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Der Buckelwal – ein wanderlustiger Akrobat

Der Buckelwal ist ein häufig und gern gesehener Gast auf unseren Expeditionsreisen. Er gilt als Gesangskünstler und Artist unter den Walen und ist sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis zu Hause.

Walbeobachtungen

Es ist 22:30 Uhr während Sie die atemberaubende Landschaft der Inside-Passage auf dem Außendeck in sich aufsaugen. Seichte Nebelbänke umrahmen die nächste Fjordeinfahrt. Der Schein der Mitternachtssonne kämpft sich durch die Schleierwolke als wenn er Ihren Blick bewusst auf den ins Meer ragenden Gletscher lenken möchten. Plötzlich springt in wenigen Metern Entfernung ein Buckelwal komplett aus dem Wasser, dreht sich, schlägt mit einem lauten Platschen auf die Wasseroberfläche und taucht wieder ab. Nur ein paar Minuten später schaut er aus dem Wasser, beinahe als wenn er prüfen möchte ob ihn seine Zuschauer auch wirklich gesehen haben. Ein ganz besonderer Moment, von dem Sie nach Ihrer Reise sicher gerne und oft berichten werden. Nicht nur, dass schon die Sichtung eines Buckelwals in freier Wildbahn eine unglaubliche Erfahrung ist. Es lohnt sich auch, mehr über diese Meeressäuger und ihre Lebensweise zu erfahren, denn manche Verhaltensweisen geben Wissenschaftlern noch bis heute Rätsel auf.

Woher der Wal seinen Buckel hat

Der Buckelwal erreicht im ausgewachsenen Zustand eine Länge von bis zu 19 Metern und ein Gewicht von bis zu 36.000 kg – etwa so viel wie sechs Afrikanische Elefantenbullen. Ihr Herz kann beinahe 200 kg wiegen.

Ihren Namen verdanken die Buckelwale ihrer eigenen Bewegung, wenn sie zum Tauchen ansetzen, denn dabei krümmen sie ihren Rücken zu einem Buckel. Die Meeressäuger können bei ihren Tauchgängen in bis zu 200 Metern Tiefe sein und bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben. Durchschnittlich dauert ein Tauchgang hingegen nur 15 Minuten. Der Blas eines Buckelwals, also die durch das Blasloch nach einem Tauchgang mit hohem Druck ausgestoßene Luft, kann eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichen und ist auch noch in über 200 Metern hörbar.

Sie erreichen ein Durchschnittsalter von 50 Jahren, es sind jedoch auch Einzelfälle von bis zu 100 Jahren bekannt.

Buckelwale gehören mit ihren 4,8-14 km/h Schwimmgeschwindigkeit zu den langsamen und gemächlichen Schwimmern. In Gefahrsituationen können sie jedoch Spitzengeschwindigkeiten von 26,5 km/h erreichen.

Eineinhalb Tonnen Krill am Tag

Die Meeressäuger ernähren sich vorwiegend von kleinen, krebsähnlichen Krustentieren, Krill genannt. Auf dem Speiseplan stehen aber auch Plankton sowie kleine Schwarmfische. Um ihren Hunger stillen zu können, benötigen Buckelwale bis zu eineinhalb Tonnen Nahrung am Tag. Sie fressen jedoch hauptsächlich während der Sommermonate – in der restlichen Zeit leben sie von ihren Fettreserven.

Um an ihre Beute zu kommen, treten Buckelwale häufig als Gruppenjäger auf. Dabei bauen sie durch Ausstoßen von Luft eine zylinderförmige Wand aus Luftblasen um den Fischschwarm auf und kreisen die Beute damit immer enger ein. Wenn der Kreis eng genug ist, stoßen die Wale in den Schwarm und versuchen möglichst viel Fisch zu verschlingen.

Es wurde auch schon beobachtet, dass die Buckelwale ihre Schwanz- und Brustflossen einsetzen, um ihre Beute durch eine Stoßwelle und durch den Aufprall der Flossen auf dem Wasser, zu betäuben.

Buckelwale zählen zu den sogenannten Bartenwalen. Sie haben anstatt von Zähnen ein Filtersystem aus fingernagelähnlichem Material, die sogenannten Barten. Nachdem sie Krill oder kleine Fische mit einer großen Menge Wasser in ihrem Maul aufgenommen haben, drücken sie das Wasser wieder durch die Barten heraus und die Beute bleibt an deren Innenseite gefangen und kann verspeist werden.

