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Der Eisbär – König der Arktis

Es ist für jeden Expeditionsreisenden in die Arktis wohl das größte Erlebnis: Der Blick auf den mächtigen Eisbären – den König der Arktis. Doch was macht diese wunderbaren Tiere so einzigartig?

Der Moment

Es ist früher Morgen auf der Spitzbergen-Tour, und gerade stehen Sie noch mit einem Kaffee in der Hand auf Deck und bestaunen die wilde, unberührte Natur. Es ist ein Moment der Stille und der Schönheit, der allen Stress der Welt vergessen lässt. Und dann kommt die Borddurchsage „Eisbär in Sicht“, die Maschinen werden abgestellt ihr Blick fällt auf ihn: Dort auf der Eisscholle steht er, groß und mächtig, weiß leuchtet sein Fell, und er ist auf der Suche nach Futter, hier, in seinem Revier: Der Eisbär, der König der Arktis, ist auf der Jagd und Sie können ihn dabei beobachten. Diesen Moment werden Sie nicht vergessen – denn Ihnen wird klar: Der Mensch ist hier nur Besucher, das hier ist seine Welt.

Der König in seiner Pracht

Werfen wir zunächst einen Blick auf die imposanten Fakten: Um die 2,70m (stehend auf zwei Beinen) groß, bis zu 800kg schwer – der Eisbär neben dem Kodiakbären das größte Landraubtier der Erde, unumstrittener Herrscher der Arktis. Die Männchen dieser Großbärenart überragen die Weibchen dabei erheblich an Gewicht (ca. 400-800kg zu 200-350kg), dafür sind die Weibchen aber in der Regel wendiger. Sie werden auch älter (bis zu 30 Jahre, in manchen Zoos sogar noch älter), Männchen dagegen werden in der Regel nur 20 bis 25 Jahre alt.

Fell & Speck

Wer Kinder fragt, was einen Eisbären ausmacht, dann würden sie nicht nur auf seine Größe verweisen, sondern auch auf das weiße Fell. Wussten Sie aber, dass der Eisbär gar kein weißes Fell hat, die klassische Vorstellung vom Eisbären damit eigentlich nicht korrekt ist? Das Fell des Eisbären ist durchsichtig, so dass das UV-Licht direkt auf die darunter liegende schwarze Haut durchdringen kann und sie wärmt. Es ist vielmehr die Reflexion des Sonnenlichts, die dazu führt, dass uns als Menschen das Fell weiß oder auch gelblich-weiß erscheint. Und dennoch ist das Fell des Eisbären eine intelligente Entwicklung der Natur, denn es ist nicht nur durchsichtig, sondern die Haare sind auch von innen hohl, so dass warmes Sonnenlicht durch sie gleitet.

Gleichzeitig schützen sie auch vor der bitteren Kälte der Natur, bedeckt das Fell doch fast den ganzen Körper (mit Ausnahme der Nasenspitze und der Fußballen). Vor der Kälte schützt das Tier zudem eine dicke Fettschicht. So sind die stämmigen Tiere optimal auf die Bedingungen der Arktis eingestellt, wo wir Menschen bitterlich erfrieren würden ohne den Schutz von Kleidung und Obdach. Die Natur zeigt uns: Wir sind in der Arktis nur Besucher, der Eisbär dagegen regiert sie.

Begnadete Schwimmer

Aber auch aus einem anderen Grund sind Biologen begeistert vom Eisbären. Der Einfallsreichtum der Natur zeigt sich auch in der Gestaltung der Tatzen. Sie sind sehr breit, so dass sich das Körpergewicht des schweren Tieres auch auf dünnem Eis optimal verteilt und ein Einbrechen verhindert. Nicht, dass ein Einbrechen für den Eisbären gleich lebensgefährlich wäre – er ist ein hervorragender Schwimmer, der mit den Vorderpfoten paddelähnliche Bewegungen ausführt und mit den Hinterbeinen seine Richtung im Wasser geschickt steuert.

