau aus einer sehr wohlhabenden Familie, und so war es kein Wunder, dass seine Frau und er einen großen Hof im Norden des Landes erbten. Erik rodete das Land und baute seiner Frau und sich eine neue Heimat: Erikstad. Alles sah nach Frieden aus, insbesondere nach der Geburt seiner Söhne. Kennen Sie den Namen des mittleren Sohnes? Sicherlich werden Sie jetzt den Kopf schütteln, aber gleich wird Ihnen ein Licht aufgehen: der mittlere Sohn von Erik war Leif. Leif Eriksson, der später selbst ein großer Entdecker werden sollte.

Ganz der Vater

„Sprich!“ forderte Erik den Mann auf. Der Mann blutete aus mehreren Wunden. Er war einer der Diener von Erik, und der junge Herr wusste, dass dieser Knecht nicht mehr lange leben würde. Zu tief waren die Schnittwunden in seinem Bauch. „Wir haben einen Fehler gemacht,“ stammelte der Diener. „Es gab einen Erdrutsch, und dann … Das Haus von den Nachbarn… Herr, sie kamen mit Schwertern. Wir flehten um Gnade, aber sie gewährten uns keine. Möge Odin uns allen gnädig sein, aber sie erschlugen alle, ich rannte … Und doch …“ Der Mann redete nicht mehr. Er atmete nur noch schwer, und Erik wusste, dass seine Tage zu Ende gingen. Er selbst dachte einen Moment nach, dann blickte er zu den anderen besorgten Männern im Raum. „Nehmt eure Schwerter,“ sagte er. Seine Frau blickte ihn kummervoll an. „Ist heute nicht schon genug Blut vergossen worden, Erik?“ fragte sie ihn. Ihr Ton klang flehentlich. Sie hatte Sorge, dass ihr Mann nun bald zum letzten Mal das Haus verlassen würde.

Aber in diesem Moment sah sie in Eriks Augen eine Härte, die sie in ihrem Mann nur selten gesehen hatte. Sie wusste von den Geschichten um seinen Vater. Sie wusste, dass er verbannt worden war aus der Heimat von Erik. Er galt damals als harter, unerbittlicher Mann, und sie selbst hatte immer im Gespür gehabt, dass auch Erik ein solches Wesen in sich hatte. Doch nun sah sie es. Sie sah es in seinen Augen, sie spürte es in ihrem Herzen. Erik sagte nichts mehr. Er selbst griff nach seinem Schwert und seinem Schild, dann ging er hinaus, und die wenigen anderen Männer, die er noch hatte, folgte ihm. Sie blieb allein zurück mit dem jungen Sohn an ihrer Seite, der das Geschehen um sich herum nicht verstand.

Der Kampf

Es muss um das Jahr 982 gewesen sein, als ein erstes Unglück das Leben von Erik dem Roten erneut erschütterte: Einige seiner Diener hatten bei Erdbauarbeiten versehentlich einen Erdrutsch hervorgerufen, und das Haus des Nachbarn von Erik wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Nachbar erschlug daraufhin mit seinen Männern die Diener von Erik. Erik ging daraufhin mit seinen Männern gegen den Nachbarn vor. Anders als seine Frau es vielleicht in unserer kleinen Rückblende vermutet haben mag, überlebte Erik jedoch den Kampf. Er erschlug den Nachbarn, allerdings konnte er danach nicht mehr in Frieden auf seinem Hof leben. Er wurde von den anderen geächtet, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als in eine andere Siedlung zu ziehen, die über die kleinen Inseln Oxney und Sudrey verstreut war. Manche Menschen, so denkt man, würden aus einer solchen Geschichte lernen. Allerdings gehörte Erik der Rote als Wikinger nicht dazu.

Der Aufbruch

Thorhild flehte ihn an. „Geh nicht, Erik, ich bitte dich.“

„Geh mir aus dem Weg, Weib. Du verstehst das nicht. Unsere Ehre ist befleckt. Er hat gesagt, mein Vater…“

Aber Thorhild ließ nicht locker. „Was immer er auch über deinen Vater gesagt hat, es war wahrscheinlich die Wahrheit. Wir haben ein gutes Leben. Wirf nicht das weg, was wir hier haben. Lass das Schwert in der Scheide, mein Gemahl.“

Aber Erik schüttelt den Kopf. „Wenn ich nun keine Rache nehme, so werden sie nie mehr Angst vor mir haben. Sie werden kommen und uns alles wegnehmen. Sie werden über und spotten. Über Erik den Roten, der als Feigling gilt. Ein Feigling kann ich nicht sein. Willst du, dass dein Sohn als Sohn eines Feiglings aufwächst?“

Sie schüttelte den Kopf, aber gleichzeitig bildeten sich auch kleine Tränen auf ihrer Wange. „Vor allem will ich, dass er eine Zukunft hat.“

Aber wie immer hörte er nicht mehr auf sie. Er hatte wieder den Blick, den sie kannte. Der Blick, der ihn von der Welt seltsam entrückte, und Härte lag darin. Mit dem Schwert an seiner Seite ging er zur Tür hinaus.