Der Fingerabdruck des Buckelwals

Während viele andere Walarten einen stromlinienförmigen Körperbau haben, ist der Körper des Buckelwals nahezu rund und verschlankt sich zum Ende hin. Auf der Rückseite des Körpers (oben) sind die Tiere schwarz, auf der Bauchseite schwarz-weiß gefleckt. Dieses Muster der Bauchseite erstreckt sich bis auf die Unterseite der Fluke, so der Name der bis zu 5,5, Metern breiten Schwanzflosse. Die schwarz-weiße Musterung und auch die wellenförmige Form am Ende der Fluke sind bei jedem Wal einzigartig – wie der Fingerabdruck eines Menschen. Manchen Wissenschaftlern ist es allein anhand der Fluke möglich, bestimmte Tiere wiederzuerkennen und so ihre Wanderungen und Aufenthaltsorte nachvollziehen zu können.

Die Brustflossen der atlantischen Buckelwale sind überwiegend weiß, die ihrer pazifischen Artgenossen dagegen dunkler. Die Länge der Brustflossen entspricht fast ein Drittel der Körperlänge eines Buckelwals.

Die Tiere haben einen charakteristischen höckerigen Kopf. Ober- und Unterkopf weisen jeweils rundliche Hautverdickungen auf (Tuberkel), aus denen jeweils mindestens ein Bartenhaar herauskommt. Die genaue Funktion dieser Haare ist noch nicht abschließend geklärt, es wird jedoch vermutet, dass die Tiere diese nutzen, um Bewegungen im sie umgebenden Wasser wahrzunehmen.

Die längsten Wanderungen aller Säugetiere

Der lateinische Name des Buckelwals „Megaptera novaengliae“ bedeutet übersetzt „der mit den großen Flügeln aus Neuengland“ und lässt den Trugschluss zu, die Tiere kämen lediglich in dieser Region vor.

Tatsächlich sind Buckelwale allerdings weltweit zu Hause. Ihr Lebensraum reicht von polaren bis zu tropischen Gewässern: Arktis, Atlantik, Pazifik, Antarktis und Beringstraße sind nur einige Beispiele.

Während des Sommers halten die Tiere sich in kälteren, polaren Gewässern auf, im Winter wandern sie zur Paarung und zur Geburt ihrer Kälber in wärmere, tropische Gewässer. Sie haben sowohl im Sommer- als auch im Winter ihre festen Plätze, zu denen sie im darauffolgenden Jahr zurückkehren. Auf ihren festen Wanderrouten legen sie praktisch ohne Ruhepausen Strecken von bis zu 5.000 km mit ihren Artgenossen zurück.

Die Wanderung der Buckelwal-Populationen, die während des Sommers in der Antarktis leben und ihre Kälber im Winter vor den Küsten Kolumbiens und Panamas gebären, legen die längste bekannte Wanderung aller Säugetiere zurück und zählen somit zu den längsten Wanderungen im gesamten Tierreich.

Obwohl die Populationen der nördlichen als auch der südlichen Hemisphäre im Winter in die tropischen Gewässer zur Paarung und Geburt der Kälber wandern, treffen sie sich niemals aufgrund der entgegengesetzten Jahreszeiten. Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Schulen dabei nie den Äquator überschreiten und in ihrer südlichen oder nördlichen Halbkugel bleiben.

Eine Ausnahme von den langen Wanderungen scheint eine Population von Buckelwalen im Arabischen Meer zu machen. Hier beobachtete man Buckelwale, die ganzjährig in dieser Gegend blieben.

Betörende Gesänge & spektakuläre Akrobatik

Zwei weitere und gleichzeitig mysteriöse Verhaltensweisen der Wale sind ihr Gesang sowie ihre akrobatischen Vorführungen.

Die männlichen Buckelwale singen die längsten Lieder aller Tiere, sie bestehen aus einer komplexen Abfolge von Pfeif- und Quietschtönen sowie tiefen und sonoren Rufen. Wie sich der Gesang zusammensetzt und anhört ist charakteristisch für die unterschiedlichen Populationen. Typischerweise dauern diese Lieder zehn bis 20 Minuten. Einige Buckelwale wurden aber auch schon bei 24-stündigen Gesängen beobachtet. Der Gesang ist bis zu 20 Kilometer hörbar.