Und das nicht nur für kurze Zeit – Forscher haben Eisbären schon dabei beobachtet, wie sie über Stunden hinweg entspannt im Wasser schwammen und große Strecken zurücklegten. Während der Eisbär auch an Land mit bis zu 40 Stundenkilometer schneller sein kann, als viele denken, und bis zu 20km täglich durchstreift, ist er auch im Wasser trotz seiner Größe ein Schnellboot der Natur mit bis zu 10km/h. Einzig vor einer Überhitzung durch Anstrengung müssen sich die Tiere gut schützen und in Pausen abkühlen.

Heimat Arktis

Warum lassen die Eisbären die Pinguine in Ruhe – wären sie nicht ein perfektes Festmahl in der kargen Eislandschaft? Vielleicht schon. Aber: Eisbären und Pinguine treffen nicht aufeinander. Denn Eisbären leben in dem Gebiet um den Nordpol, der Arktis. Pinguine dagegen sind am Südpol heimisch, der Antarktis. So einfach kann die Erklärung der Natur also sein. Daher bitte nie vor Freunden damit angeben, Sie würden zum Südpol reisen, um den König der Arktis zu bestaunen!

Der lateinische Name der Eisbären lautet Ursus maritimus, also wörtlich übersetzt „Seebär“, was zum Ausdruck bringt, dass der Eisbär auf küstennahen Packeisschichten des Nordpolarmeeres lebt. Wer seine Reisen über eisexpeditionen.de bucht, wird den Eisbär vor allem auf den Expeditionsreisen nach Spitzbergen, Franz – Josef – Land, Nordgrönland oder in der kanadischen Arktis (insbesondere Neufundland und den Nordwest-Territorien) zu sehen bekommen. Natürlich gibt es dafür nie eine 100% – Garantie, denn wilde Eisbären sind keine Zootiere, und Könige müssen sich an keine Regeln oder Pfade halten – doch wir suchen für Sie die Reisen mit den besten Sichtungschancen heraus. Übrigens hängt die Frage, wie weit nach Süden die Eisbären kommen, jedes Jahr auf das Neue davon ab, wie weit das Packeis nach Süden reicht. Denn sie bleiben in dessen Nähe bzw. wandern mit der Packeisgrenze gen Nordpol, fangen sie hier doch ihre Hauptbeute, die Robben (dazu gleich noch mehr).

Alleinherrscher & geborener Jäger

Schon die Geschichte der Menschheit hat gezeigt: Mehrere Könige vertragen sich untereinander oft nur schlecht. Wen überrascht es daher: Der Eisbär ist der geborene Einzelgänger. Er jagt allein und freut sich nicht über Eisbären-Gesellschaft in der Futterzeit. Ein typisches Verhalten für einen Fleischfresser – Eisbären ernähren sich fast ausnahmslos von der Jagd. Und dass sie hier allein bleiben wollen, ist auch nicht überraschend, denn in der Regel brauchen sie täglich ca. zwei Kilogramm Fett. Sie fressen sich große Reserven an für die nahrungsfreie Zeit (in der vor allem die Männchen sich gelegentlich in kleinen Gruppen sammeln, um gemeinsam zu fasten – ein faszinierender, aber natürlich seltener Anblick).

Auf dem Speiseplan der Eisbären stehen vor allem Robben. Sie sind mit ihrem hohen Fettanteil genau die Art von Nahrung, die Eisbären zum Überleben in der Polarregion benötigen. Wie läuft eine solche Jagd ab? Gegenfrage – haben Sie schon einmal eine Katze auf der Pirsch beobachtet, wie sie sich an ein Mäuseloch anschleicht? Langsam kriecht sie auf dem Bauch vor, ohne einen Mucks zu machen, und wartet, auch stundenlang, geduldig auf ihre Chance. Hier haben unsere europäischen Hauskatzen und die wilden Eisbären der Arktis eine verblüffende Gemeinsamkeit. Denn auch Eisbären jagen auf eine ähnliche Art und Weise, schleichen sie sich doch an ein Eisloch heran, kauern sich dort geduldig auf den Bauch – und warten, mit der Geduld einer Majestät, bis eine Robbe zum Atemholen erscheint. Dann ist es oft der letzte Atemzug der Robbe, denn blitzschnell schnappt der Eisbär zu. Mit den Katzen verbindet Eisbären auch ihr exzellentes Gehör und ihre feine Nase. Neben den Eislöchern spüren sie Robben auch in Eishöhlen auf und schnappen sich die Beute, bevor sie ins Wasser flüchten kann.

