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Baffin Island – das kanadische Paradies der Arktis

Eines der größten Highlights in der Arktis ist die riesige Insel Baffin Island. Stellen Sie sich eine Insel vor, größer als Deutschland, von Fjorden und Gebirgen durchzogen und voller Leben, hier erleben Sie die pure Arktis, hier ist die unberührte Wildnis ebenso zu finden wie die Kultur der Inuit. Zusammen mit der anliegenden Baffin Bay bietet die Region ein Paradies für Polarfreunde. Gehen Sie mit Eisexpeditionen.de auf Entdeckungsreise in diesem Blogbeitrag.

Expedition Baffin Island

Der Blick in das Fernglas zeigt sie: Baffin Island. Was für ein Anblick, denken Sie, und um sie herum verschwinden die wenigen anderen Gäste des Expeditionsschiffes, mit dem Sie das Abenteuer der Reise in die kanadische Arktis wagen. Was Sie nun sehen, wirkt wie eine andere Welt. Fjorde durchziehen die Insel, das können Sie schon jetzt erkennen, und an den Schollenrändern des umliegenden Eises tummeln sich bereits Walrösser. Dann ruft einer der Passagiere, und nur widerwillig wenden Sie kurz den Blick ab, denn dieses Naturschauspiel hat Sie schon völlig gepackt. Aber der Blick auf das Wasser lohnt sich, denn was sich nun vor Ihren Augen abspielt, führt dazu, dass ihr Atem stehen bleibt. Eine Flosse. Zwei. Drei. Ein großer Körper, eine Wasserfontäne – der Blas. Die Walherde begrüßen Sie, hier, in Küstennähe. Sie wissen gar nicht, wohin Sie zuerst blicken sollen. Noch sind Ihre Augen auf das Wasser gerichtet, als kurz ein neuer Blas Ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie blicken hoch, und am Himmel erkennen Sie große Schwingen. Ein Adler ist gekommen, um Sie zu begrüßen, nach Beute zu suchen oder selbst die Wale zu beobachten, das wissen Sie nicht. Sie wissen nur eines: Hier sind Sie als Abenteurer richtig. Willkommen auf Baffin Island.

Die arktische Landschaft

Baffin ist eine wunderschöne arktische Insel, mit einer von Fjorden und Gebirgen im Schnee geprägten Landschaft, wenngleich die wahre Faszination in seiner Tierwelt liegt. Aber was macht das Naturschauspiel von Baffin Island aus? Zunächst eine Insel, die von zahlreichen Fjorden durchzogen ist, jeder einzelne lädt zum Erkunden und Träumen in dieser kühlen nordischen Welt ein. Das alles wird gesäumt von den hohen Gipfeln des gletscherbedeckten, bergigen Rückgrats der Insel, mit Gipfeln von über 2000m Höhe – diese Bergwelt erstreckt sich über 1.500km.

Über allem thront als Anlaufpunkt das Auyuittuq-Nationalparkreservat mit über 21.000 Quadratkilometern Größe auf der Cumberland-Halbinsel, der Ostküste von Baffin Island, das 1972 gegründet wurde. Und was für eine fantastische arktische Wildnis Sie hier finden werden: Tiefe Täler, schneebedeckt und von majestätisch anmutender arktischer Schönheit, zerklüftete Berggipfel, die wie ein Bild aus einer anderen Welt scheinen, Fjorde, immer wieder Fjorde, und überall, überall die Tierwelt, Eisbären, Walrosse, Vögel (dazu sogleich). Sie erkennen, warum wir von Eisexpeditionen.de so begeistert sind von Baffin Island – das ist Arktis pur.

Die Fauna ist natürlich vor allem durch die arktische Tundra geprägt, die wir schon in einigen Beiträgen näher beschrieben haben. So finden wir auf Baffin Island auch die einzige arktische Baumart, die arktische Weide, die aber oft nicht höher als zehn Zentimeter wird. Dennoch sind diese Pflanzen für das Ökosystem sehr wichtig und Grundlage der Nahrung für viele Tiere.