Die Verbannung

Wir können nur erahnen, was sich damals abgespielt hatte, was Eriks Frau über sein Handeln gedacht haben mag. Überliefert ist jedenfalls, dass Erik schon alsbald nach der Umsiedlung auch in seiner neuen Heimat wieder Ärger bekam. Auch dieses Mal gab es einen Konflikt mit den Nachbarn, der noch blutiger endete. Erik und seine Männer töteten die beiden Söhne des Nachbarn. Anschließend wurde er vor Gericht gestellt. Er wurde für schuldig des Mordes befunden. Das Urteil lautete: Verbannung

„Wir können nicht zurück in die Heimat meines Vaters,“ sagte Erik.

„Das ist also unser Schicksal, Erik? Verbannt zu sein wie dein Vater vor dir, nur mit der Folge, dass wir nirgendwo mehr hinkönnen? Oder müssen wir nach Süden, weg von den Küsten unserer Vorväter? Müssen wir leben mit den Sachsen und all den anderen wilden Stämmen?“

Erik schüttelte Kopf. „Nein,“ sagte er entschlossen. „Es gibt noch eine andere Lösung. Es gibt ein Land im Westen. Du kennst die Geschichten, die Geschichten von Gunnbiorn Ulfsson und seinen Leuten.“

Thorhild lachte zynisch. „Du glaubst doch selbst nicht an diese Geschichten,“ sagte sie. „Die Männer waren Trunkenbolde. Sie waren Taugenichts. Sie erzählten von einer sagenhaften Insel, mit seltsamen Tieren, von Eis genauso bedeckt wie vom grünen Gras. Diese sagenhafte Welt, die er und seine Halunken Cronland tauften. Und daran glaubst du?“

Erik nickte. „In der Tat glaube ich daran,“ sagt er. „Denn wir müssen daran glauben. Es ist keine Sage. Cronland gibt es.“

Auf in den Westen

Bereits im 9. Jahrhundert hatte es Erzählungen davon gegeben, dass es westlich von Island eine große grüne Insel gab, die zum Teil von Eis, zum Teil aber auch vom grünen Gras bedeckt sei. Ein Mann namens Gunnbiorn Ulfsson soll diese Insel um 877 entdeckt haben, aber sei nicht angelandet. Immer wieder gab es anschließend Erzählungen in den Wikingersiedlungen, dass es eine große grüne Insel gebe. Erik, der nun verbannt war, und ebenfalls nicht nach Norwegen zurückkehren konnte, entschloss sich, mit treuen Gefolgsleuten ein neues Leben zu beginnen. So war die Erkundung Grönlands geboren.

Die Besiedlung Grönlands

Im Jahr 982 brachen Erik und seine Schiffe auf. Sie verließen Sneefellsjok auf Island und legten in den kommenden Monaten mehrere hundert Seemeilen zurück, was für damalige Verhältnisse, namentlich in der stürmischen See, eine große Anstrengung war.

Der Sommer war zurückgekehrt. Der Himmel war blau, der Wind fühlte sich frischer an. Die See war weniger stürmisch als die letzten Monate, und der Mut der Männer hatte sich wieder verbessert. Ab und zu hörte Erik sogar wieder Männer lachen. Er stand an Deck, selbst gezeichnet von der Reise. Sein Haar, rot schimmernd im Morgenlicht, war noch länger als jemals zuvor. Der rote Bart war ungepflegt, aber noch zeigte er die kräftige Röte des jungen, entschlossenen Mannes. Erik blickte zum Horizont, über ihm stand die Sonne, und er genoss die Luft. Doch dann hörte er es. Vögel. Er blickte nach oben, und da waren sie: ein Schwarm von Vögeln, keine Seemöwen, sondern andere, die er noch nie gesehen hatte. Sie flogen über den Horizont, tauchten über den Wellen in die Lüfte hinauf. Er beobachtete sie eine Weile, und ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf. Könnte das bedeuten …?
Aber da ertönte schon der Ruf. Der Ruf, auf den sie so lange gewartet hatten.
„Land in Sicht!“
Alle Männer liefen an Deck. Auch Erik lief zu ihnen, er stieß zwei der kräftigsten Männer seiner Truppe beiseite, damit er es mit eigenen Augen sehen konnte. Da breitete es sich am Horizont aus: Land. Grünes Land. Grünes Land im Westen. Sie hatten sie gefunden.