Speiseplan

Natürlich fressen Eisbären, wenn sie die Chance haben, auch andere Tiere, wie Vögel, Belugas oder Fische; auch Walkadaver verspeisen sie mit Vorliebe. Das ist auch nicht überraschend: Der Eisbär ist der König der Arktis, weil er an der Spitze der Nahrungskette steht. Seine natürlichen Feinde sind vor allem andere Eisbären – dies gilt insbesondere für die Männchen in der Paarungszeit, in der es schwere Revierkämpfe geben kann. Die größte Bedrohung des Eisbären ist letztlich der Mensch und die von ihm verursachte Klimaerwärmung und die Verdrängung des Eisbären durch menschliches Verhalten (mehr dazu unten).

Ihre Nahrung finden die Eisbären in ihren Revieren. Wie bei den Königreichen der Menschen früherer Tage ist auch bei den Eisbären die Größe der Reviere sehr unterschiedlich. Viele Eisbären begnügen sich mit einigen hundert Quadratkilometern, wenn sie dort ausreichend Nahrung finden. Forscher haben aber auch schon Tiere beobachtet, die in mehreren Jahren über hunderttausende von Quadratkilometern streifen. Die schiere Größe scheint für uns nicht zu glauben – aber das ist eben auch der Vorteil einer unberührten Natur der Arktis, jedenfalls, solange es diese noch gibt.

Manchmal gibt es Berichte im Fernsehen zu sehen, dass Eisbären sich an menschliche Siedlungen heranwagen und dort Abfalltonnen durchsuchen. Diese Nähe ist weder für Menschen noch Tier gut und zum Glück äußerst selten. Sowohl Kanada wie auch Norwegen haben dabei gute Methoden entwickelt, um ein solches Verhalten zu verhindern oder Tiere, die Menschen zu nahekommen, wieder wegzulocken. Der Grund dafür ist häufig Nahrungsknappheit (und sicherlich auch der Klimawandel, dazu unten noch mehr). Wenn die Tiere dann auf die Packeisschichten zurück gelockt werden, wo sie wieder ihre eigentliche Nahrung – Robben – jagen können, wird ihr Hunger hoffentlich wieder auf natürliche Weise gestillt.

Die wahre Königin

Nun mag der männliche Eisbär größer und stärker sein und mit Artgenossen erbarmungslos in der Paarungszeit um die Vorherrschaft kämpfen. Und doch: Für uns von eisexpeditionen.de ist das Weibchen die wahre Königin der Arktis.

Spürt das Weibchen ihre Trächtigkeit, startet sie mit den Vorbereitungen für den Nachwuchs: Sie beginnt dann (etwa im November oder Dezember) damit, eine Höhle in den Schnee zu graben, in der sie schließlich die Jungen gebärt. Auch hier zeigt sich wieder eine faszinierende Besonderheit der Natur: Überwiegend gebären die Weibchen nicht „Einzelkinder“, sondern Zwillinge! Auch Drillinge sind nicht unüblich bei diesen majestätischen Tieren.

Die Ernährung und die Aufzucht der kleinen Eisbären liegen ganz bei der Mama. Und was es für kleine Wunder sind: Werden sie eines Tages vielleicht 400kg schwer, sind sie bei ihrer Geburt doch regelmäßig Leichtgewichte unter einem Kilo, schutzlos der harten Natur der Polarregion ausgeliefert. Aber Mama war klug und hat nicht nur die Höhle gegraben, in der ihre Nähe Wärme und Schutz spendet. Sie hat sich auch so viel eigene Fettreserven angefressen, dass sie die Kinder aus ihnen heraus versorgen kann.