Die faszinierende Tierwelt

Dort drüben, flüstert ihr Begleiter fast ehrfürchtig, und wieder greifen Sie zum Fernglas und folgen dem Finger. Als Sie das Fernglas zu Ihren Augen heben, es kurz scharf stellen, dann sehen sie ihn – den König der Arktis, einen gigantischen Eisbären. Er hat Beute, eine Robbe, die er wohl kurz zuvor gefangen hat – nun schleppt er sie noch einige Meter in seinem großen Maul, bevor er sie zu Boden fallen lässt und genüsslich mit seiner Speise beginnt, entspannt und ohne Furcht vor dem in sicherer Entfernung befindlichen Schiff. Er frisst Stück für Stück seiner Beute, grausam auf eine gewisse Weise, und doch schlicht Natur. Als er schließlich fertig ist, säubert er sich in aller Ruhe die Pfoten und unwillkürlich müssen sie an ihre Hauskatze denken. Aber diese „Katze“ hier wiegt fast eine Tonne und ist das gefährlichste Raubtier der Welt – auch wenn es sich nun nach seiner Mahlzeit entspannt im Schnee wälzt. Auch das ist Baffin Island, die Heimat von Eisbären, Walrössern und Vögeln.

Ein einzigartiges Erlebnis für jeden Abenteurer

Wir von Eisexpeditionen.de lieben Baffin Island aber nicht wegen der schönen Landschaft der Insel. Es sind, wie auch bei anderen arktischen Regionen, vor allem die Tiere, die unser Herz in der arktischen Kühle erwärmen. Denn für die Tierfreunde unter den Entdeckern ist Baffin Island ein einzigartiges Paradies.

Allen voran gibt es hier natürlich Eisbären zu sehen, die Könige der Arktis, mit ihren oft über 800kg die größten Fleischfresser, die es auf unserem Planeten gibt. Wohl etwas mehr als 50% der Eisbärenpopulation der Welt leben in der kanadischen Arktis, und die Chance, auf einer Exkursion rund um Baffin Island eines der Tiere – oder sogar eine Mutter mit ihren Jungen! – zu erblicken ist groß. Zu Eisbären haben wir natürlich hier auf Eisexpeditionen.de schon sehr viel erzählt, vor allem in unserem großen Blogbeitrag zu Eisbären und in unserem Podcast. Freunde dieser schönen Tiere sollten unbedingt in diese Beiträge schauen.

Aber nicht nur, um den König der Arktis zu sehen, den Eisbären, lohnt sich die Reise nach Baffin Island und in die Baffin Bay, ganz im Gegenteil. Eine der größten Attraktionen dieser Reise ist die Beobachtung von Walen, die in großer Menge hier zu sehen sind. Hier gibt es ganz verschiedene Walarten zu sehen. Eine der wichtigsten Walarten in diesem Gebiet ist der Narwal, den Sie vielleicht schon einmal auf Fotos erkannt haben anhand seines sehr ikonischen Stoßzahnes. Es handelt sich um scheue, seltene Tiere, die Sie an anderen Orten der Arktis kaum zu Gesicht bekommen – aber rund um Baffin Island sind sie häufig anzutreffen. Das Besondere am Narwal ist, dass er immer in der Arktis lebt, also nicht über das Jahr hinweg wandert. Die Tiere werden nach Berichten von Forschern wohl bis zu 50 Jahre alt. Faszinierend: Sie wechseln während dieser langen Lebenszeit ihre Farbe! Neugeborene sind blaugrau gesprenkelt, Teenager sind dann blauschwarz, Erwachsene zeichnen sich dann durch graue Verzierungen aus – und ganz wie bei so manchem Mitbürger werden Narwale im Alter zunehmend weiß.

Ebenso finden Sie hier den sogenannten Grönlandwal. Diese Wale werden angeblich bis zu 200 Jahre alt in freier Wildbahn – wenn Sie einen solchen Wal auf Ihrer Expeditionsreise begegnen, kann es durchaus sein, dass er vor 180 Jahren noch das Zeitalter der Entdecker als Jüngling miterlebt hat. Sie zeichnen sich durch massive bogenförmige Köpfe auf, mit denen sie bis zu 60cm dickes Meereis durchbrechen können – ein Anblick, den Sie nie vergessen werden, wenn Sie einmal das Glück haben, dieses Schauspiel zu erleben.