Als die ersten Wikinger vor Erik dem Roten die neue Insel entdeckt hatten, ohne dass sie sie erkundeten, hatten sie sie Cronland getauft. Als Erik der Rote mit seinen Männern die Ostküste dieser neuen Insel erreichte, fand er den Namen nicht mehr passend. Für ihn war es ein Land des Grünen, und so taufte er die neue Heimat Grünland. Daraus ist der heutige Name Grönland entstanden. Der Name geht also tatsächlich auf Erik den Roten zurück – jedenfalls, wenn wir den Überlieferungen Glauben schenken wollen.

Erik und seine Männer landeten nun an der Ostküste Grönlands an. Den Namen Grünland wählte er auch, da er hoffte, dass auf diese Weise mehr Menschen ihm zukünftig folgen würden. Hier an der Ostküste sollten die Wikinger unter Eriks Führung überwintern. Welchen Namen sollte dieser erste Ort tragen? Natürlich Eriksey, was übersetzt so viel bedeutete wie „Eriks Insel“. Der erste Winter war hart, aber die Männer fanden Gefallen an ihrer neuen Heimat. Im Frühjahr, als das bessere Wetter einsetzte und der Schnee wieder verschwand, zogen sie ins Landesinnere, genauer zu einem neuen Fjord. Welcher Name dieser Fjord tragen sollte? Natürlich „Eriksfjord.“ Von hier aus begannen die Männer nun ihre Erkundungen des Landesinneren, und sie zogen über weite Teile Grönlands. Dabei gaben sie dann auch ihren Entdeckungen Namen, es sollte dabei niemanden überraschen, dass die meisten Namen mit „Erik“ begannen.

Es begann wohl eine glückliche Zeit für die Wikinger. Grünland war für sie ein Glücksfall: das Klima ähnelte jedenfalls dort, wo sie sich aufhielten, sehr Island, sodass die Männer die neuen Gefilde bald als Heimat empfanden. Sie betrieben Ackerbau und Jagd neben den Erkundungen. Erik und seine Leute unternahmen viele Erkundungen, immer wieder stießen sie weiter in das Landesinnere und wurden so zu den ersten europäischen Siedlern auf Grünland. Die Schönheit und Unberührtheit der Welt faszinierten Erik. Hier wollte er heimisch werden.

Dann kann das Jahr 985 n. Chr. Erik war für drei Jahre verbannt worden, diese Zeit war nun abgelaufen. Er entschloss sich, nach Island zurückzukehren. So segelte er dann mit seinen Männern zurück über den Atlantik nach Island, um von seinen Entdeckungen zu berichten. Forscher gehen heute davon aus, dass Erik der Rote mehr als 6000 Seemeilen zurück gelegt haben muss in seiner Zeit, was für damalige Verhältnisse eine unglaubliche Leistung war und vielleicht die größte Seefahrerleistung des Mittelalters, jedenfalls bis das Zeitalter der Entdecker begann.

Der Verbannte als Held

Nun begann eine neue Zeitrechnung für Erik. Er hatte Grönland entdeckt, es erkundet, es besiedelt. Erik der Rote, der einst verbannte, war nun ein Held.

„Es ist das schönste Land, das ihr euch vorstellen könnt,“ sagte er. Mit einladenden Gesten sprach er zu ihnen, hier auf dem Marktplatz. Eine große Menge hatte sich um ihn versammelt. Sie alle hingen an seinen Lippen, sie alle sahen, wie sein rotes Haar in der Morgensonne schimmerte. „Es gibt mehr Ackerland, als jeder von euch sich je erträumen könnte. Mehr Ackerland, als ihr und eure Kinder und deren Kindeskinder jemals bestellen könnten. Es gibt mehr zu entdecken, mehr Gipfel zu besteigen, und mehr Wunder zu bestaunen, als ihr in Lebtagen je könntet. Es ist das Land, das Odin und Tor für uns auserwählt haben, in dem wir heimisch werden sollten.“
Die Menge raunt. Sie hingen an seinen Lippen, an seinen Erzählungen. Die Wohlhabenden rümpfen die Nase, denn sie fürchteten, er würde Unfrieden stiften. Aber das war nicht wirklich sein Ziel. Erik der Rote wollte doch nur diejenigen unter ihnen gewinnen, die wie er eine neue Heimat finden sollten. Wer nun in ihre Gesichter sah, der erkannte, dass er dieses Ziel erreichen würde.