Keiner verlässt in den ersten Monaten die Höhle, weder die Mama noch die Jungen, und durch das Stillen der Mama wachsen die Kleinen prächtig heran und sind schon bald, etwa im April, bis zu 10kg schwer. Die Mutter entscheidet dann, wann es Zeit ist, die Höhle zu verlassen und die Kleinen auf ihr ebenso hartes wie auch faszinierendes Leben vorzubereiten. Jetzt bleiben die Kleinen eng bei der Mama, lernen die Tricks, um in der wilden Natur zu überleben, und wachsen ihrerseits zu kleinen Königen und Königinnen heran.

Aber wie wir schon geschrieben haben: Eisbären sind Einzelgänger. Das gilt bei aller Mutterliebe auch für die kleine Familie – nach rund 2,5 Jahren heißt es, Abschied zu nehmen, und so trennen sich Junge und Mutter. Hoffentlich werden die Kleinen dann ihren Weg gehen und mitwirken, die Art zu erhalten.

Die Eisbärin rettet mit ihrer Hingabe damit ihre Art. Sie ist für uns von eisexpeditionen.de daher die wahre Königin der polaren Regionen der Arktis.

Der gefährdete König

Wer einen Eisbären in freier Natur sichtet, wird das nie vergessen. Die Größe, verbunden gleichsam mit einer Anmut, den nur wenige Tiere ausstrahlen, all das erweckt in jedem Menschen eine tiefe Bewunderung wie auch Liebe zur Natur. Das Wissen um die Gefährdung dieser Spezies macht viele Menschen daher zu Recht traurig. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) führt den „Polar bear“ (englisches Wort für Eisbär) auf ihrem „Red Index“ über gefährdete Arten als „vulnerable“, der Bestand wird auf 22.000 bis 32.000 weltweit in freier Wildbahn geschätzt – leider mit abnehmender Tendenz. Vor allem der Klimawandel und der abnehmende Lebensraum in Konkurrenz zum Menschen machen dem Eisbären stark zu schaffen. Es liegt an uns, dieses wunderbare Tier auch für unsere nachkommenden Generationen zu bewahren.

Sollten wir dann überhaupt Expeditionskreuzfahrten in die Polarregionen unternehmen, oder stören wir damit nur den Eisbären? Auch wenn man geteilter Meinung dazu sein kann, betonen führende Umweltexperten, dass zu einem nachhaltigen Umweltschutz auch ein Tourismus gehören kann, der sich an den Bedingungen der Natur orientiert. Denn dieser Tourismus schärft weltweit das Bewusstsein, wie wichtig es ist, die Tiere zu schützen. Auf den Reisen, die Sie hier auf eisexpeditionen.de finden, werden Sie nicht mit einem Eisbären in direkte Berührung kommen. Sie sind Beobachter und Bewunderer der Tiere, nicht Störer ihres Lebens.

Auch sind sich die Reedereien ihrer Verantwortung für die Natur bewusst. So setzen sie zunehmend umweltschonende Hybridantriebe ein. Zudem sind die Reedereien in der Regel Mitglied der IAATO und der AECO, zwei Organisationen, die sich für Reisen unter größtmöglicher Rücksicht auf die Natur einsetzen, aber auch für die respektvolle Wahrung einheimischer Kulturen und Traditionen. Die von diesen Organisationen vorgegebenen Regeln halten sie diszipliniert ein und gefährden damit nicht das Reich des Eisbären, sondern dienen vielmehr einer Schärfung des Bewusstseins um die Schönheit und Gefährdung dieses fantastischen Tiers.

Ein faszinierendes Tier. Sie möchten den König der Arktis in freier Natur sehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Anruf. Wir helfen Ihnen gern bei Ihrer Reiseplanung. Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!