Darüber hinaus gibt es den Beluga (Weißwal), eine kleine Walart mit einer Größe von 4 bis 6m bei einem Gewicht von ca. 1-1,4 Tonnen. Auch sie haben einen Höcker auf dem Kopf (die sogenannte Melone), mit dem sie das Eis durchbrechen können. Sie sind ganz besondere Tiere, denn sie ähneln nicht nur Laute nach, die menschlicher Sprache ähneln, sondern sie können auch den Kopf drehen, ohne den Körper zu drehen, was bei Walen mehr als ungewöhnlich ist. Belugas sind häufig in der Nähe von Baffin Island zu sehen, insbesondere wenn sie in Gruppen zu den Futterplätzen wandern.

Robben gibt es auch zu Tausenden auf der Baffin Island. Interessant ist ihr Gruppenverhalten: Sie ziehen oft in größeren Gruppen von Futterplatz zu Futterplatz, und es ist für jeden Reisenden ein besonderer Anblick, wenn auf einmal über hundert schwarze Köpfe aus der arktischen See kurz hochblicken, um sich gemeinsam zu orientieren. Sie sind natürlich vor allem für Eisbären eine beliebte Beute.

Natürlich gibt es auch Walrösser, unerkennbare Giganten, majestätisch und immer wieder ein Anblick, der unser Herz erfreut. Die Tiere können bis zu 1,5 Tonnen schwer werden, dem Gewicht eines Kleinwagens. Auch sie können zu Tausenden in den Regionen von Baffin Island und Baffin Bay beobachtet werden.

Schließlich gibt es auch für Vogelfreunde viel zu beobachten – über 100 Vogelarten befinden sich regelmäßig auf Baffin Island und können bestaunt werden, darunter viele Möwenarten, aber auch Adler und Schneehühner. Baffin Island ist eines der wichtigsten Nistziele für viele Zugvogelarten von den östlichen und mittelwestlichen Flugrouten aus – gerade im Sommer gibt es daher den Vogelnachwuchs zu bewundern. Zu den Fernreisenden gehört auch die Küstenseeschwalbe, die jedes Frühjahr aus der Antarktis einwandert. Zu den Arten von Wasservögeln, die hier nisten, gehören Blässhühner, Seetaucher, Stockenten und viele andere Entenarten.

Die Geschichte der Insel & die Kultur der Inuit

Es wird angenommen, dass die arktische Insel im 11. Jahrhundert von Wikingern besucht und von dem britischen Entdecker Martin (später Sir Martin) Frobisher bei seiner Suche nach der Nordwest-Passage (1576-78) gesichtet wurde. Sie waren natürlich nicht die ersten Menschen hier, denn nachweislich lebten die Inuit hier schon seit mehreren Tausend Jahren.

Aber von wem hat die Insel ihren Namen? Sie wurde nach William Baffin, einem englischen Seefahrer aus dem 17. Jahrhundert, benannt. William Baffin wurde um 1584 in England geboren und starb 1622 im Persischen Golf. Er war ein Seefahrer, der ebenfalls die Nordwestpassage suchte – bei seiner Suche gab er Baffin Island sowie der Bucht, die sie von Grönland trennt, den heutigen Namen. Baffin ist nicht nur für seine Entdeckungen von Land in der Vergangenheit berühmt geworden, sondern hat auch noch aus einem anderen Grund einen Eintrag in den maritimen Schiffsbüchern verdient: Seine Bestimmung des Längengrades auf See durch Beobachtung der Bedeckung eines Sterns durch den Mond im Jahr 1615 soll die erste dokumentierte Bestimmung dieser Art gewesen sein.

