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Der Whisky im ewigen Eis von Sir Ernest Henry Shackleton

Nicht nur die Fans von Eisexpeditionen wissen, wer Sir Ernest Shackleton war, sondern auch für die Whisky-Fans und -Kenner ist sein Name ein Begriff und steht heute – neben Abenteuern im Eis – für eines der edelsten Destillate auf dieser Welt. Bevor wir uns weiter damit beschäftigen, wie die Verbindung von Whisky und Sir Ernst Shackleton zustande gekommen ist, geht es erst einmal um ein paar Feinheiten aus der Welt des Whisky.

Whisky oder Whiskey?

Es gibt einen ersten Unterschied in der Schreibweise. Schottische Destillate, der sogenannte Scotch, wird auch als Scotch Whisky bezeichnet und ohne „e“ geschrieben – das gilt übrigens auch für kanadische Whiskys.
Destillate aus Irland und Amerika hingegen werden mit einem „e“ – also Whiskey geschrieben.

Whisky oder Bourbon – das ist hier die Frage!

Neben dem Unterschied in der Schreibweise liegt er vor allem in der Grundzutat. Die Schotten verwenden ausschließlich gemälzte Gerste für ihren Single Malt Whisky, während die Amerikaner bevorzugt Mais für den Bourbon Whiskey verwenden.

Nimrod Expedition

„Männer gesucht für gefährliche Reise. Geringer Lohn, bittere Kälte, lange Monate kompletter Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Rückkehr ungewiss. Ruhm und Ehre bei Gelingen.“ Auf diese Zeitungsanzeige von Sir Ernest Shackleton würde sich heute gewiss keiner mehr mit seinem LinkedIn Profil bewerben – aber auf diesem Wege suchte der Polarforscher Teilnehmer für seine Südpolarexpedition.

Die sogenannte Nimrod Expedition, der offizielle Name lautete „Britische Antarktis-Expedition“, war die erste der drei Antarktisexpeditionen, die der Polarforscher Sir Ernest Shackleton leitete und organisierte. Das Ziel der Expedition war, als erster Mensch den geographischen Südpol zu erreichen. Zu dieser Zeit hatten Expeditionen in die Antarktis wenig gemeinsam mit den heutigen komfortablen, teilweise luxuriösen Expeditionsschiffen. Die Männer, die Ernest Shackleton schließlich auswählte, insgesamt 25 Stück, waren hart im Nehmen und offensichtlich auch im Trinken.

Antarktis

Die Nimrod legte am 5. August 1907 von der Isle of Wight ab und begab sich auf den langen Weg in Richtung Antarktis.
Anfang 1908 begann man mit der Entladung von Material und Vorräten, was sich wetterbedingt, über einen längeren Zeitraum hinzog. Teilweise mussten die Vorräte infolge eines Schneesturmes wieder mühevoll aus dem Schnee ausgegraben werden.

Die Expeditionshütte hatte eine Grundfläche von 10×5,8 Metern und wurde aus bereits vorgefertigten Teilen zusammengesetzt. Auf der windgeschützten Seite wurde eine Vorratskammer eingerichtet. Im Nahrungsmittelvorrat waren allein 25 Kisten Whisky, 12 Kisten Brandy und 6 Kisten Port enthalten. Alles ordentlich verstaut im Basislager am Cape Royds auf Ross Island. Obwohl die Menge an Alkohol ausreichend erschien, schwand der Vorrat schnell. Bei einer Weihnachtsparty fiel der Chirurg der Mannschaft, nach dem Genuss von 2/3 einer Flasche, ins Alkoholkoma.

Offenbar hatte einer der Expeditionsteilnehmer Sorge um die Alkoholvorräte und versteckte fünf Kisten unter dem Boden der Hütte – der eiserne Vorrat sozusagen.
Zwei Brandy-Flaschen der Hunter-Valley-Destillerie in Allandale/Australien und drei Flaschen Whisky aus der Heimat, und zwar „Rare old Highland malt Whisky, blended and bottled by Chas. Mackinlay & Co.“

Am 9. März 1909 ließ die Nimrod die antarktische Küste zurück und begab sich auf die Rückreise. Am 20. April trennten sich die Wege der Expeditionsteilnehmer in Sydney – an die Kisten Whisky im Eis hatte niemand mehr gedacht…

Der Fund

Das Basislager der Nimrod Expedition hat heute historischen Wert. Vier antarktische Sommer lang ließ der Antarctic Heritage Trust die Hütte von Ernest Shackleton restaurieren und dort fand man – im Rahmen der Arbeiten – die versteckten Destillate.