Wissenschaftler rätseln sowohl darüber wie die Buckelwale ihren Gesang erzeugen als auch wozu dieser dient. Die Wale besitzen keine Stimmbänder. Eine Vermutung ist es, dass sie durch das Pressen von Luft durch ihre Nasenhöhlen singen können. Hinsichtlich der Vermutung bestehen unterschiedliche Ideen. So könnte der Gesang zur Herausforderung anderer Männchen dienen, eventuell auch als Echoortung zum Finden von Nahrung. Die wohl romantischste Idee ist, dass es sich bei den Gesängen um Liebeslieder handeln könnte, um Weibchen anzulocken.

Buckelwale sind sehr akrobatisch, so können sie beispielsweise komplett aus dem Wasser springen, danach schlagen sie bei der Landung auf der Wasseroberfläche auf und tauchen wieder ab. Warum sie diese Sprünge machen, ist nicht genau bekannt. Möglicherweise tun sie dies lediglich als Spiel, es könnte aber auch der Beseitigung von Hautparasiten dienen oder eine soziale Bedeutung haben.

Weitere faszinierende Verhaltensweisen sind das Herausstecken des Kopfes aus dem Wasser für bis zu 30 Sekunden, um die Umgebung zu erkunden oder das weite Herausstrecken der Fluke hoch in die Luft, die sie dann ruckartig nach unten reißen und auf das Wasser schlagen. Dabei erzeugen die Buckelwale sehr laute Geräusche. Auch die Bedeutung dieses „Flukenschlagens“ ist nicht bekannt, könnte aber zur Warnung für den Rest der Schule, wie feste Gruppen von Walen genannt werden, bei Gefahren dienen.

Paarung des Buckelwals

Weibliche Buckelwale erhalten ihre Geschlechtsreife mit etwa fünf Jahren, männliche mit sieben Jahren

Zur Paarungszeit kämpfen Männchen untereinander Dominanzen aus. Neben Angriffen besteht die Vermutung, dass sie zum Zweck dieser Kämpfe auch die Sprünge, das Herausstrecken des Kopfes sowie das „Flukenschlagen“ nutzen.

Die Paarung findet während der Wintermonate in der Nähe der Tropen nach ihrer Wanderung aus den kälteren Gewässern statt. Ist die Paarung zwischen Weibchen und Männchen erfolgreich, dauert die Trächtigkeit elf Monate. Ein frisch geborenes Buckelwal-Kalb wiegt etwa 900 kg und ist drei bis viereinhalb Meter lang. Die Mutter des Kalbs versorgt dieses täglich mit etwa 45 Litern Muttermilch, die einen gehaltvollen Fettanteil von 45-60% besitzt. Nach sechs Monaten werden die Kälber entwöhnt.

Normalerweise gebärt eine Walkuh alle zwei bis drei Jahre ein Kalb.

Bestand und Feinde

Buckelwale stellen für Walfänger leichte Beute dar. Aufgrund der Nähe ihrer Futter-, Paarungs- und Geburtsgebieten zu der Küste und ihrer verhältnismäßig langsamen Schwimmgeschwindigkeit, wurden sie früher viel gejagt. 1966 wurde ihnen ein weltweiter Schutzstatus verliehen. Allerdings wurden auch in den Folgejahren zahlreiche illegale Tötungen, insbesondere in der Sowjetunion verübt. Neben den Walfangschiffen stellen auch Fischernetze, in denen sich die Wale verfangen können, eine Gefahr für die Tiere durch den Menschen dar.

Annahmen gehen davon aus, dass sich die Zahlen in einigen Gebieten, z.B. im Nordatlantik langsam wieder erholt haben. In anderen Gebieten, wie z.B. im Nordwestpazifik, besteht hingegen weiterhin Anlass zur Sorge, dass Buckelwale gejagt und getötet werden. Heute wird die Art als „nicht gefährdet“ eingestuft. Vermutungen gehen von 80.000 Tieren weltweit aus, von denen der Großteil in der südlichen Hemisphäre (> 50.000 Tiere) leben soll. Im Nordpazifik leben schätzungsweise 20.000 Tiere und im Nordatlantik 12.000 Tiere.

Neben dem Menschen stehen dem Buckelwal nur die Schwertwale als natürliche Feinde gegenüber. Zwar wurden bisher keine Kämpfe zwischen diesen Walarten beobachtet, Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass beobachtete Narben auf den Rücken von Buckelwalen von diesen Angriffen stammen könnten.

Gerade weil noch längst nicht alle Verhaltensweisen erklärbar sind, ist der Buckelwal in vielerlei Hinsicht interessant um ihn näher kennen zu lernen – vielleicht ja bereits auf Ihrer nächsten Expeditionsreise durch die arktischen oder antarktischen Ozeane.

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