Einheimische von Baffin Island sind die Inuit. Die Geschichte der auf Baffin Island lebenden Inuit hat leider ihre dunklen Flecken. Gerade im 18. Jahrhundert entstanden Kontakte zwischen den Inuit und europäischen Händlern, im 19. Jahrhundert war es dann der Walfang, der zu häufigen Kontakten und Konflikten zwischen Inuit und Europäern bzw. Kanadiern führte. Die Inuit gerieten durch den Handel auch in Abhängigkeit von der kanadischen Regierung, die früher der Inuit-Kultur kritisch gegenüberstand und auch Zwangsumsiedlungen vornahm. Ein besonders dunkles Kapitel: Von 1867 bis 1996 war es üblich, dass die Regierung Inuit-Kinder aus ihren Familien riss und, um sie vermeintlich modern zu erziehen, in sogenannte „Residential schools“ sandte. Fern von ihren Eltern und ihrer Kultur, sollten sie hier zu „modernen Kanadiern“ erzogen werden, häufig mussten sie aber auch schlimme Misshandlungen über sich ergehen lassen. Die Aufarbeitung dieser Zeit dauert bis heute an.

Wichtig ist zu verstehen, dass es nicht „die“ Inuit auf Baffin Island gibt. Die Einheimischen weisen eine beträchtliche regionale Vielfalt in Sprache und Kultur auf, insbesondere zwischen den Einheimischen im Norden und denen an der Ostküste. Zwar ist die Sprache, Inuktitut, ein verbindendes Element, aber sie hat mehrere Unterdialekte.

Eine der bekanntesten Gemeinden vor Baffin Island, auf Dorset Island, ist Cape Dorset, das heute weltweit für die herausragenden Speckstein-Schnitzereien, Drucke und Zeichnungen seiner Inuit-Künstler bekannt ist.

Die Inuit und ihre Kultur haben, wie ausgeführt, unter den Europäern stark gelitten. Es wird angenommen, dass insbesondere die Walfänger einen sehr negativen Einfluss im 19. Jahrhundert hatten. Durch sie bekamen die Inuit Alkohol und Waffen, die die einheimische Kultur negativ veränderten. Vor allem aber bekamen sie von den Walfängern Krankheiten, die vorher unbekannt waren und auf die die Bevölkerung nicht vorbereitet war. Viele Menschen starben vermutlich in dieser Zeit. Nach dem Ablaufen des Walfangs haben sich die Inuit auch auf die Fuchsjagd konzentriert. Heute bewahren sich die Inuit bewusst, auch im Spannungsverhältnis zu modernen Zeiten, ihre Kultur und pflegen diese wieder in ihren Gemeinden, was auch Touristen wahrnehmen können. Heute sehen Besucher daher viele traditionelle Verhaltensweisen, die wieder gepflegt werden und Reisenden einen Eindruck davon geben, wie die Menschen hier früher auf der arktischen Schönheit Baffin Island gelebt und gejagt haben.

Spannend: Baffin Bay

Zwischen Grönland und Baffin Island erstreckt sich Baffin Bay mit einer Fläche von knapp 700.000 Quadratkilometern. Die Davis-Straße (Süden) führt von der Bucht zum Atlantik, während die Nares-Straße (Norden) zum Arktischen Ozean führt. Das Klima ist streng, besonders im Winter, wenn Nordostwinde vor Baffin Island (im Süden) und im nördlichen Sektor der Bucht wehen. Im Sommer herrschen nordwestliche und südwestliche Winde vor.

Die Baffin Bay fasziniert mit ihrer Tierwelt, vor allem Walen, und natürlich mit den majestätischen Eisbergen. Diese schmelzen selbst im August in der Regel nicht, und nicht alle Ecken der Baffin Bay sind stets befahrbar, denn die Eisdecke besteht aus arktischem Packeis, aus lokalem Meereis und eben von den Eisbergen, die von Gletschern abgebrochen sind. Lediglich das im Norden befindliche „nördliche Wasser“ ist stets eisfrei (aufgrund des wärmenden Effekts des Westgrönlandstroms). Hier in der Baffin Bay erleben Sie daher ebenfalls die pure Arktis, mit den Eisbärensichtungen und gleichzeitig aber auch mit Begegnungen mit Walen und anderen Meerestieren.

Hat Sie die Lust am Entdecken gepackt? Wollen Sie Baffin Bay und vor allem Baffin Island erkunden? Dann sprechen Sie uns gerne an – wir von Eisexpeditionen.de stellen Ihnen Ihre perfekte individuelle Reise zusammen. Ihr Team von Eisexpeditionen, Ihr Spezialist, wenn es um Expeditionskreuzfahrten geht!