Die Lagerbedingungen waren perfekt. Der Whisky hatte im Permafrost gelagert ein ganzes Jahrhundert überdauert, und einmal in Flaschen abgefüllt altert und reift Whisky nicht mehr nach – es bestand also die Möglichkeit den Originalgeschmack vorzufinden bzw. wieder zu entdecken.

Die chemische Analyse hat gezeigt, dass der Gefrierpunkt des Whiskys bei ca. -34,3 Grad liegt. Messungen in der Hütte im Rahmen der Renovierungsarbeiten haben aber selbst im Winter eine maximale Temperatur unter null von -32,5 Grad ergeben. Selbst bei Temperaturen von -42 Grad außerhalb der Hütte würde der Flascheninhalt nicht komplett durchfrieren, sondern nur zu „slush“, also Eismatsch werden. Alles beste Voraussetzungen, damit der Inhalt nicht zerstört wurde.

Mittlerweile wurde der Hersteller des Originals Mackinlay & Co. von Whyte & Mackay aufgekauft und war damit der rechtmäßige Nachfolger des ursprünglichen Lieferanten. Für die Whiskyliebhaber auf dieser Welt war der Fund natürlich eine Sensation. Mit „Ein Geschenk des Himmels“ wurde Richard Paterson, der Masterblender von Whyte & Mackay zitiert.

Der Abtransport

Im Januar 2011 bekam Whyte & Mackay die Erlaubnis drei der Originalflaschen nach Schottland zu holen – natürlich unter strengsten Sicherheitsauflagen. Die Idee dahinter war den Flaschen je 100 Milliliter zu entnehmen, den Whisky zu kosten, zu analysieren und möglichst originalgetreu nachzumachen.

Diesen seltenen Fund konnte man nicht einfach mit dem Paketdienst verschicken, aber er musste dennoch nach Schottland. Der Moment für den Firmenchef von Whyte & Mackay war gekommen. Der indische Multimillionär Vijay Mallya besitzt nicht nur den schottischen Whiskyhersteller, sondern auch einen Privatjet. In diesem Flieger brachte Richard Paterson die Flaschen nach Schottland, in einem Kühlbehälter – zur Sicherheit mit Handschellen an seine Handgelenke gefesselt.

Das Urteil von Paterson: „Das Bouquet ist weich und elegant mit delikaten Aromen von zerdrücktem Apfel, Birne und frischer Ananas. Dazu kommt ein Hauch Marmelade und Zimt sowie eine Prise Rauch, Ingwer und Rohrzucker.“ Bei der Verkostung schmeckte er „einen Hauch Lagerfeuerrauch, der sich in würziges, reichhaltiges Toffee, Zuckerrübensirup und Pekannüsse auflöst.“
Das Fazit ist also: Der Whisky, den die Expeditionsteilnehmer von Schottland bis in die Antarktis brachten, war kein Getränk, das einem die Seele aus dem Leib brennt, sondern „elegant und weich – wie eine wunderschöne Frau“, wurde der Masterblender von Whyte & Mackay zitiert.

Der Chefchemiker von Whyte & Mackay hat den Whisky analysiert und in seine Bestandteile zerlegt. Die Ergebnisse dieser Analyse sind im „Journal of the Institute of Brewing“ zu lesen.

Die Neuauflage

Aufgabe von Patterson war es nun das Original neu aufzulegen. Zwar konnte er nicht – wie im Original – Torf aus dem Boden der Orkney Inseln entnehmen und auch kein Wasser aus Loch Ness, dafür suchte er sich jedoch zwei Dutzend Verwandte des alten Whiskys heraus und kreierte einen Blend, den selbst Shackleton bei einer Blindverkostung für das Original gehalten hätte.

Aber was ist mit den 3 Flaschen aus der Hütte passiert? Die liegen nun wieder in ihrem Bett aus Permafrost unter der Hütte, lediglich erleichtert um ca. 100 Milliliter pro Flasche.

Wollen auch Sie einmal auf Expeditionen in die Antarktis und auf den Spuren Ernest Shackleton wandeln und ganz gemäß der Tradition an seinem Grab einen Whisky auf ihn trinken? Dann beraten wir Sie gerne bei der Auswahl der passenden Expeditionsreise.Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!