Blogbeitrag

Eisbären-Radar: Wie Menschen Begegnungen mit Eisbären durch ein Frühwarnsystem vermeiden

In den arktischen Regionen leben nicht nur Tiere, sondern auch Menschen. Der Mensch dringt immer weiter in den Lebensraum des Königs der Arktis, dem Eisbären, ein. So kommt es in manchen Gegenden zur Begegnung zwischen Menschen und Eisbär, die meistens leider mit dem Tod des Eisbären enden. Wie können Menschen Gefahren für Mensch und Tier verhindern? Eine Gemeinde in Kanada hat dazu etwas Neues erfunden: Das Eisbären-Radar. Eine Technologie, die vielleicht um die Welt geht. Mehr dazu in unserem heutigen Blogbeitrag.

Der Eisbär – Der König der Arktis

Ordnen wir es zunächst ein: Eisbären leben in der Arktis (weswegen sie nie auf Pinguine treffen). Sie sind neben dem mächtigen Kodiakbären das größte Landraubtier der Erde. Das ist kein Wunder: Männchen können bis zu 600kg schwer werden und bis zu 2,70m groß (wenn sie auf zwei Beinen stehen). Sie sind wahre Riesen. Weibchen sind etwas kleiner und werden ca. 300 bis 400kg schwer. Dafür sind sie deutlich wendiger und schneller.

Auf die arktischen Bedingungen sind die Jäger perfekt eingestellt. Vor der bitteren Kälte schützt sie ein dickes Fell, das mit Ausnahme der Fußballen und der Nasenspitze den ganzen Körper bedeckt. Darunter ist eine dicke Fettschicht als weitere Polsterung verborgen.

Für die Jagd sind sie auch sonst bestens gerüstet: An Land können Eisbären bis zu 40 Stundenkilometer schnell werden und ihre Beute damit einholen. Weglaufen vor Eisbären wird damit schwierig, jedenfalls über längere Distanzen. Auch auf dem Wasser sind sie kaum zu schlagen. Eisbären sind begnadete und ausdauernde Schwimmer, die sich stundenlang in der See aufhalten können und große Distanzen zurücklegen können. Nicht umsonst heißt der Eisbär wissenschaftlich Ursus maritimus, zu Deutsch Meeres-Bär.

Eisbären ernähren sich vor allem von Fleisch, insbesondere von Robben. Diese jagen sie mit genialen Tricks. Wenn sie die Chance haben, fressen sie aber auch andere Tiere, wie Vögel, Belugas oder Fische. Zudem suchen sie nach Walkadavern.

Eisbären haben keine natürlichen Feinde. Aber sie haben einen unnatürlichen Feind: Den Menschen. Er verursacht die Klimaerwärmung und verdrängt den Eisbären aus seinem angestammten Lebensraum. So kommen wir zu der Geschichte unseres heutigen Blogbeitrags.

Der Angriff eines Eisbären

Unsere Geschichte beginnt in der Kleinstadt Churchill. 900 Einwohner leben hier direkt an der Küste der Hudson Bay in Kanada, mitten in der arktischen Zone. In der Gründungszeit wurden von hier aus Eisbären gejagt, später wurde die Stadt militärisch genutzt. Immer wieder kamen Eisbären den Menschen nahe. Auch 2013. Erin Green, 30 Jahre alt, traf es.

Die Party war großartig gewesen. Erin liebte Halloween: Party mit Freunden, Musik, gutes Essen, und so manche großartigen Kostüme. Nun war es schon spät, als sie durch die leeren, schneebedeckten Straßen nach Hause ging. Nicht mehr weit, und sie würde tief und fest bis in die Mittagsstunden schlafen können. Sie sah nach links, und später würde sie nicht sagen können, warum. Aber dieser eine Blick rettete ihr Leben. Zunächst mochte sie gar nicht glauben, was sie da sah. Etwas Großes, weißes, rannte auf sie zu. Schnell. Unglaublich schnell für eine so große Masse. Ihre Beine reagierten vor ihrem Verstand. Erin lief los. Sie lief um ihr Leben. Dabei schrie sie: „Eisbär! Eisbär!“

Erin Greene war 30 Jahre alt, als sie 2013 von einer Party nach Hause ging. Sie sah einen Eisbären auf sich zu rennen und ergriff sofort die Flucht. Der Eisbär packte sie jedoch und schleuderte sie herum.