Als Erik nach Island zurückkehrte, begann er, den Menschen vom Grönland zu erzählen. Sein Antrieb war es, Siedler zu gewinnen, die mit ihm Grönland zu einer neuen Heimat machen würden. Tatsächlich gelang es ihm, viele Menschen zu überzeugen. 35 Schiffe sollten mit ihm aufbrechen nach Grönland, viele Menschen, viele Tiere.

Aber die See war rau und stürmisch. Nur 14 Schiffe, darunter das von Erik dem Roten selbst, sollten Grönland erreichen. Die anderen? Einige verschollen, andere kehrten nach Island um. Doch die 14, die ankamen, sollten die Grundlange für zwei Siedlungen bilden: Die Ostsiedlung und die Westsiedlung. In den Jahren danach entstanden zwischen den großen Siedlungen weitere kleine Siedlungen. Mit seinen vier Kindern und seiner Ehefrau ließ sich Erik in der Ostsiedlung nieder. Die Bewohner wählten ihn zu ihrem Anführer, und Erik war am Ziel seiner Träume angekommen.

Eine Legende stirbt – eine neue entsteht

Erik der Rote hatte alles erreicht. Er hatte ein neues Land entdeckt, eine neue Gemeinde gegründet, er war deren Anführer geworden doch war immer noch in ihm eine gewisse Unruhe, eine Sehnsucht nach neuen Entdeckungen. Als dann ein Schiff an die Küsten Grönlands kam, war die Sehnsucht noch größer.
Damals fehlte es den Siedlern auf Grönland vor allem an Holz. Daher hing Erik an den Lippen des Kapitäns eines spät eingetroffenen Schiffes. Er berichtete, dass das Schiff von Island aufgebrochen war, aber nach Süden abgedriftet war. Weit im Südwesten habe man dann ein sagenhaftes Land erspäht, voller Wälder – mit viel Holz für die Siedlungen. Eriks Leidenschaft war wieder entbrannt. Er wollte mit seinem Sohn bald aufbrechen. Doch dann kam es anders.

Leif rannte zu seinem Vater. „Vater!“ rief er, „Vater, was ist passiert? Bist du verletzt?“
Der ältere Mann war über sein Pferd gebeugt, dass auf dem Boden lag und schwer atmete Erik der Rote schüttelte den Kopf. „Mir geht es gut,“ sagte er. „Aber mein Hengst, er…“
Leif warf einen Blick auf das Tier, das unglücklich auf dem Boden lag. Er sah, dass das Pferd sich wohl ein, wenn nicht beide Beine bei dem Sturz gebrochen hatte. Leif wusste, dass dieses Pferd nie wieder laufen würde „Vater, es ist ein Wunder, dass du unverletzt bist. Odin wollte….“
„Was Odin wollte, ist klar, Leif. Er hat mir ein Zeichen gesandt. Er hat mir ein Zeichen gesandt, dass ich hier nicht mehr aufbrechen soll. Ich soll hier leben. ich bin wie das Pferd: wenn ich noch einmal auf eine Reise gehe, so werde auch ich nicht von dieser zurückkehren. Das wollte Odin mir sagen. Meine Zeit ist vorbei. Nun beginnt Deine Zeit, mein Sohn.“

So kam es dann auch. Den Sturz seines geliebten Pferdes wertete Erik der Rote als Zeichen der Götter. Er sollte auf die Reise verzichten. An seiner statt sollte sein Sohn Leif das neue unbekannte Land entdecken.

Erik der Rote sollte die letzten Jahre seines Lebens in Grönland verbringen. Während sein Sohn Leif zu großen Abenteuern aufbrach, und wohl auch Nordamerika entdeckte, blieb Erik der Rote seiner neuen Heimat treu. Er starb um das Jahr 1003 auf Grünland, wohl, nachdem er von den Entdeckungen Leifs erfuhr. Welche das waren – das erzählen wir in einem unserer nächsten Blogbeiträge.

Von Norwegen nach Island, von Island in das magische Grönland. Das war die Reise von Erik dem Roten, einem verbannten Wikinger, der zum Helden wurde. Wollen Sie seinen Spuren folgen? Dann sprechen Sie uns gerne an. Wir stellen für Sie die perfekte Expeditionskreuzfahrt zusammen, mit der auch sie ein Entdeckergefühl bekommen.Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!