Erin war benommen und spürte den Schmerz am Kopf. Alles ging so schnell. Sie schüttelte kurz den Kopf, um wieder einen klaren Blick zu bekommen. Da sah sie den Eisbären schon, der zu ihr blickte und auf sie zukam. Sie dachte, sie würde sterben… „“Hey, verschwinde!“ rief eine Stimme hinter ihr. Die Schmerzen waren zu groß, als dass sie sich umblicken konnte. „Hau ab, Du!“ Dann stand dort eine Gestalt neben ihr. Eine Schaufel in der Hand. Und am Leib…ein Pyjama?

Erin hatte Glück. Bill Ayotte, damals 69, hörte sie. Er rannte im Pyjama nach draußen, griff eine Schaufel und bedrohte den Eisbären. Aber der Eisbär verschwand nicht gleich. Er griff auch Bill an, der bei dem Gerangel ein Ohr verlor. Aber er verpasste dem Eisbären mehrere Hiebe, und das massige Tier konnte von ihm in die Flucht geschlagen werden.

Beide waren mit Verletzungen, aber mit dem Leben davongekommen.

Sichere Reisen

Zunächst Entwarnung: Solche Szenen werden Ihnen auf Reisen, die Sie über Eisexpeditionen.de buchen, nicht zu Gesicht kommen. Wenn Sie auf dem Schiff sind, ist auch ein Eisbär in wenigen Metern Abstand zum Deck keine Gefahr. Anlandungen werden nur durchgeführt, wenn keine Gefahr droht. Die erfahrenen Scouts beobachten die Umgebung aufmerksam. Sobald ein Eisbär in die Nähe kommt, wird die Anlandung sofort abgebrochen. Sollte entgegen allen Wahrscheinlichkeiten ein Eisbär in eine gefährliche Nähe kommen, haben die Scouts Gewehre und geben Warnschüsse ab, um ihn zu vertreiben. Diese dienen auch als letzte Notfallverteidigung. Aber solche Risiken werden nicht eingegangen, weder für Mensch noch für Tier. Denn die Reedereien wollen natürlich auch die seltenen Eisbären und ihren eigenen Ruf schützen.

Daher: Ihre Reise wird sicher sein. Sie können den Anblick von Eisbären in der freien Natur genießen, ohne Angst haben zu müssen.

Churchill und die Eisbären

Die Bewohner Churchills haben aus der gefährlichen Erfahrung von Erin und Bill gelernt. Eisbären sind in Churchill im Oktober und November häufig zu sehen. Trotzdem ist es immer noch ein Schreck, wenn man seinen Vorhang öffnet und auf einmal ein großer Eisbär durchs Fenster blickt. Oder wenn sie nachts auf einen Eisbären treffen und die Taschenlampe ihres Handys einschalten, mit dem sie ihn vertreiben. Die Menschen gewöhnten sich an die Bären. Sogar Touristen zieht das Städtchen jetzt häufig an, vor allem im Oktober und November jedes Jahr. Doch trotzdem sind und bleiben Eisbären wilde Tiere und gefährlich.

Übrigens gibt es auch Wissenschaftler, die das häufige Auftauchen der Bären nicht notwendig auf die Klimaerwärmung und den Wettbewerb zum Menschen zurückführen. Sie sagen einfach: Die Stadt hätte hier nie errichtet werden dürfen. Die Eisbären lieben die Region um Churchill zu sehr. Sie warten darauf, dass sich in der Hudson Bay das Meereis bildet. Dieses ist für die Eisbären besonders wichtig: Von dort aus machen sie Jagd auf Robben, die zum Luftholen nach oben kommen und dann vom Eisbären gepackt werden. Und Churchill liegt einfach so nahe an dem sich bildenden Meereis, dass die Begegnung von Menschen und Bär unvermeidlich ist.

Das Eisbären-Gefängnis

In Churchill gibt es auch das weltberühmte „Eisbären-Gefängnis“. So heißt es nicht offiziell, wird aber von den Bewohnern so genannt. Was sich auf den ersten Blick nach Tierquälerei anhört, ist das Gegenteil. Hintergrund: Früher wurden Eisbären von den Menschen erschossen, insbesondere, als es hier noch eine Militärbasis gab. In manchen Jahren wurden 25 Tiere geschossen. Das wollten die Bewohner nicht mehr. Daher wurde folgendes erfunden: An den Rand der Gemeinde werden Fallen gesetzt, die mit Robbengeruch versehen waren. Wenn ein Eisbär darin gefangen wird, weil er der Stadt zu nahekommt, wird er in eine Einrichtung gebracht, die als Gefängnis dient. Ohne Nahrung muss der Bär darin bis zu 30 Tage aushalten. Quälerei? Nein: Eine Erfahrung. Die Bären sollen sich merken, dass Menschen gefährlich sind. Dann werden sie betäubt und mit dem Hubschrauber von der Stadt weggeflogen. Das Tier überlebt, und ist hoffentlich um eine wichtige Erfahrung reicher.

Das neue Radarsystem

Nun aber soll ein modernes Radarsystem auch das Gefängnis überflüssig machen. Grundlage des Radarsystems ist die Überwachung der Umgebung der Stadt durch eine hochentwickelte künstliche Intelligenz. Diese ist in der Lage, Eisbären zu identifizieren und dann eine Warnsirene einzuschalten. Zudem gehen erfahrene Männer los und vertreiben den Eisbären. Während die Überwachung mittels Kamera und künstlicher Intelligenz in unserer heutigen Zeit nichts Besonderes ist, so ist es doch eine einmalige Entwicklung. Denn Eisbären werden Menschen besonders gefährlich, wenn die Sicht schlecht ist, also in der Nacht oder insbesondere bei Schneestürmen. Eine Überwachung, die dann ebenfalls nichts erkennt, ist nicht hilfreich. Die hier eingesetzte Künstliche Intelligenz wurde jedoch gerade jahrelang trainiert, um in diesen Witterungsbedingungen Eisbären zu identifizieren. Sie können durch alles hindurchsehen, heißt es – auch durch den dichtesten Sturm. Damit bildet sie das perfekte Eisbärenradar.

Verbreitet sich die Technologie bald weltweit?

Auch in anderen Regionen der Erde kommen Eisbären dem Menschen nahe – oder eben eher umgekehrt. Auch auf Spitzbergen wird gelegentlich beobachtet, wie verirrte Eisbären in Ortschaften kommen auf der Suche nach Futter. Daher wird das System im Jahr 2021 erstmals auch auf Spitzbergen eingesetzt, genauer in Longyearbyen. Dort kam es im Jahr 2020 zu einer Tragödie auf einem Touristencampingplatz. Ein Eisbär hatte einen Niederländer getötet und wurde nach der Attacke erschossen. Damit sich dies in Zukunft nicht wiederholt, wollen nun auch die Norweger auf das Eisbären-Radar setzen.

Wollen sie Eisbären in freier Wildbahn sicher beobachten? Dann sprechen Sie uns an. Wir von Eisexpeditionen.de freuen uns, mit Ihnen die perfekte Reise zu planen – zum König der Arktis.

Polare Grüße

Ihr Team von Eisexpeditionen

Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!

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